Es ist ein nie endender Albtraum für die Fans des Grasshopper Club Zürich. Immer wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer gehen kann, sagt der Klub: Oh doch, schaut her! Und so haben sich laut Blick-Informationen ein paar Dutzend Fans der GC-Kurve am Ostersamstag versammelt und sich Zugang zum Campus in Niederhasli verschafft und das geschlossene Training der Hoppers unterbrochen. Die Ansage an Spieler und Staff war unmissverständlich: Ihr zeigt Leistung – oder es gibt Konsequenzen.
Das Ergebnis dieses Ultimatums? Die nächste Klatsche, der nächste blutleere Auftritt und ein 0:4 gegen ein Sion, das einen gemütlichen Frühlingsausflug nach Zürich gemacht hat und zu keinem Zeitpunkt des Spiels 100 Prozent abliefern musste für diese drei Punkte.
Sutters verbale Ohrfeige an die Spieler
Die GC-Spieler kriegen nach der Partie einen Maulkorb – und eine verbale Ohrfeige vom Sportchef: «Es geht darum, dass die Jungs realisieren, dass es in ihrer Verantwortung liegt. Dass sie mehr machen müssen. Es liegt an den Jungs jetzt – nicht am Trainer», so Alain Sutter nach dem Sion-Debakel zu Blick, der weiterhin Ruhe ausstrahlen will und dabei immer ratloser wirkt.
«Du kannst den Esel nur bis zum Wasser führen, saufen muss er selber. Wenn er nicht trinken will, dann verdurstet er.» Auch wenn es ein Sprichwort ist: eine junge Mannschaft, die komplett am Boden ist, mit einem Esel zu vergleichen? Sehr mutig für einen Sportchef, der so fest für Harmonie stehen will wie kein anderer in der Liga.
Gerald Scheiblehner, die bedauernswerteste Figur im Klub
Es ist eine von mehreren Handlungen Sutters, in den vergangenen Wochen, die man kritisch hinterfragen muss. Angekommen im vergangenen Sommer als der Messias, der GC retten soll. Die letzte Hoffnung für eine langfristige GC-Rettung. Der Mann mit Hoppers-DNA, der sich auch gleich zum klubeigenen Leuchtturm erklärt hat. Dieser leuchtete zuerst klar und hell. LAFC überlässt ihm – bis heute – die totale und uneingeschränkte Macht.
Der Neuanfang und die Philosophie sind vielversprechend, der verpflichtete Trainer Gerald Scheiblehner ebenso. Doch der Österreicher wurde zur bedauernswertesten Figur im Klub. Mit dem im Minimum zweitschlechtesten Team der Liga und erkennbaren Lücken in der Kaderplanung soll Scheiblehner zaubern. Als ihm das nicht gelingt, kriegt er von Sutter sechs neue Spieler. Der Neuanfang, an den alle so fest geglaubt haben, wird bereits über den Haufen geworfen. Sechs, teils meinungsstarke und ohne Zweifel mit Potenzial versehene Spieler, mitten in der Saison zu integrieren? Die nächste Herkulesaufgabe für Scheiblehner.
Falscher Zeitpunkt für Trainer-Versuche
Als ihm auch dies nicht gelingt, wird Scheiblehner von Alain Sutter rasiert. Das definitive Ende des neuen, gemeinsamen GC-Weges. Doch Sutter beteuert gegen Aussen gebetsmühlenartig: Scheiblehner habe nie etwas falsch gemacht und am neuen Trainer Gernot Messner liege es aktuell auch nicht.
Sutter kündigte Messner als würdigen Nachfolger an, weil dieser eine gleiche Spielidee und Intensität verfolge. Das Ergebnis widerspricht dem GC-Leuchtturm vehement. 0:9 Tore nach zwei Spielen und eine Taktik sowie Aufstellung, die manch ein GC-Fan auf der Playstation vielleicht besser hingekriegt hätte. Messner wählt ein abwartendes 4-5-1, um auf Konter zu spielen, doch leider gingen die Spieler mit Tempo in der Offensive vergessen. Mindestens fünf (!) Spieler in der Startelf haben nicht auf ihrer besten bzw. gelernten Position gespielt. Wie soll hier Stabilität entstehen? Wo bleibt der angekündigte Impuls? Die pure Überforderung ohne klare Idee und Konzept.
Dass Messner ohne Sieg auf höchstem Niveau in seiner Karriere eine Chance aufgrund guter Arbeit in der U21 bekommen hat, ist bei anderen Klubs vielleicht lobenswert oder ein Versuch wert. Doch bei GC geht es ums Überleben, um die Rettung des Klubs. Falscher kann der Zeitpunkt für Chancen und Versuche kaum sein.
Ein perfekter Kandidat für das Himmelfahrtskommando
Über die Jahre hat sich ein klares Einmaleins im Abstiegskampf etabliert: Druck von der Mannschaft nehmen, Selbstvertrauen geben und für Stabilität sorgen. Das alles macht GC nicht – und Coach Messner schon gar nicht, ganz im Gegenteil. Und so sind die Hoppers zurecht und ohne Überraschung im freien Fall.
Doch woher kriegt GC in dieser Situation einen Trainer mit Erfahrung, der polarisiert und so den Druck von den Spielern auf sich nimmt, der die Liga kennt und genug Selbstvertrauen hat, um dieses Himmelfahrtskommando von Gernot Messner zu übernehmen?
Blick hat ihn gefunden: Ricardo Moniz. Der 61-jährige Holländer ist genau das, was GC jetzt braucht – und der nicht nur als Feuerwehrmann agieren kann, sondern die Philosophie mit jungen Spielern auch in Zukunft weiterführen kann. Der Leistungsausweis ist unbestritten und Blick weiss: Moniz wäre bereit für eine Rückkehr nach Zürich. Ob Alain Sutter den Mut hat für diese Entscheidung?
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 32 | 36 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 32 | 24 | 59 | |
3 | FC Lugano | 32 | 11 | 54 | |
4 | FC Basel | 32 | 8 | 53 | |
5 | FC Sion | 32 | 13 | 49 | |
6 | BSC Young Boys | 32 | 5 | 47 | |
7 | FC Luzern | 32 | 3 | 39 | |
8 | Servette FC | 32 | 0 | 39 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 32 | -7 | 39 | |
10 | FC Zürich | 32 | -17 | 34 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 32 | -27 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 32 | -49 | 19 |
