Die Schlüsselszene
Nun, wenn man es ein bisschen retrospektiv betrachtet, hätte St. Gallen ein 4:0 mit Elf gegen Zehn vielleicht aufholen können. Wenn der fällige Penalty in der 71. Minute gepfiffen wird – wer weiss? Dann hätte es 4:2 gestanden. Weshalb die Szene in der 36. Minute Lichterlöschen bedeutet, als Espen-Goalie Ati Zigi mit seinem fünften Bock (!) bei sieben Gegentoren in den letzten zwei Spielen sein Team endgültig ins Verderben reisst. Peinlich, wie der Ghanaer ein Luftloch schlägt und Karimow nur noch ins verwaiste Tor einzuschieben braucht. Was der Usbeke dann mit der Flagge seines Landes zelebriert. Nimmt ihn Mattia Croci-Torti deshalb in der Pause runter?
Das Spiel
Die Reise ins Tessin hätte sich St. Gallen getrost sparen können. Durch eine katastrophale erste Halbzeit resultiert die sechste Pleite aus den letzten sieben Pflichtspielen. Autsch! Mit 1:4 verliert das Maassen-Team, das alle Gegentreffer vor dem Seitenwechsel kassiert und bei diesem Nachholmatch auch ein wenig mit der Leistung von Schiedsrichter Luca Cibelli (siehe «Das gab zu reden») hadern darf.
Erst in Überzahl – direkt nach der Pause fliegt Luganos Doppeltorschütze Pihlström vom Platz – können die Espen minim Resultatkosmetik betreiben. Lugano zieht sich mit einem Mann weniger auf dem Platz stark zurück, läuft allerdings nie Gefahr, den siebten Sieg im achten Super-League-Spiel noch hergeben zu müssen.
Die Tore
4. Minute, Beckham Castro, 1:0. Castro lässt nach einem schnell ausgeführten Einwurf ungeahndet Stanic auflaufen. Danach findet sein Schlenzer durch die Beine von Kleine-Bekel den Weg ins Tor.
14. Minute, Elias Pihlström, 2:0. Dos Santos darf ungestört mit dem Ball am Fuss aus der eigenen Platzhälfte bis zum St. Galler Sechzehner sprinten und per Spitzguuge abschliessen. Ati Zigi lässt nach vorne abprallen, so dass Pihlström für den Leader erhöhen kann.
28. Minute, Elias Pihlström, 3:0. Wie schon gegen Sion schätzt Daschner auch dieses Mal einen hohen langen Ball falsch ein. So zieht Pihlström los und schnürt mithilfe des Innenpfostens seinen Doppelpack.
36. Minute, Bekhruz Karimow, 4:0. Bei den Espen herrscht die totale Verunsicherung. Ati Zigi stürmt aus seinem Kasten, schlägt allerdings ein Luftloch. Der Rest ist für Karimow dann nicht mehr schwierig.
74. Minute, Andrin Hunziker, 4:1. In Überzahl erzielen die Gäste doch noch ihr Ehrentor. Eines, das besonders sehenswert ist. Der eingewechselte Hunziker lenkt die Hereingabe von Kleine-Bekel mit dem Absatz über die Linie.
Die Stimmen
Chima Okoroji (FCSG) gegenüber Blue: «Wir bekommen die Tore zu einfach. Lange Bälle, die wir nicht verteidigen. Momentan ist der Schlauch drin. Manchmal ergeben wir uns einfach zu schnell. Heute waren unsere besten Männer die Fans. Von uns war es nicht genug, und wir müssen definitiv eine Reaktion zeigen. War es ein Foul vor dem 0:1? Ich glaube, man kann es in beide Richtungen geben. Ich finde, er geht schon aktiv in den Mann rein. Ich würde aus meiner Sicht sagen: Foul. Aus Lugano-Sicht würden sie sagen: kein Foul. Der Schiedsrichter war eher kleinlich und nicht ganz klar in seiner Linie.»
Uran Bislimi (Lugano) gegenüber Blue: «Unser Matchplan ist aufgegangen. Wir wussten, dass St. Gallen eins gegen eins spielt und ein grosses Loch in der Mitte entsteht, wenn der Torwart den Ball hat. Die Szene mit Zanotti und Vandermersch? Jetzt, wo ich die Bilder sehe, ist es ein klares Foul. Lukas Mai sagte mir noch: ‹Jetzt gibt es Penalty.› Glück für uns.»
Der Beste
Eigentlich ist es Elias Pihlström. Doch mit der indiskutablen Roten Karte verliert der junge Schwede diesen Status an den höchst initiativen Daniel Dos Santos, der mit einem Lauf aus dem Anspielkreis übers halbe Feld das 2:0 einleitet.
Der Schlechteste
Lukas Daschner. Der einstige Ruhrpott-Messi ist in diesem Spiel sehr irdisch. Unterirdisch ... Symptomatisch: Wie ihn Elias Pihlström vor dem 3:0 abkocht.
Die Fans
5'773 Fans sind im neuen Schmuckstück des FC Lugano zugegen und machen ordentlich Stimmung. Selbst die Espen-Fans feuern ihr Team trotz hoffnungsloser Leistung und Spielstand bis zum Schluss an. Chapeau!
Die Schiris
Ganz schwieriges Spiel für das Ref-Trio um Luca Cibelli und VAR Lukas Fähndrich. Die eine oder andere Entscheidung ist falsch. Indiskutabel ist hingegen der Platzverweis gegen Pihlström. Unter dem Strich: klar ungenügend!
Das gab zu reden
Also, die Schiedsrichterei wird wieder zum Problem bei uns. Am Dienstag geht dem Penalty von GC gegen Sion ein diskussionsloses Foul voran. Es wird nicht gecheckt. Ein Fehlentscheid. Urs Meier wird an dieser Stelle auch von einem «klaren Foul» sprechen, das man aber nicht pfeifen muss. Da soll einer drauskommen ... Nun geht dem 1:0 von Beckham Castro ein ebenso klares, diskussionsloses Foul des Schützen gegen Stanic voraus. Ref Luca Cibelli geht an den Schirm. Bestätigt aber seinen Fehlentscheid ... Wir erfinden gerade den Fussball neu, indem wir das Foulspiel abschaffen. Denn Cibelli weigert sich auch den fälligen Penalty nach dem Ellenbogen von Zanotti ins Gesicht von Vandermersch zu pfeifen.
So gehts weiter
Vor der Nati-Pause gastiert Lugano bei Lausanne, während sich St. Gallen auswärts mit Basel misst. Beide Partien finden am Sonntag statt und werden um 16.30 Uhr angepfiffen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |