Die Schlüsselszene
Der FCB führt nach der Start-Viertelstunde mit 2:0, kontrolliert das Geschehen mit breiter Brust. Thun wirkt völlig von der Rolle – nichts ist den Berner Oberländern anzumerken, dass sie mit zwei Siegen im Gepäck am Sonntag aufspielen. Doch dann kommt Jonas Omlin, der sich nach einem Rückpass von Metinho kläglich als Dribbler versucht gegen Dursun. Das Ergebnis: Labeau trifft ins leere Tor und ein Thun am Boden ist plötzlich wieder mitten im Spiel.
Das Spiel
Der FC Basel wartet unter Slavisa Jokanovic weiter auf den ersten Super-League-Sieg. Der FC Thun beweist wie schon beim 5:4-Sieg in Lausanne Comeback-Qualitäten und holt trotz zweier Rückstände einen Punkt.
Basel legt in Thun los wie die Feuerwehr. Asane Sow, der erstmals seit seiner Verletzung wieder in der Startelf steht, wirbelt über rechts, Philip Otele über links. Die verdiente Folge: Eine frühe 2:0-Führung.
Doch dann leistet sich Jonas Omlin, der schon in Lugano ein Gegentor auf seine Kappe nehmen musste, einen ersten unfassbaren Aussetzer. Und plötzlich ist das scheinbar wiedergewonnene Selbstvertrauen des FCB wie weggeblasen. Die Bebbi überlassen den Hausherren immer mehr das Spieldiktat und werden noch vor Spielhälfte für ihre Passivität bestraft. Wieder sieht Omlin schlecht aus.
Die Pause kommt den Baslern gelegen. Denn es gelingt ihnen offensichtlich, die Nervosität wieder abzulegen. Die Basler spielen wieder mutiger. Aber auch nach der erneuten Führung ziehen sie nicht durch, lassen die Thuner ein zweites Mal ins Spiel zurückkommen.
Die Tore
1. Minute, Zan Celar, 0:1. Asane Sow geht über rechts ins Eins-gegen-eins, lässt Olivier Mambwa mit einem Haken stehen. Jan Bamert blockt zwar seinen Schuss, doch der Ball kommt zu Ludwig Malachowski, der geschickt auf Celar ablegt. Der FCB-Topskorer verwertet aus 10 Metern eiskalt.
12. Minute, Philip Otele, 0:2. Thun verliert in der Vorwärtsbewegung den Ball und der FCB weiss den Platz zu nutzen. Metinho schickt Otele auf die Reise, der zu weit aufgerückte Rechtsverteidiger Fabio Fehr kommt nicht hinterher. Der Nigerianer behält die Nerven und schiebt zum 2:0 ein.
16. Minute, Brighton Labeau, 1:2. Was macht Omlin denn da? Der FCB-Goalie will am eigenen Strafraum den herbeieilenden Furkan Dursun mit einem Haken aussteigen lassen, was komplett misslingt. Der Österreicher spitzelt den Ball via Omlins Bein zu Labeau, der ins verwaiste Tor einschiebt.
39. Minute, Nils Reichmuth, 2:2. Reichmuth führt eine Ecke von rechts kurz aus, zieht zur Mitte und bekommt den Ball umgehend von Fehr zurück. Kurz vor der seitlichen Strafraumbegrenzung zieht der chilenische Nationalspieler ab. Seinen – zugegeben strammen – Schuss in die nahe Ecke müsste Omlin aber eigentlich parieren.
55. Minute, Zan Celar, 2:3. Metinho spielt Celar im Strafraum an, rennt diesem sogleich im Sprint hinterher und bekommt den Ball zurück in den Lauf gelegt. Justin Roth gehts zu schnell und bringt den Kongolesen regelwidrig zu Fall. Celar verwandelt den fälligen Penalty präzise oben links.
78. Minute, Kevin Rüegg (Eigentor), 3:3. Der neu ins Team rotierte Rechtsverteidiger verlängert einen Freistoss aus dem linken Halbfeld unglücklich per Kopf ins eigene Tor. Der Ball schlägt unhaltbar in der weiten Ecke ein.
