Die Schlüsselszene
Irgendwie raffte man das gar nicht richtig, wie der Ball nach zehn Minuten bereits den Weg ins Vaduzer Tor findet. Berdayes spielt Rrudhani an, dessen Pass in die Mitte des Strafraums irgendwo im Niemandsland zu versiegen scheint. Doch da ist Nivokazi, der eigentümlicherweise wie aus dem Nichts das völlig verwaiste Tor vor sich findet. Dieses Tor aus dem Nichts ist der Vorbote für weitere Walliser Treffer mit wenig Gegenwehr – oder dann mit liechtensteinischen Slapstick-Einlagen beim Versuch deren Verhinderung. So hat der FC Sion sehr, sehr einfaches Spiel, den Auswärts-Dreier einzufahren.
Das Spiel
Der FC Sion erteilt Aufsteiger Vaduz im Rheinpark Stadion eine brutale Lehrstunde in Sachen Kaltblütigkeit: Obwohl die Hausherren über die gesamte Spieldauer sogar das deutliche Plus an Abschlüssen und Torschancen verzeichnen, feiern die Walliser einen souveränen 4:0-Kantersieg. Der Unterschied an diesem Abend ist schlicht die Effizienz: Während die Liechtensteiner selbst beste Gelegenheiten fahrlässig liegen lassen, nutzt Sion seine Offensivszenen präzise.
Die Weichen stellen die Sittener bereits in der ersten Halbzeit – allen voran Rilind Nivokazi, der den von einer Lebensmittelvergiftung geplagten Boteli glänzend vertritt. Erst schiebt der Angreifer nach einem Schnitzer im Vaduzer Aufbau mühelos zur Führung ein, ehe er nur vier Minuten später nach einem gegnerischen Corner strauchelnd über den halben Platz sprintet und zum Doppelpack nachlegt.
Kurz nach dem Seitenwechsel macht Berdayes mit dem vierten Sittener Treffer bereits alles klar. Vaduz probiert in der Folge zwar nochmals alles, scheitert aber am eigenen Unvermögen oder an Sion-Goalie Anthony Racioppi.
Der Beste
11. Minute, Rilind Nivokazi, 0:1. Nach einem Vaduzer Schnitzer im Spielaufbau legt Rrudhani von links quer auf den Boteli-Ersatz. Der Stürmer steht am langen Pfosten goldrichtig und schiebt mühelos ein.
15. Minute, Rilind Nivokazi, 0:2. Ein Konter wie aus dem Lehrbuch: Direkt nach einem Vaduzer Eckball zündet Nivokazi tief in der eigenen Platzhälfte den Turbo. Er lässt gleich drei Liechtensteiner stehen, gerät auf dem Weg zum Kasten zwar kurz ins Straucheln, schliesst aber dennoch eiskalt an FCV-Goalie Schaffran vorbei zum Doppelpack ab.
34. Minute, Ilyas Chouaref, 0:3. Berdayes erobert den Ball und schickt Chouaref in die Tiefe. der FCV-Keeper ist zwar noch am Ball, kann den Einschlag aus spitzem Winkel aber nicht mehr verhindern.
54. Minute, Théo Berdayes, 0:4. Kabacalman flankt ins Zentrum, wo die Vaduzer Abwehr komplett schläft: Das Sion-Eigengewächs Berdayes schleicht sich zwischen zwei Verteidigern davon und lenkt die Kugel geschickt ins Netz.
Der Beste
Der Boteli-Ersatz, Rilind Nivokazi, Malocher aus dem italienischen Niemandsland in der Region Umbrien. Nur schon für seinen Sprint über fast 70 Meter beim 2:0. Auch wenn Théo Berdayes an allen vier Sion -Toren beteiligt war.
Der Schlechteste
Was für ein gebrauchter Abend für Dominik Schwizer! Dem Mann vom Oberen Zürichsee steht das Wasser das ganze Spiel über bis zum Hals. Doch was heisst «das ganze Spiel»? Nach 36. Minuten muss der Routinier (wie auch Hasler und Walker) runter, der beim 0:2 und beim 0:3 hilflos ausschaut.
Das gab zu reden
Die Absenz von Winsley Boteli. Der Shootingstar fehlt wegen einer Lebensmittelvergiftung. Ins Gewicht fällt sie nicht. Sein Backup Nivokazi macht zwei Tore und spielt so, wie man es vom besten Sittener Torschützen der letzten Saison damals gewohnt war.
Die Fans
Na, ja, es ist halt Rheinpark. Nett, härzig, überschaubar. Ein paar Heimfans. Je nach Gegner einiges mehr an Gästefans – im Walliser Fall waren es doch viele, die auch richtig Stimmung machten. Die Neutralen und Nichtsingenden auf der Haupttribüne. Und die leere Gegentribüne. Wartezeit für die (sehr gute) Bratwurst: null Sekunden! Das ist doch auch was.
Die Schiris
Keine gröberen Probleme für Ref Mirel Turkes und sein Team in einem harmlosen Spiel. Der Zuger liess das Hands von Lavanchy vor dem 0:1 durchgehen. Ist okay. Und die beiden ultraknappen Onside-Entscheidungen vor den Walliser Toren zwei und drei waren automatisch.
So gehts weiter
Nach der Nati-Pause gehts für beide Teams in zwei Wochen in der Super League weiter: Sion empfängt am Samstag, 21. November, zu Hause im Wallis Servette. Vaduz geniesst ebenfalls Heimrecht und bekommt es mit Schlusslicht Lausanne zu tun.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 12 | 26 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 13 | 16 | 28 | |
3 | FC Sion | 13 | 11 | 26 | |
4 | FC Zürich | 12 | -1 | 20 | |
5 | FC St. Gallen | 12 | -3 | 19 | |
6 | Servette FC | 12 | 1 | 16 | |
7 | FC Basel | 12 | -4 | 14 | |
8 | FC Luzern | 13 | -7 | 13 | |
9 | FC Thun | 12 | -10 | 13 | |
10 | FC Vaduz | 13 | -5 | 10 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 12 | -13 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 12 | -11 | 6 |