Darum gehts
- YB dominiert die Liga mit klaren Siegen und nähert sich der Tabellenspitze
- Gerardo Seoane betont die Wichtigkeit der Defensive trotz offensiven Erfolgs
- YB gewann 5:0 gegen Winterthur, das keinen einzigen Schuss aufs Tor hatte
Es gab eine Saison unter Gerardo Seoane, da liessen die Berner ihren Kontrahenten nicht mal Brosamen übrig. Das war in der Corona-Spielzeit 2020/21. Am Ende holten sie den Titel mit sagenhaften 31 Punkten Vorsprung … auf Basel. Wohl ein Rekord für die Ewigkeit.
Und ähnlich wie am Samstag pflegten sie die Gegner in der Startphase zu überfahren und oft auch plattzuwalzen. Es war die schiere und pure Dominanz.
Der Schalter scheint in der Position «klare Siege» fixiert
Nach dem 5:0 gegen Winterthur, das locker auch mit einem Stängeli (Sieg mit zehn Toren) hätte heimbefördert werden können, fragt man sich: Ist das auch diese Saison möglich? Jedenfalls scheint Seoane den Schalter nachhaltig gekippt und ihn gleich mit einem reissfesten Tape in der Position «klarer Sieg» fixiert zu haben.
Wie üblich will der vorsichtige Luzerner von Gedankenspielereien, dass sein Job schon nach gut drei Wochen eigentlich getan sei, sowas von gar nichts wissen. Dabei ist man mit einer solchen Startphase und einem 4:0 nach nicht mal einer halben Stunde doch schon nahe an der Perfektion angelangt. Seoane: «Es ist ja nicht so, dass diese Mannschaft vorher nicht auch sehr gute Leistungen gezeigt hat», sagt der Mann mit der starken Bodenhaftung. «Es war immer eine Frage der Konstanz und der verschiedenen Gesichter», führt er weiter aus. «Das ist die Herausforderung als Trainer, diese Konstanz hinzukriegen.» Aber klar: Nach dem zweiten und dritten Tor falle einem alles ein bisschen leichter, das gelte es nun aufrechtzuerhalten, auch wenn man das Resultat einmal nicht sofort auf die eigene Seite zu kippen vermöge. «Weil das Spiel eng bleibt. Weil wir vielleicht einmal in Rückstand sind. Wichtig ist es dann, das Spiel mit derselben Haltung weiter zu bestreiten.»
Das Problem, so Seoane, sei die Defensive gewesen
Und wie war das doch gleich mit dem Niederwalzen? Noch mal: 4:1 in St. Gallen. 5:0 (statt eines möglichen 9:0) gegen Winterthur. «Klar, in den letzten beiden Spielen haben wir extrem viele Tore geschossen», so Seoane. YB habe ja einen offensiven Spielstil. «Das Problem war in den vergangenen Wochen, dass man gewisse Defensivaufgaben vernachlässigt und nicht konsequent verteidigt habe. Das haben wir nun sehr gut gemacht. Denn das Defensivverhalten ist immer noch die Basis.»
Aber hallo! Winterthur war ja offensiv quasi nicht existent. Null Schüsse, die aufs Tor kamen. Im ganzen Spiel. Da musste sich die Defensive – anders als in St. Gallen, kaum je beweisen. «Winterthur hatte schon seine Spielaufbauphasen. Aber es ist zermürbend, wenn es ein Team nicht schafft, vertikal zu spielen. Wir waren da aggressiv und aufmerksam. Und konnten danach unsere Tempospieler mit ihren Qualitäten sehr gut einsetzen.»
Das Zepter süferli in die Hand nehmen ...
Und doch: YB scheint auf dem Weg zu sein, süferli, wie man auf Berndeutsch sagt, also behutsam und gemächlich, das Zepter in der Liga wieder an sich zu reissen. Thun ist mit sechs Punkten Vorsprung wieder auf Schlagdistanz. Anders ausgedrückt: Man hat den Titel wieder in den eigenen Händen und Füssen. Und gegenüber Basel den grossen Vorteil, nicht derart von einem Spieler abhängig zu sein wie der Meister von Xherdan Shaqiri. Bei YB fällt zum Beispiel Joël Monteiro aus. Es springt Alan Virginius in die Bresche – und wird zusammen mit Jaouen Hadjam gleich zum dominierenden Spieler auf dem Platz. Nebenbei zu Monteiro: Der fehlte wegen einer leichten Wadenverletzung. «Halb so schlimm. Ich werde die Reise nach Birmingham am Mittwoch mitmachen und hoffe bereits dort auf ein Comeback», so der Walliser.
Haben die Polarbären bei 12 Grad in Mittel-England fertig?
Man darf füglich gespannt sein, ob YB dann Aston Villa, das zu den Top-Ten-Teams der besten Liga der Welt gehört, das Wasser reichen kann. Ein tougher Job für die Polarbären. Zumal in den West Midlands am kommenden Donnerstagabend 12 Grad erwartet werden. Das sind dann locker 18 Grad mehr als am Samstag. Alles andere als arktisch. Haben die Polarbären dann schon fertig?
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 19 | 16 | 40 | |
2 | FC St. Gallen | 19 | 16 | 37 | |
3 | FC Lugano | 19 | 5 | 33 | |
4 | FC Basel | 19 | 8 | 32 | |
5 | BSC Young Boys | 19 | 0 | 29 | |
6 | FC Sion | 18 | 4 | 27 | |
7 | FC Zürich | 19 | -7 | 24 | |
8 | FC Luzern | 19 | 0 | 21 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 18 | 0 | 21 | |
10 | Servette FC | 18 | -6 | 20 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 19 | -9 | 17 | |
12 | FC Winterthur | 18 | -27 | 10 |