Die Stimmen
Flavius Daniliuc (FCB, gegenüber Blue): «Wir haben uns etwas vorgenommen und in der Woche darauf hingearbeitet. Und das machen wir auch 15 Minuten, würde ich sagen. Aber dann fangen wir an, deren Spiel zu spielen, mit vielen eigenen langen Bällen. Wir wollten weiter spielerisch rauskommen, doch nach dem Gegentor bist du verunsichert, speziell in der aktuellen Situation.»
«‹Fehler von Omlin› ist leicht zu sagen, es ist leicht auf einen Spieler zu zeigen. Vielleicht schaut man auch, was davor passiert. Warum kriegt er den Ball so schwierig? Er hatte keine Anspielstation», erklärt er den Goalie-Ballverlust vor dem 1:2.
Fabio Fehr (Thun, gegenüber Blue): «Ich bin so lala zufrieden. Die ersten 15 Minuten verschlafen wir komplett, dann kommen wir zweimal sehr gut zurück. Dann gehen wir aufs 4:3, das hat aber nicht ganz gereicht. Am Ende nehmen wir den Punkt. Wir haben immer an unserem Plan festgehalten, irgendwann kamen dann die Ergebnisse, wie beim Mentalitäts-Sieg in Lausanne und unter der Woche.»
Der Beste
Zan Celar. Der 27-jährige Slowene macht am Sonntag in Thun genau das, wofür er geholt wurde im Sommer: Tore schiessen. Es ist Celars erster Doppelpack im Trikot des FCB und gleichzeitig das Ende einer über einmonatigen Torflaute in der Super League.
Der Schlechteste
Jonas Omlin. Mit einem Riesenbock bringt er die Gastgeber beim Stand von 2:0 für den FCB zurück in die Partie. Und auch beim 2:2-Ausgleich muss sich der international erfahrene Goalie den Vorwurf gefallen lassen, dass der Weitschuss von Reichmuth alles andere als unhaltbar gewesen ist.
Das gab zu reden
Zum ersten Mal seit Amtsantritt von FCB-Trainer Slavisa Jokanovic steht Captain Xherdan Shaqiri nicht in der Startelf. Die Frage vor dem Spiel lautete: Wie wirkt sich das aufs Basler Spiel aus? Die Antwort: Mit Asane Sow kam deutlich mehr Geschwindigkeit auf die linke Seite, doch er hatte für den Thuner Kunstrasen scheinbar das falsche Schuhmaterial eingepackt. Die vermeintlich intensiveren und häufigeren Sprints ohne Shaqiri in der Offensive wurden von Ludwig Malachowskis Leistung wieder aufgehoben, der viel rennt, aber nicht richtig.
Die Schiris
Lukas Fähndrich pflegt eine sehr grosszügige Linie und lässt viel laufen – teilweise fast zu viel, aber immerhin auf beiden Seiten. Sonst hat er die Partie unter Kontrolle, entscheidet ruhig und zeigt vor dem 2:3 ohne zu zögern auf den Elfmeterpunkt, eine Entscheidung, wie man sie sich wünscht. Auch an VAR Sandro Schärer gibt es gar nichts auszusetzen.
Die Fans
8767 Fans sind am Sonntag im Visana Stadion. Beide Fanblöcke tragen ebenfalls lautstark zu diesem unterhaltsamen Spiel bei.
So gehts weiter
Nach der zweiwöchigen Länderspielpause empfängt der FCB am Sonntag, 22. November (16.30 Uhr), den FC Luzern. Thun spielt schon einen Tag früher im Wankdorf gegen YB (18 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 13 | 21 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 13 | 16 | 28 | |
3 | FC Sion | 13 | 11 | 26 | |
4 | FC St. Gallen | 13 | 2 | 22 | |
5 | FC Zürich | 13 | -1 | 21 | |
6 | Servette FC | 13 | 1 | 17 | |
7 | FC Basel | 13 | -4 | 15 | |
8 | FC Thun | 13 | -10 | 14 | |
9 | FC Luzern | 13 | -7 | 13 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 13 | -13 | 11 | |
11 | FC Vaduz | 13 | -5 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 13 | -11 | 7 |