Die Schlüsselszene
Man wäre gerne Mäuschen bei der Pausenansprache von Marcel Koller gewesen, denn diese muss ordentlich geknallt haben. In der ersten Halbzeit waren alle FCZ-Spieler gegen den Aufsteiger Vaduz unterirdisch. Nach dem Seitenwechsel zeigen die Zürcher dann deutlich mehr, gleichen verdient aus und drehen das Spiel spät in der Nachspielzeit – was nach der ersten Hälfte kaum denkbar war.
Das Spiel
Es ist ein Spiel der zwei Hälften für den FCZ: Die erste Hälfte ist bitter und schlecht. Die verletzungsgebeutelte FCZ-Defensive lässt Monsberger nach 13 Minuten unbedrängt zur Vaduzer Führung treffen. Wenig später bleibt Reverson bei der ersten Zürcher Torchance am Rasen hängen und muss nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselt werden. Zur Pause gibts die Quittung: Für ihre Nicht-Leistung bei nur 26 Prozent Ballbesitz werden die FCZ-Kicker mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Pause verabschiedet.
Dann aber gehts aus Zürcher Sicht rund, endlich kommt gegen den nachlassenden Aufsteiger die Reaktion. Nach dem Kény-Ausgleich gibts mehrere Zürcher Chancen, das Spiel zu drehen. Comenencia setzt den Ball nur an die Latte (59.), Kény verpasst knapp per Kopf (79.). Bis in der Nachspielzeit Umeh Emmanuel plötzlich ganz viel Platz hat – und den FCZ tatsächlich ins Glück schiesst.
Die Tore
13. Minute, Marcel Monsberger, 0:1. Hasler bedient mit einer Flanke von der rechten Seite Monsberger im Zentrum. Der Stürmer wird nur ungenügend gestört und zieht per Volley direkt zur Führung ab.
55. Minute, Philippe Kény, 1:1. Kény wird an der Strafraumgrenze von Emmanuel lanciert. Der Stürmer fackelt nicht lange und schiesst per Flachschuss in die linke Ecke. Der Ball wird von Vaduz-Goalie Büchel, der den kranken Schaffran ersetzt, noch leicht abgelenkt.
90. + 2 Minute, Umeh Emmanuel, 2:1. Hasler kommt auf der linken Seite nicht an den Ball. Emmanuel hat plötzlich ganz viel Platz und trifft mit einem Traumschuss in der letzten Sekunde zum FCZ-Sieg.
Die Stimmen
FCZ-Mittelfeldspieler Miguel Reichmuth (gegenüber Blue): «Es war eine katastrophale erste Hälfte und nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir wurden von Vaduz etwas überrascht. Wir wussten, dass sie eine spielstarke Mannschaft sind. Koller blieb in der Pause ruhig, so wie man ihn kennt. Also, den Ton hat er schon angehoben. Das hat es auch gebraucht, sonst wäre es nicht so gekommen.»
Vaduz-Sportchef Franz Burgmeier (gegenüber Blue): «Unsere zweite Hälfte war völlig anders als die erste. Wir waren brutal passiv, obwohl wir wussten, dass sie eine Reaktion zeigen müssen. Für mich ist es schwierig zu erklären, was in der zweiten Halbzeit los war – es war aber natürlich viel zu wenig. Das ist brutal ärgerlich.»
Vaduz-Mittelfeldspieler Nicolas Hasler (gegenüber Blue): «Es ist eine extrem grosse Enttäuschung. Wir hatten eine super erste Halbzeit, Zürich wusste da nicht, was sie auf dem Platz machen. Unsere zweite Halbzeit war dann unterirdisch. Wir haben alles vermissen lassen, was in der ersten Hälfte so gut war. In der letzten Minute noch das Tor zu kassieren, ist extrem bitter.»
Der Beste
Die Einwechslung von Valon Berisha tut dem FCZ gut. Der Mittelfeldspieler dirigiert viel, geht mit Kampf voran und zeigt Einsatz. Von ihm könnten sich einige Mitspieler eine Scheibe abschneiden.
Der Schlechteste
Die Wahl fällt am Ende auf Bledian Krasniqi. Eigentlich sollte er der Kreativkopf des FCZ sein, kann dies aber überhaupt nicht zeigen und wird zur Pause dann ausgewechselt. Allerdings hätte zu diesem Zeitpunkt fast jeder Zürcher die Nomination verdient.
Das gab zu reden I
Alexander Hack fehlt nach einem katastrophalen Derby und seiner Auswechslung nach der Pause im Kader der Zürcher. Das hängt aber nicht mit der Leistung zusammen, wie der FCZ auf Blick-Anfrage bestätigt. Der Innenverteidiger zog sich im Frühling eine Gehirnerschütterung zu. Weil der Verdacht besteht, dass diese noch nicht ganz verheilt sein könnte, wird Hack für weitere Abklärungen geschont. Weil die Zürcher in der Defensive nur sehr dünn besetzt sind, rückt der aussortierte Jorge Segura zurück ins Kader.
Das gab zu reden II
Wechsel-Wirrwarr beim FC Zürich. Nach der Verletzung von Damienius Reverson läuft sich erst Din Ramic intensiv warm. Doch der Nachwuchsstürmer kommt nicht zum Einsatz, weil kurz darauf auch Kevin Spadanuda zum Einlaufen geschickt wird. Ausserdem scheint sich Marcel Koller zu überlegen, Valon Berisha zu bringen. Nach ein paar Minuten in Unterzahl erhält dann Spadanuda den Zuschlag.
Die Schiris
Fedayi San hat keine Probleme mit der Spielleitung. Die Spieler machen es ihm mit der fehlenden Intensität aber auch leicht. Ein paar wenige Situationen pfeift San etwas kleinlich, bleibt aber seiner Linie treu.
Die Fans
Zur Pause gellt ein Pfeifkonzert durch den Letzigrund. Die Fans des FCZ sind zurecht unzufrieden mit der Leistung ihrer Spieler. Trotzdem sorgt die Südkurve für eine würdige Kulisse. Der kleine Anhang der Vaduzer versucht sein Bestes, um ebenfalls für Stimmung zu sorgen. 13’499 Fans schauen sich das Spiel bei herrlichem Wetter im Stadion an.
So gehts weiter
Am Samstag spielt der FCZ am letzten Spieltag vor der Nati-Pause um 20.30 Uhr in Sion. Vaduz bestreitet einen Tag später um 14 Uhr das Heimspiel gegen Thun.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 9 | 20 | 25 | |
2 | BSC Young Boys | 9 | 13 | 19 | |
3 | FC Sion | 9 | 9 | 19 | |
4 | FC Basel | 9 | 0 | 13 | |
5 | FC St. Gallen | 9 | -3 | 13 | |
6 | FC Luzern | 9 | -1 | 12 | |
7 | FC Zürich | 9 | -6 | 11 | |
8 | Servette FC | 9 | -2 | 10 | |
9 | FC Thun | 9 | -8 | 10 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 9 | -11 | 8 | |
11 | FC Vaduz | 9 | -3 | 6 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 9 | -8 | 6 |