Die Schlüsselszene
Wie so oft in dieser Saison ändert ein Platzverweis die Physiognomie eines Spiels komplett. So auch die idiotische Gelbrote gegen Sions Sylla. Die Walliser nehmen sich nicht komplett zurück, aber spielen fortan eindeutig mit mehr defensiver Bedacht. Thun-Coach Privitelli hingegen will in der Hitze des Tourbillons in Überzahl frech den Sieg, wechselt zur Pause dreimal, nach einer Stunde nochmals und lässt sein Team höher angreifen. Am Ende aber stechen die Walliser – und belohnen sich so für ihren grossen Kampf.
Das Spiel
Fast 30 Grad zeigt das Thermometer im Wallis an – und die Spieler sind tatsächlich heiss auf dieses Spiel: Nach 20 Minuten hat es auf beiden Seiten schon eingeschlagen, dazu kommt ein Lattenschuss von Sions Lavanchy.
Nur: Danach flacht das Spiel deutlich ab. Weder das Sittener Ballbesitzspiel noch das schnelle Thuner Umschalten erzeugen wirklich Torgefahr. Einziger weiterer Aufreger der ersten Halbzeit ist so der Platzverweis gegen Sylla – Sion ist kurz vor der Pause dezimiert.
Davon ist zu Beginn der zweiten Halbzeit aber wenig zu sehen: Nach der erstmaligen Sittener Führung (53.) übernimmt Thun zwar das Spieldiktat, tut sich in der Offensive aber schwer. Einzig Dursun prüft mit seinem Nachschuss nach 58 Minuten Racioppi ernsthaft.
Spätestens nach Fehrs Ausgleich (71.) scheinen die Thuner dem Sieg aber näher – und netzen auch ein, doch Dursun steht dabei im Abseits. Und dann? Schlagen die Walliser doch tatsächlich noch zu. In der Nachspielzeit. Wahnsinn. Sion holt in Unterzahl drei Punkte. Und das nicht unverdient.
Die Tore
10. Minute, Jan Bamert, 0:1. Fehr bringt einen Freistoss von rechts an den Sittener Fünfmeterraum. Dort entwischt Bamert der Sion-Defensive und bringt den Ball per Direktabnahme ziemlich freistehend im gegnerischen Tor unter.
21. Minute, Noé Sow, 1:1. Nach einem Corner des Heimteams bringen die Thuner den Ball auch in mehreren Anläufen nicht weg. Nach einem Zuspiel von Sylla findet Rrudhani im gegnerischen Sechzehner so viel Platz vor, er legt quer auf Sow, der im Zentrum nur noch einschieben muss.
53. Minute, Donat Rrudhani, 2:1. Saiz trifft Gegenspieler Rrudhani im Laufduell am Knöchel, woraufhin Schiri Turkes sofort auf den Punkt zeigt. Der Gefoulte tritt gleich selbst an und verwandelt den Penalty mit einem satten Schuss in die Mitte des Tores.
71. Minute, Fabio Fehr, 2:2. Nach einem Einwurf verlängert Dursun per Kopf weiter auf Fehr, der von der Sion-Verteidigung sträflich alleine gelassen wird und den Ball mit einem wuchtigen Abschluss im Tor versenkt.
90.+4 Minute, Josias Lukembila, 3:2. Tief in der Nachspielzeit steht Thun bei einem Sittener Corner nicht gut. Kronig kommt frei zum Abschluss. Goalie Steffen ist da noch zur Stelle – nicht aber beim Nachschuss von Lukembila, der aus kurzer Distanz zum Siegtorschützen wird.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Thun-Verteidiger Jan Bamert: «Mich ärgert das ganze Spiel. Wir erhalten drei Tore nach stehenden Bällen. Eigentlich wissen wir, dass wir am Schluss mehr Energie haben, aber bei der letzten Aktion sind wir wieder nicht auf der Höhe und verlieren den Match. Sion ist eine gute Mannschaft, aber angesichts des Spielverlaufs dürften wir nicht verlieren.»
Sion-Verteidiger Jan Kronig: «Elf gegen elf waren wir klar die bessere Mannschaft – und auch in Unterzahl war es allen in allem ein verdienter Sieg von uns. Wir wissen, dass wir offensiv sehr viel Qualität haben, was verloren gehen würde, wenn wir tiefer stehen. Deshalb war zur Halbzeit die Devise, uns auch in Unterzahl weiterhin nicht fallen zu lassen. Aber es hat extrem viel Kraft gekostet – die Woche Pause tut jetzt gut. Und ich spiele lieber bei solchen Temperaturen als bei Minusgraden.»
Der Beste
Fabio Fehr. Er zeigt, wie viel Einfluss aufs Spiel ein Rechtsverteidiger haben kann. Mit oft hervorragenden stehenden Bällen. Und mit dem Vorpreschen in der 71. Minute, was den Oberländern den Ausgleich einbringt.
Der Schlechteste
Kein Zögern: Fode Sylla. Selten eine so dumme Gelbrote Karte gesehen. Bereits verwarnt, haut der Franzose Reichmuthn derart um, das er froh sein muss, nicht direkt Rot zu sehen. Das Spiel ist mit dieser Aktion ein komplett anderes.
Das gab zu reden
Das Debüt der erst 17-jährigen YB-Leihgabe bei Thun hinten links. Olivier Mambwa macht seine Sache ganz okay. Er ist es nicht, der von Rrudhani beim Penalty vernascht wird, sondern Saiz.
Die Schiris
Guter Job von Schiri Mirel Turkes. Die Entscheide sind kohärent. Manchmal ist er allerdings recht grosszügig. Den streng gespfiffenen Elfer kann man geben und deswegen gibts auch kein Veto von VAR Sandro Schärer. Über die Gelbrote muss man keine Sekunde diskutieren.
Die Fans
Es ist heiss im Wallis. Das Wetter ist am vielleicht letzten Hitzesonntag wohl etwas zu gut für Fussball. So kommen «nur» 8300 ins Tourbillon. Doch die machen mächtig Stimmung. Und den Sieg bejubeln die Walliser Fans mit einer Jubelexplosion wie einen kleinen Meistertitel.
So gehts weiter
Sion spielt am kommenden Samstag auswärts gegen den FC St. Gallen (18 Uhr). Die Thuner treffen zeitgleich im Berner Oberland auf GC.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |