Die Partie ist kaum zu Ende, da kommt es zu einer Rudelbildung vor der Ersatzbank der Grasshoppers. Jahnoah Markelo jubelt provokant vor der GC-Bank. Dann eilt Livano Comenencia wie von der Tarantel gestochen herbei. FCZ-Trainer Dennis Hediger versucht zu schlichten, wird aber schliesslich auch in den Pulk gezogen. Am Ende zeigt Schiedsrichter Urs Schnyder im Mittelkreis mehrere Karten. Aufseiten des FCZ sieht Jahnoah Markelo direkt Rot, Comenencia wird das nächste Spiel ebenfalls verpassen. Er sieht Gelb-Rot. Ein GC-Spieler sieht ebenfalls Gelb. Und auch FCZ-Präsident Ancillo Canepa ist auf dem Feld – und blutet am Schienbein. Warum, ist nicht klar.
Dem FCZ gelingt die Revanche für die deutliche Derby-Niederlage (0:3) vor knapp zwei Monaten. Er schlägt die Grasshoppers knapp mit 1:0 und hält damit den Anschluss an die Spitzengruppe.
In einer intensiven und umkämpften Partie sind es zunächst vor allem die Hoppers, die offensive Ausrufezeichen setzen. Erst zählt der Treffer von Diaby wegen einer Abseitsposition nicht (6.), dann grätscht Muci den Ball aus aussichtsreicher Position am Tor vorbei (14.). Und wenige Minuten vor der Pause vergibt Diaby nach einer Ecke gar eine noch grössere Chance.
Das einzig reguläre Tor der ersten Halbzeit gehört dem Team von Dennis Hediger. Ausgerechnet Kamberi, der Mann aus der eigenen Jugend, trifft im Derby zur Führung. Ansonsten bleibt der FCZ trotz mehr Ballbesitz und einigen Abschlüssen grösstenteils harmlos.
Nach dem Seitenwechsel verliert die Partie deutlich an Schwung. Der FCZ hat das Spielgeschehen völlig im Griff, ohne jedoch auf den zweiten Treffer zu drücken. Kény scheitert mit der besten Möglichkeiten am stark reagierenden Hammel (54.). GC hingegen bringt offensiv trotz Rückstand gar nichts mehr zustande. Kein einziger Schuss fliegt in der zweiten Hälfte auf das Tor von FCZ-Goalie Brecher.
20. Minute, Lindrit Kamberi, 1:0. Der FCZ führt eine Ecke kurz aus. Am Ende ist es Markelo, der den Ball in den Strafraum flankt. Dort hat Kamberi zu viel Zeit. Er kann den Ball irgendwie annehmen und stochert ihn dann an Hammel vorbei ins Tor.
Dennis Hediger (FCZ-Coach, gegenüber Blue): «Ich hatte das Gefühl, dass es ein hartes, aber kein unfaires Derby war. Hinten raus war es sicher unnötig. Das wird uns weh tun, dass uns diese beiden Spieler nicht zur Verfügung stehen werden. Man hat heute gesehen, dass beides überragende Spieler sind. Ansonsten hat das Spiel alles gehabt, was es in einem Derby braucht.» Und zum Spiel selbst: «Wir hatten nicht die grossen Chancen. Aber wir haben wenig zugelassen, in der zweiten Hälfte noch weniger als in der ersten. Dass wir so leiden mussten, war nicht geplant, aber das gehört zu einem Derby.»
Yanick Brecher (FCZ-Goalie, gegenüber Blue): «Wenn man gewinnt, muss man mit Klasse gewinnen – wenn man verliert, muss man mit Klasse verlieren. Ich bin sicher, dass es auf beiden Seiten irgendeinen Auslöser gab, den es nicht gebraucht hätte. Es hinterlässt einen faden Beigeschmack, dass man ein Derby verliert und dann so etwas macht. Aber es ist natürlich auch von unserer Seite unnötig, dass wir darauf eingehen. Die Roten Karten tun sehr weh, weil wir auch nicht wissen, weshalb genau. Ich habe den Schiedsrichter gefragt, aber er konnte es mir nicht genau sagen. Er hat ein Signal auf das Ohr bekommen. Das finde ich fragwürdig, wie ein Schiri Karten verteilen kann, ohne dass er genau weiss, was passiert ist.»
Lindrit Kamberi. Weil er als Verteidiger mithilft, dass der FCZ erstmals in dieser Saison zu null spielt – in Runde 15! Und weil er das einzige Tor der Partie schiesst.
Damenius Reverson, der die Chance nicht nutzt, dass er erstmals seit dem 3. August wieder von Anfang an für den FCZ auflaufen darf.
Das Stadion Letzigrund wird 100-jährig. Also genauer gesagt, wurde es 100-jährig. Am vergangenen Samstag, dem 22. November, war es so weit. Die Beziehung zu dem Stadion wird von den beiden Fankurven entsprechend widergespiegelt: Während die Südkurve vor dem Spiel eine Jubiläumschoreo mit der Aufschrift «liebe glernt im Letzigrund» präsentiert, zeigt sich der GC-Sektor wesentlich unbeeindruckter. Mit Spruchbändern wie: «Roti Stüehl, Mietvertrag, Leichtathletik-Stadion – 100 Jahre Letzi ohni Grund» und Pfiffen wird schnell klar, welche Fans sich hier nur wie im «Exil» fühlen.
Passend zum 292. Zürcher Derby heissen auch Urs Schnyders Assistenzschiedsrichter zum Nachnamen Zürcher: Marco und Benjamin. Schnyder hat ein Spiel zu leiten, das die beiden Teams mit Haken und Ösen führen. Er tut das, ohne noch zusätzliche Hektik ins Spiel zu bringen. Sieben Verwarnungen sind in einem Spiel mit über 25 Fouls durchaus angebracht. Richtig heikle Szenen muss er keine beurteilen.
Einem Zürcher Derby würdig. 17’181 sind es an der Zahl. Über das gesamte Spiel hinweg sorgen beide Fanlager für eine Stimmung, die deutlich besser ist als die Qualität des Spiels. Zwar legt sich immer wieder ein Pyro-Nebel über das Spielfeld – zu einem Spielunterbruch kommt es erst kurz vor Schluss, als die Gästefans auf die saudumme Idee kommen, ihr Feuerwerk in Richtung Spielfeld abzufeuern.
Der FCZ ist am nächsten Samstag beim FC St. Gallen zu Gast (20.30 Uhr). GC empfängt am selben Tag Servette (18 Uhr). Zuerst steht für die Hoppers am Dienstag aber noch der Cup-Achtelfinal gegen Cham an (20 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 19 | 16 | 40 | |
2 | FC St. Gallen | 19 | 16 | 37 | |
3 | FC Lugano | 19 | 5 | 33 | |
4 | FC Basel | 19 | 8 | 32 | |
5 | BSC Young Boys | 19 | 0 | 29 | |
6 | FC Sion | 18 | 4 | 27 | |
7 | FC Zürich | 19 | -7 | 24 | |
8 | FC Luzern | 19 | 0 | 21 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 18 | 0 | 21 | |
10 | Servette FC | 18 | -6 | 20 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 19 | -9 | 17 | |
12 | FC Winterthur | 18 | -27 | 10 |






