Die Schlüsselszene
Was auch immer David von Ballmoos sich in der 11. Minute denkt, als er rund 60 Meter über den Rasen rennt, um dem Schiri die Meinung zu geigen – klar ist: Das Foul von Albian Ajeti kann er nicht gesehen haben. Weil die Rote Karte so sonnenklar ist wie das Wetter in St. Gallen. Mit offener Sohle trifft Ajeti seinen Gegenspieler am Schienbein. Zu motzen gibts da gar nichts. Weder vom Stürmer noch vom Goalie. Dass dieser nur kurze Zeit später verletzt ausgewechselt werden muss, passt zum völlig missglückten Nachmittag der Luganesi.
Das Spiel
Eine Rote Karte, ein verletzungsbedingter Goalie-Wechsel und ein St. Galler Doppelschlag innert kürzester Zeit: Bei Lugano läuft in der ersten Halbzeit alles schief. Und der bislang so souveräne Super-League-Leader hat auch noch das Pech, dass er auf einen Gegner trifft, der dies gekonnt ausnutzt.
Mit einer überzeugenden Spielweise stellen die Espen bis zur Pause auf 3:0, wobei auch mehr Tore hätten herausspringen können – so vergibt etwa Hunziker vor dem leeren Tor. Zudem hätte sich Lugano kurz vor der Pause nach einem Einsteigen von Mai wohl nicht über einen Penalty-Pfiff beklagen können.
Allzu sehr darüber ärgern dürfte sich das Heimteam aber nicht, zu souverän tritt es in der zweiten Halbzeit auf – einzig bei einem Pfosten-Kopfball von Bichsel beansprucht es noch etwas Glück. Und macht das Verdikt dank Toren von Hunziker und Frokaj in der letzten halben Stunde schliesslich noch deutlicher.
Die Tore
33. Minute, Chima Okoroji, 1:0. Okoroji wird von Daschner mit einem perfekt getimten Zuspiel in die Gasse geschickt und steht dann alleine vor Lugano-Keeper Gebhardt. Dort behält er die Nerven und schiebt via Innenpfosten cool zur St. Galler Führung ein.
34. Minute, Andrin Hunziker, 2:0. Nach dem Wiederanpfiff setzen die St. Galler Lugano gleich wieder unter Druck. Görtler fängt ein Zuspiel von Mai ab und legt gleich ab auf Daschner. Dieser bedient wiederum Hunziker – und der Stürmer lässt Gebhardt mit seinem Abschluss in die untere linke Ecke keine Abwehrchance.
45.+2 Minute, Tom Gaal, 3:0. Görtler erhält nach einem geklärten Eckball eine zweite Chance – und ist dieses Mal erfolgreicher: Seine Flanke findet am hinteren Pfosten Teamkollege Gaal, der zum dritten St. Galler Treffer einköpfelt.
66. Minute, Andrin Hunziker, 4:0. Okoroji hat am gegnerischen Strafraum viel Platz und sieht den frei stehenden Hunziker. Alleine vor Gebhardt verwertet dieser das Zuspiel – und macht sich zum Doppeltorschützen.
84. Minute, Leon Frokaj, 5:0. Der eingewechselte Frokaj kommt an der Strafraumgrenze an den Ball – und packt dann den Hammer aus: Sein wuchtiger Flachschuss findet den Weg in die untere linke Torecke.
Der Beste
Lukas Daschner. Fast alles, was der Zauberfuss macht, hat Hand und Fuss. Vor allem sein Pass auf Okoroji vor dem 1:0 ist Extraklasse. Legt auch den zweiten Treffer auf.
Der Schlechteste
Albian Ajeti. Absicht ist zwar keine zu erkennen, aber wer auf der Höhe Mittellinie derart ungestüm in den Zweikampf geht wie der Lugano-Stürmer, braucht sich über den Platzverweis nicht zu beschweren.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Lukas Daschner (St. Gallen): «Dass wir mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen, haben wir uns gewünscht. Dass es gleich ein 5:0 gibt, hat uns alle doch etwas überrascht, weil Lugano in dieser Saison noch kein Spiel verloren hat. Entsprechend sind wir überglücklich über die drei Punkte. Das Spiel gegen Servette hat uns trotz Sieg nicht so gefallen, da waren wir nicht so griffig. Heute waren wir da und haben uns belohnt.»
Uran Bislimi (Lugano): «Wir haben verdient verloren. So abschlachten lassen dürfen wir uns nicht – 5:0 ist zu viel. Auch mit einem Mann weniger müssen wir das besser machen. Es ist vieles falsch gelaufen, sie kommen so einfach zu guten Situationen. Das darf uns nicht passieren.»
Das gab zu reden
25 (!) Pflichtspiele lang bleiben die Luganesi saisonübergreifend ungeschlagen, nun lässt die Elf von Mattia Croci-Torti erstmals wieder drei Punkte liegen. Und der FCSG entwickelt sich langsam aber sicher zum Tessiner Schreckgespenst. Von bislang neun Spielen gegen Mattia Croci-Torti hat Espen-Coach Enrico Maassen nur eines verloren. Auch die letzte Niederlage der Luganesi am 10. Mai 2026 geht auf den FC St. Gallen zurück.
Die Fans
Ausverkauft ist das Berit Sitterstadion zwar nicht ganz, aber mit 17’868 Zuschauerinnen und Zuschauern sehr gut besetzt. Zu Beginn der Partie hallen noch Anti-Lugano-Schmähgesänge durchs Rund, nach dem dritten Treffer aber feiert sich das Publikum lieber selbst, als sich am Gegner aufzureiben. Zu klar ist das Resultat.
Die Schiris
Das Spiel ist erst ein paar Sekunden alt, als Schiri Sven Wolfensberger ein erstes Mal den Chef markieren muss und Tom Gaal bei dessen Freistoss ein paar Meter weiter nach hinten beordert. In der Folge bleiben Wolfensberger und seine Assistenten zwar mehrheitlich bei ihrer kleinlichen Linie, die spielentscheidende Szene aber bewertet das Trio korrekt: Rot für Ajeti. Dass der FCSG nach einem Zweikampf zwischen Hunziker und Mai Penalty fordert, ist zwar verständlich. Dass Wolfensberger weiterlaufen lässt, aber ebenfalls.
So gehts weiter
Aufgrund der Nati-Pause geht es für beide Teams in der Super League erst in zwei Wochen weiter. Lugano empfängt dann am 21. November um 18 Uhr die Grasshoppers, während St. Gallen am Tag darauf um 14 Uhr auswärts beim FC Zürich antritt.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 13 | 21 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 13 | 16 | 28 | |
3 | FC Sion | 13 | 11 | 26 | |
4 | FC St. Gallen | 13 | 2 | 22 | |
5 | FC Zürich 0:0 | 13 | -1 | 21 | |
6 | Servette FC 0:0 | 13 | 1 | 17 | |
7 | FC Basel 2:1 | 13 | -3 | 17 | |
8 | FC Luzern | 13 | -7 | 13 | |
9 | FC Thun 1:2 | 13 | -11 | 13 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 13 | -13 | 11 | |
11 | FC Vaduz | 13 | -5 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 13 | -11 | 7 |