Das Spiel
Wenn YB eine Baustelle wäre, dann müsste sie sofort geschlossen werden – wegen akuter Einsturzgefahr. Nur Schlusslicht Winterthur hat noch mehr Gegentreffer kassiert als der Liga-Krösus. Im Auswärtsspiel gegen St. Gallen bröckelt der Beton bereits in der Startphase bedenklich.
Zwei halbhohe Bälle in die Tiefe reichen, zweimal sind die Berner Bauarbeiter in der Znünipause, Boukhalfa und Baldé starten aus abseitsverdächtigen Positionen, beide bleiben vor dem Tor eiskalt. Und hätten Witzig und Vogt das Gehäuse statt Aluminium getroffen, wäre die erste Halbzeit für YB in einem kompletten Fiasko geendet.
An der Seitenlinie ist Bauleiter Gerardo Seoane zur Salzsäule erstarrt. Und auch der Architekt des Ganzen, Christoph Spycher, wird sich auf der Tribüne so seine Gedanken machen müssen. Noch nicht mal ein Ausrufezeichen, sprich ein Foul, leisten sich die Berner. Der FCSG hingegen brennt von der ersten Sekunde. Sinnbild ist einmal mehr Lukas Görtler, der sich heftiger über einen Foulpfiff echauffiert, als die gesamte YB-Mannschaft über den frühen Rückstand.
Die zweite Halbzeit ist dann schnell erzählt. Der FCSG nimmt den Fuss vom Gas, hat aber trotzdem die gefährlicheren Aktionen. Und von YB ist kein Aufbäumen zu spüren, der Anschlusstreffer tief in der Nachspielzeit kommt zu spät. So ist selbst das Minimalziel Top-6 in Gefahr. Der FCSG hingegen kann die Championship Group planen. 13 Punkte Vorsprung sollten reichen.
Die Tore
5. Minute, Carlo Boukhalfa, 1:0. Daschner spielt einen hohen Ball hinter die YB-Abwehr. Dort steht Boukhalfa völlig frei und schiebt zur Führung ein. Der Schiedsrichter entscheidet erst auf Abseits, nach kurzer Absprache mit dem VAR zählt der Treffer aber.
11. Minute, Aliou Baldé, 2:0. Wieder hebelt ein hoher Ball von Daschner die Defensive der Berner aus. Diesmal ist Baldé auf und davon. Er verzögert kurz und lupft die Ball Kugel cool über Keller ins Tor.
90.+6 Minute, Christian Fassnacht, 2:1. Fernandes bringt einen Freistoss aus dem rechten Halbfeld zur Mitte, wo Fassnacht nicht eng genug bewacht wird und zu seinem 100. YB-Treffer einköpfelt.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Lukas Görtler (FCSG-Captain): «In englischen Wochen ist es schwer, die Energie aufrecht zu erhalten. Da hilft ein Heimspiel natürlich. Der Trainer hat gesagt, es war die beste erste Halbzeit in dieser Saison. Wenn es zur Pause 4:1 oder 5:1 steht, darf sich YB nicht beschweren. Wir machen das dann Spiel unnötig spannend und schwer. In den letzten 20 Minuten mussten wir auf einmal kämpfen, das war vorher nicht abzusehen. Wir erspielen uns Chance um Chance, aber wir machen einfach zu wenig Tore. Aber am Ende gewinnen wir das Spiel und das ist hochverdient.»
Christian Fassnacht (YB): «Es ist sehr bitter. Es war ein Meilenstein (100. YB-Treffer, d. Red.), worauf ich mich gefreut habe – so ist es beschissen. Wenn man mal in einer Negativspirale ist, ist es schwierig heraus zu kommen. In anderen Saison hättest du es vielleicht geschafft, nach dem 0:2 noch zurück zu kommen, aber momentan ist es sehr schwierig. Das Wettkampfglück und das Momentum fehlt.»
Der Beste
Lukas Daschner. Der Edeltechniker, der auf der für ihn noch immer ungewohnten Sechserposition spielt, schlägt zwei Zauberbälle in die Tiefe und ist hauptverantwortlich für die frühe Zwei-Tore-Führung.
Der Schlechteste
Sandro Lauper. Dürfte morgen noch von Alessandro Vogts Solo träumen. Wirkt blutleer. Und steht stellvertretend für die gesamte YB-Mannschaft.
Das gab zu reden
Acht Skorerpunkte sammelt YB-Goldjunge Alvyn Sanches in den letzten zehn Spielen, auswärts gegen den FCSG bleibt die offensive Berner Lebensversicherung zu Beginn trotzdem bloss auf der Bank. Coach Gerardo Seoane begründet die Massnahme damit, dass man Sanches schonen müsse. Wegen der Dreifachbelastung kann es nicht sein. Sowohl international als auch im Cup hat YB die Segel bereits gestrichen.
Die Schiris
Schiri Cibelli und seine beiden Assistenten Matthias Sbrissa und Christophe Loureiro haben das Geschehen im Griff. In der zweiten Halbzeit unterbricht Cibelli das Spiel, obwohl er Vorteil für die Espen hätte laufen lassen müssen. Bei den heiklen Situationen liegt er meist richtig. Beim Handspiel vor dem vermeintlichen Anschlusstreffer der Berner hat er beste Sicht. Warum VAR Luca Piccolo eine halbe Ewigkeit, spricht über zwei Minuten, braucht, um einen glasklaren Nicht-Penalty für YB zu beurteilen, bleibt hingegen ein Rätsel.
Die Fans
Andere Super-League-Vereine wären froh, kämen an einem kalten Mittwochabend über 14’000 Menschen ins Stadion. Beim FCSG bedeutet diese Zahl Saison-Minusrekord.
So gehts weiter
Der FCSG empfängt am Samstag (18 Uhr) die Hoppers. YB spielt ebenfalls am Samstag (20.30 Uhr) zuhause gegen Schlusslicht Winterthur.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 23 | 24 | 52 | |
2 | FC St. Gallen | 23 | 15 | 42 | |
3 | FC Lugano | 24 | 11 | 42 | |
4 | FC Basel | 23 | 9 | 39 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 24 | -3 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 23 | 2 | 29 | |
8 | FC Zürich | 24 | -9 | 28 | |
9 | FC Luzern | 24 | -2 | 27 | |
10 | Servette FC | 24 | -7 | 26 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 24 | -12 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 23 | -34 | 14 |






