Christoph Spycher, wie waren die letzten zehn Tage?
Christoph Spycher: Intensiv. Und emotional. Viele Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen. Es galt, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Am Montag schien es einen kurzen Flirt zu geben, als die ersten Anzeichen in dieselbe Richtung wie vor sechs Wochen gingen, als Sie Eintracht Frankfurt schnell abgesagt haben.
Dazu kann ich nichts sagen.
Aber Sie haben mit Eintracht Frankfurt verhandelt?
Dazu will ich mich nicht äussern.
Aber das war doch kein Zufall, dass der Entscheid, in elf Monaten aufzuhören, genau in jene Zeit fiel, in welcher Sie Topkandidat auf den Posten des Sportvorstandes in Frankfurt waren?
Es kam eine gewisse Dynamik in diesen Prozess, der schon länger eingesetzt hatte. Das gehört zum Fussballbusiness. Es ist ein Geschäft, das zum Teil in der Öffentlichkeit stattfindet und in welchem spekuliert wird.
Wann ist bei Ihnen dieser Gedanke gereift, dass sie ein Break brauchen?
Schon länger. Schon nach Schliessung des Transferfensters. Ich hatte da schon viele Gespräche geführt. Der Entscheid hat auch über die Woche nicht immer genau gleich ausgesehen. Jeder Mensch hat Momente, in denen man nicht sofort spürt, wie ein Entscheid aussehen soll. Jetzt bin ich aber überzeugt, dass es der richtige ist.
Wie ist es zum Entscheid gekommen?
Es war ein innerer Kampf. Der Kopf hat am Ende entschieden, zuvor das Herz, links zu gehen, dann wieder rechts. Man muss in der Entscheidungsfindung im Fussballbusiness meistens sehr schnell sein. Wenn man im Tagesgeschäft gefangen ist, braucht es halt länger für solch einen persönlichen Entscheid. Das ist aus meiner Sicht auch kein Zeichen von Schwäche.
Waren Sie in Ihrer Entscheidungsfindung allein?
Nein, ich war in ständigem Kontakt mit Vertrauenspersonen in meinem Umfeld, meinem direkten Vorgesetzten, Präsident Marcel Brülhart, und mit Besitzer Jöggi Rihs. Wir hatten uns schon früher darüber unterhalten, wie es weitergehen soll, wenn ich nicht mehr operativ tätig bin.
Es gab grosse Spekulationen um ihre YB-Aktien, ob die ein Hindernis für einen Weggang zu Frankfurt darstellen könnten.
Das haben wir schon damals thematisiert, als die Beteiligung erfolgte. Zwischen Jöggi Rihs und mir gibts keine Geheimnisse. Er wusste, dass ich eines Tages eine Veränderung ins Ausland anstreben könnte. Auch für diesen Fall würden wir gemeinsam eine Lösung finden.
Von aussen hatte man den Eindruck, Sie würden in Dauerverhandlungen mit Frankfurt stehen und kaum je in Bern gewesen sein. Dabei waren sie immer hier …
Ich war immer in Bern. Es gibt trotz allem ein Tagesgeschäft. Ich war immer um die Mannschaft herum. Mir war wichtig, dass meine persönliche Situation keinen Einfluss auf die Leute hat, die hier arbeiten, oder auf das Team und den Staff.
Welche Rolle spielte die Aussicht auf ein Titelrennen mit intakten Meisterchancen bei Ihrem Entscheid?
Die letzte Saison hat allen bei YB wehgetan. Ich wollte nicht in solch einem Moment kürzertreten. YB sollte auf gesunden Beinen stehen und viele Parameter in die richtige Richtung zeigen. Das ist jetzt der Fall.
Die letzte Saison hat Ihnen richtig zugesetzt.
Nicht nur mir. Allen, die bei YB arbeiten und mit YB mitfiebern. Aber auch die erfolgreichen Zeiten, die Meistertitel, haben viel Energie gekostet. Ich werde diese Verantwortung 2027 elf Jahre getragen haben. Der Job kostet insgesamt viel Energie.
Aber jeder Mensch hat lieber Lob als Schelte. Und wenns nicht läuft, muss man die ganze Zeit lesen, wie schlecht YB ist …
Die Energie geht nicht durch die Medien verloren. Dieser Teil gehört dazu in diesem Business. Man muss sich darauf einstellen.
Sie hatten das Gefühl, es sei Zeit für einen Break. Gabs da noch mehr, allenfalls medizinische Probleme in Richtung Burnout?
Oh nein! Wenn ich an einem solchen Punkt wäre, würde ich nicht elf Monate weitermachen. Ich hätte da den Stecker gezogen. Das Adrenalin ist noch voll da! Ich fühle mich sogar so, dass ich auf dem Platz stehen will. Nur macht der Körper mit 48 nicht mehr mit ... Es geht mir energetisch sehr gut! Aber ich will die Batterien wieder voll aufladen. Und mir Gedanken machen, was ich sonst noch machen will in meinem Leben. Dieses bietet noch so viel spannende Aufgaben und Aussichten.
Sie machen den Eindruck, eine sensible Seite zu haben …
Ich bin ein emotionaler Mensch, der seine Gefühle zeigt, aber auch sehr analytisch unterwegs ist. Ich weiss aber auch, dass ich unter Druck Leistung abliefern kann.
Was steht zuoberst auf Ihrer Bucketlist für Oktober 2027? Eine Weltreise?
Es ist total offen, was ich mache. Sicher will ich Zeit haben, damit mir gewisse Dinge klarwerden. Das Reisen ist während der Zeit im Fussballbusiness zu kurz gekommen. Das ist sicher eine Option. Vielleicht ergeben sich andere Projekte, die mich reizen. Das kann eine Aufgabe im Fussballmanagement in einer anderen Liga sein. Vielleicht auch etwas ausserhalb des Fussballs. Ich lasse das auf mich zukommen.
Aber zuerst müssen Sie Ihren Nachfolger, sagen wir mal, orchestrieren.
Wir haben intern erste Gespräche geführt. Es war meine Empfehlung an den Verwaltungsrat, dass der Technische Direktor Mathieu Beda eine zentrale Rolle spielen soll.
Welche?
Mehr ist da nicht fixiert. Die Tage hatten auch letzte Woche 24 Stunden. Es war ein Commitment seinerseits, dass er seinen weiteren Weg bei YB sieht. Die nächsten Monate werden Gespräche mit Leuten geführt, die mit ihren Kompetenzen und mit ihren menschlichen Fähigkeiten zum YB der Zukunft passen.
Aber Sie sind schon der Hauptverantwortliche in dieser Suche.
Am Ende entscheidet der Verwaltungsrat unter der Leitung von Marcel Brülhart. Ich habe gesagt, dass ich gerne bereit bin, meine Expertise zur Verfügung zu stellen.
Der VR mit Mitglied Christoph Spycher.
Ich werde auch dabei sein und meine Meinung kundtun. Es wird, wie vieles bei YB, ein Teamentscheid sein.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 11 | 25 | 31 | |
2 | BSC Young Boys | 11 | 17 | 25 | |
3 | FC Sion | 11 | 7 | 22 | |
4 | FC Zürich | 11 | -3 | 17 | |
5 | Servette FC | 11 | 2 | 16 | |
6 | FC St. Gallen | 11 | -4 | 16 | |
7 | FC Basel | 11 | -3 | 14 | |
8 | FC Luzern | 11 | -6 | 12 | |
9 | FC Thun | 11 | -11 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 11 | -1 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 11 | -13 | 9 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 11 | -10 | 6 |