Xamax-Trainer Henchoz vor dem Abstiegsduell
«GC hat viel mehr Druck als wir»

Warum Xamax-Coach Stéphane Henchoz vor dem Kellerduell gegen GC keine Angst hat, weshalb er von seinen Spielern will, dass sie um 7 Uhr aufstehen und was er seinen Kritikern erwidert.
Kommentieren
1/5
In seinem ersten Spiel als Xamax-Chefcoach gewinnt Stéphane Henchoz gegen Luzern mit 2:1. Es ist der erste Sieg seit fast fünf Monaten.
Foto: Keystone
Martin Arn

Strahlend blauer Himmel über Neuenburg. Neben der Maladière glitzert der See. Im Stadion scheuchen Assistenzcoach José Saiz und Nachwuchstrainer Aurélien Mioch die Xamax-Spieler über den Platz. Stéphane Henchoz, seit zehn Tagen neuer Trainer der Neuenburger, steht am Mittelkreis und beobachtet die Ballstafetten. Erst beim abschliessenden Trainingssgspiel übernimmt er das Kommando. Immer wieder unterbricht Henchoz die Spielzüge mit seiner Trillerpfeife: «Halt, halt, halt», ruft er, als die angreifende Mannschaft viel zu kompliziert spielt: «Wir sind nicht Barcelona, Jungs. Sucht den Abschluss, ich will kein Tiki-Taka!»

Frisch geduscht erklärt Henchoz danach, wie er Xamax vor dem Abstieg retten will.

SonntagsBlick: Herr Henchoz, die Westschweizer Journalisten bemängeln Ihre fehlende Erfahrung auf höchster Stufe: Was erwidern Sie ihnen?
Stéphane Henchoz: Sie haben Recht! Ich habe bisher nicht auf höchster Stufe trainiert.

Es hiess auch, Sie seien zu ruhig, zu introvertiert.
Muss man immer unter Strom stehen, herumschreien? Haben Sie das Spiel gegen Luzern gesehen? Wie war ich da an der Linie?

Sehr engagiert, lautstark…
…eben! Sie waren vorhin im Training, auch da haben Sie mich wahrscheinlich ziemlich gut gehört, oder? Wissen Sie, das sind Leute, die irgendetwas schreiben, ohne dass sie beim Training zuschauen.

Sie haben eingeführt, dass bei Xamax immer vormittags trainiert wird, weshalb?
Weil ich es für die beste Zeit halte. Fussballprofi zu sein heisst Arbeit. Da steht man morgens um 7 auf, ist um halb zehn im Training. Und am Abend sollen die Spieler ins Bett, weil sie am Morgen wieder früh aufstehen müssen. Ich glaube, man ist am Morgen leistungsfähiger.

Viele denken, dass Xamax das schwächste Team der Super League hat: Was glauben Sie?
Das glaube ich nicht. Wir haben das Potenzial, um in der Super League zu bleiben.

Die Partie gegen GC – Letzter gegen Zweitletzter – wird in der Romandie als «Spiel der Angst» bezeichnet. Sehen Sie das auch so?
Nein, weshalb sollte ich? Fussball zu spielen ist ein Privileg, es soll Spass machen. Es gibt ganz andere Dinge im Leben, die Angst machen.

Spüren Sie keinen Druck?
Noch einmal: Fussball ist ein Vergnügen. Andere Leute, die richtige Probleme haben, die spüren Druck im Leben. Fussballspieler doch nicht!

Hat GC Druck?
Auf jeden Fall haben sie viel mehr Druck als wir. GC ist ein Grossklub, vielfacher Schweizermeister, mit einem sechsmal höheren Budget und mit viel höheren Löhnen.

Mit einem Sieg gegen GC könnten Sie die rote Laterne abgeben: Denkt man als Coach an so etwas?
Klar könnte uns ein Sieg Rückenwind und Selbstvertrauen geben. Aber es gibt danach noch 15 weitere Spiele. Ich schaue nicht auf die Tabelle. Die kennen alle. Ich will, dass wir unsere beste Leistung abrufen, dass wir besser werden. Jeder Einzelne und als Team. Es geht um den Auftritt, der muss maximal sein. In jeder Partie. Egal ob wir gegen YB, Basel oder GC spielen. Wir müssen jedes Mal ans Limit gehen, dann wird das auf Dauer belohnt.

Warum liessen Sie auf Kunstrasen trainieren, obwohl die Partie im Letzigrund stattfindet?
Die Erfahrung zeigt, dass es nicht ratsam ist, jeden Tag auf einer anderen Unterlage zu trainieren. Aber das Abschlusstraining findet dann auf Naturrasen statt.

Sie liessen gegen Luzern mit fünf Verteidigern spielen: Ist das der neue Xamax-Stil?
Wir wollen flexibel bleiben. Aber ich denke, dass wir in Erster Linie defensiv stabil sein müssen. Es ist einfacher, mit fünf Verteidigern zu spielen, weil die Spieler so weniger und auch weniger schwierige Entscheidungen treffen müssen.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen