Gerald Scheiblehner zieht ihn wie ein verstecktes Ass aus seinem Ärmel. Niemand hat ihn in der Startaufstellung erwartet: Und doch steht Jonathan Asp Jensen im Derby von Anfang an auf dem Platz. «Es hat mich die ganze Woche niemand gefragt, ob er spielen kann», sagt GC-Trainer Gerald Scheiblehner dazu, «dann muss ich es ja auch niemandem auf die Nase binden.»
Der dänische Spielmacher hat in der ersten Halbzeit zwei gute Szenen, ist aber nicht genügend bei Kräften, um seiner Mannschaft wirklich zu helfen. «Natürlich war er nicht matchfit für 90 Minuten», sagt Scheiblehner dazu. Aber trotzdem lässt er ihn auf dem Feld – in der Hoffnung, dass da vielleicht doch noch ein Geniestreich kommen möge. Es kommt keiner.
Auch nicht von Luke Plange, der ebenfalls sein Comeback gibt, wenn auch erst als Einwechselspieler. Aber als er kommt, ist die Partie schon so zerfahren, dass seine Technik nie zur Geltung kommt.
Hinten überzeugt Goalie Justin Hammel ein weiteres Mal. Beim Gegentor trifft ihn keine Schuld. Die übernimmt Scheiblehner im Namen des Trainerteams, weil die Abstimmung beim Eckball, der zur Niederlage führt, hinten und vorne nicht stimmt.
Abdoulaye Diaby ist als Abwehrchef defensiv ein weiteres Mal eine Bank. Für den filigranen Spielaufbau fühlt er sich in der Tendenz eher nicht zuständig. Und selbst wenn der Ball nur einen Meter vor dem gegnerischen Tor auf seinem Fuss landet, kann er ihn noch immer zwei Meter über die Latte bugsieren.
Innenverteidigerkollege Dirk Abels sieht früh Gelb, kommt aber für einmal ohne groben Fehler durchs Spiel. Und Imourane Hassane wirkt – nett gesagt – immer mal wieder unkonventionell. Er hält seine Seite aber dicht.
Das kann für Samuel Krasniqi nicht gesagt werden. Er rutscht für den gesperrten Vornamensvetter Marques auf dem rechten Flügel ins Team und ist defensiv lange heillos überfordert. Was ihn aber nicht daran hindert, mit seiner flachen Hereingabe in der 13. Minute die beste Torchance des ganzen Spiels vorzubereiten.
Laut dem Datenlieferanten Opta hätten 51 Prozent der professionellen Fussballer dieser Welt Krasniqis Querpass ins Tor bugsiert. Nikolas Muci gehört zu den anderen 49 Prozent. Der Stürmer ackert und rackert erneut – aber diese Chance mit einem errechneten Wert von 0,51 expected Goals lässt er liegen. Und damit die grosse Gelegenheit, dieses Derby auf die Seite der Grasshoppers zu ziehen.
Hinweis: Salifou Diarrassouba bis 58., Samuel Krasniqi bis 70., Hassane Imourane bis 90. – Luke Plange ab 58., Loris Giandomenico ab 70. (zu kurz für eine Bewertung), Leart Kabashi (zu kurz für eine Bewertung).
Noten-Abzüge nach Spielschluss? Ja, das gibt es. Wenn man wie Jahnoah Markelo nach dem letzten Pfiff des Schiedsrichters nichts besseres weiss, als mit provokativem Jubel vor der gegnerischen Bank eine Rudelbildung heraufzubeschwören. Und dafür wohl mit zwei Spielsperren bestraft wird. Dann wird aus einer 4 halt eine 2. Und wer wie Livano Comenencia einen superschnellen Sprint quer über das ganze Feld hinlegt, damit er sich auch noch Gelb-Rot abholen kann, sinkt von der 4 auf die 3. Tja.
Gut, immerhin hat Markelo diesem Zürcher Derby noch etwas Würze verliehen, nachdem die 95 Minuten zuvor eine schwer verdaubare Pampe aus lauter Zweikämpfen war. Kaum ein flach gespielter Ball. Nur hoch und weit, Kopfball hin, Kopfball her, Kopfball hin, Zweikampf, Foul. Und dann das Ganze nochmals von vorne.
Positiv gesagt, hat die FCZ-Abwehr im 15. Ligaspiel dieser Saison erstmals kein Gegentor erhalten. Goalie Yanick Brecher hält, was er halten muss – nur bei einer Ecke irrt er durch seinen Fünfer wie ein Zuschauer, der an diesem Abend im Letzigrund nach etwas Unterhaltung sucht.
Den besten Abend hat darum Lindrit Kamberi. Warum Mitchell van der Gaag auf die Idee gekommen ist, den Aggressivleader für mehrere Spiele auf die Bank zu verbannen, wird niemand je herausfinden. Gegen GC ist er präsent in den Zweikämpfen – und schiesst das einzige Tor. Weil die Grasshoppers offenbar der Meinung sind, dass man ihn bei Standards nicht decken muss. «Das nehmen wir vom Trainerteam auf unsere Kappe», sagt GC-Trainer Gerald Scheiblehner danach zurecht.
Im Mittelfeld ist Steven Zuber der einzige, der mal so etwas wie eine spielerische Lösung wagt. Was den Einsatz von Miguel Reichmuth nicht schmälern soll. Er spult im Mittelfeld Kilometer ab und stopft Löcher.
Vorne ist Philippe Kény eigentlich gut – vergibt aber seine beiden Chancen. Damienus Reverson darf erstmals seit dem 3. August wieder von Anfang an ran – und vergibt diese Chance ebenfalls. Markelo löst das einzige Tor aus – und die Rudelbildung.
Und dann kommen mit Damien Odera und Aaron Tchamda noch zwei 18-Jährige Offensivleute zu ihrem Profidebüt. Sie sind beide zu kurz im Einsatz, um eine Note zu erhalten.
Hinweis: Cheveyo Tsawa bis 46., Damienus Reverson bis 61., Philippe Kény bis 79., Jahnoah Markelo bis 90. – Mohamed Bangoura ab 46., Damien Odera ab 61. (zu kurz für eine Bewertung), Matthias Phaeton ab 79. (zu kurz für eine Bewertung), Aaron Tchamda ab 90. (zu kurz für eine Bewertung).
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | 14 | 11 | 31 | ||
2 | 14 | 12 | 27 | ||
3 | 14 | 7 | 25 | ||
4 | 14 | 6 | 23 | ||
5 | 15 | -1 | 23 | ||
6 | 15 | 3 | 21 | ||
7 | 15 | -5 | 20 | ||
8 | 15 | 2 | 18 | ||
9 | 14 | 3 | 16 | ||
10 | 14 | -5 | 15 | ||
11 | 15 | -10 | 14 | ||
12 | 15 | -23 | 9 |
