Nachzug Facinet Conte
2:05
Conte zu Debüt nach Verletzung:«Mit meiner Ausdauer war es schwierig»

«Er war wie ein Vater zu mir»
Physio hilft YB-Pechvogel durch unglaubliche Leidenszeit

884 Tage nach der Unterschrift in Bern spielt Facinet Conte erstmals in einem Ernstkampf im YB-Dress. Ein Martyrium mit fünf Operationen ohnegleichen, bei dem ihn YB-Physio Thomas Breitenmoser fürsorglich begleitet. «Wie ein Vater», sagt Facinet. Das ist seine Lebensgeschichte.
Kommentieren
1/26
Der grosse Moment! Trainer Gerardo Seoane schickt Facinet Conte in Taverne aufs Feld.
Foto: Claudio De Capitani/freshfocus
RMS_Portrait_AUTOR_718.JPG
Alain KunzReporter Fussball

Am 17. Mai 2024 gibt YB die Verpflichtung für fünf Jahre eines gewissen Facinet Conte bekannt. Der Stürmer ist damals 19 Jahre alt. Am 29. Juni landet die nächste Message von YB in der Mailbox. Headline: «Conte fällt monatelang aus.» Der Guineer hat sich im Training ohne Einwirkung eines Gegenspielers das Kreuzband gerissen. Riesenpech für den jungen Mann, der am Afrika-Cup mit Guinea eben erst die Viertelfinals erreicht hat und als Teenager viermal zum Einsatz kam! Aber wenn alles optimal läuft, kann man sieben Monate später wieder spielen. So wie Alvyn Sanches. Doch bei Conte läuft gar nichts optimal. Ganz im Gegenteil.

Contes Herz pocht wie verrückt, als er in Taverne aufs Feld darf

«Insgesamt musste ich fünfmal operiert werden», berichtet der Guineer. Das ist die Schlussbilanz eines Verletzungsmartyriums sondergleichen, denn nun spielt Conte! Zuerst in der U21, 848 Tage nach dem Unfall. Dann in einem Test in Aarau (2:1) am 2. Oktober, als er in der 72. Minute für Bahereba Guirassy aufs Feld kam. Und nun erstmals in einem Spiel, in welchem es um etwas geht. Im Cup am Sonntag bei Erstligist Taverne. Zwei Jahre und drei Monate nach dem Unglück.

Nach dem Spiel kann er sein Glück kaum fassen. Conte, von Haus kein grosser Redenschwinger, kann den Moment kaum beschreiben, als ihm Trainer Gerardo Seoane in der Pause sagt: Mach dich bereit, du kommst rein. «Es war ganz und gar nicht einfach, dieser Moment. Mein Herz schlug wie verrückt. Es war unglaublich. Schlicht unglaublich. Nichts als unglaublich!»

Endlich! Facinet Conte im YB-Dress und im Ernstkampf-Einsatz, hier gegen Tavernes Verteidiger Luca Solzi.
Foto: keystone-sda.ch

Nun also kann er wieder lachen und offen über seine Leidenszeit Auskunft geben, die nun zu Ende ist. «Ich bin einfach glücklich. Klar war die Zeit schwierig. Aber ich musste da ja nicht allein durch. Gott stand mir bei. Ich hatte meine Mitspieler zur Seite, mit denen ich immer wieder Spass hatte. Meine Coaches. Der ganze YB-Staff. Meine Familie. Und Thomas, der mich während der gesamten Zeit begleitet hat.» Thomas, das ist Thomas Breitenmoser, einer der YB-Physios, der sich um Facinet kümmerte. Dies mit derart viel Hingabe, dass Conte die Frage, ob er wie ein Bruder zu ihm gewesen sei, verneint. «Er war wie ein Vater zu mir! Wir sind wie Vater und Sohn.»

«Eindrücklich, zu sehen, wie Facinet nie aufgab»

Der Physiotherapeut sei in solch einer Konstellation schon eine wichtige Vertrauensperson, sagt Breitenmoser, der seit 2021 bei den Bernern tätig ist. Wie hat der Ostschweizer seinen Schützling in dieser unendlich langen Zeit erlebt? «Es war extrem eindrücklich, zu sehen, wie er nie aufgab. Natürlich fiel er nach der x-ten ungünstigen Diagnose in ein Loch. Doch nach zwei, drei Tagen stand er immer wieder auf und war wieder positiv.» Dann hätten der gesamte Staff und er auch als Seelenklempner gewirkt, das sei normal. «Man musste ihm gut zureden, um ihm da rauszuhelfen. Aber trotz der Rückschläge war seine Grundhaltung die gesamte Zeit über dieselbe: Ich schaffe das!» Dabei gebe es auch Spieler, die in solchen Fällen nicht mehr zurückkommen. «Bei Kreuzbandrissen geht es nicht immer so gut wie bei Alvyn.» Doch Facinet? Der gibt zu Protokoll, «dass ich mir irgendwann fast Vorwürfe gemacht habe, weil ich dem Team nicht helfen konnte». Unglaublich!

Eltern früh verloren und von Marokkanern adoptiert

Geholfen habe ihm sicher auch eine gewisse Resilienz, die er durch seine Lebensgeschichte erlangt habe, glaubt Breitenmoser. Conte kommt in der guineischen Millionenstadt Conakry auf die Welt. Er verliert seine Eltern früh und wird als Waise von einem Onkel aufgezogen, bevor ihn ein marokkanischer Flugkapitän, der für die Air France arbeitet, und seine Frau adoptieren.

So zieht er 2020 nach Marokko, wo er wie schon in Guinea im Rahmen der panafrikanischen Organisation Siaka Académie Foot Freundschaftsspiele absolviert. Nach Probetrainings bei verschiedenen französischen Vereinen nimmt ihn der korsische Zweitligist Bastia unter Vertrag. Facinet bestreitet einige Freundschaftsspiele. Doch weil er noch minderjährig ist, verweigert ihm die Fifa die Pflichtspiel-Erlaubnis für die Profis. So kehrt er im Januar 2023 nach Guinea zurück, um ein halbes Jahr lang beim Erstligisten Flamme Olympique FC in Conakry einige Spiele zu bestreiten, bevor er, mittlerweile 18-jährig geworden, erneut nach Korsika geht und einen Einjahresvertrag mit Verlängerungsoption unterschreibt. In der Ligue 2 schlägt er voll ein. Bei seinem ersten Einsatz mit Bastia trifft er als Joker gleich doppelt. Die Frankreich-affine YB-Scoutingabteilung um Stéphane Chapuisat wird auf ihn aufmerksam und nimmt ihn ein Jahr später unter Vertrag. Erst 19 Jahre alt ist er zu diesem Zeitpunkt und hat gefühlt schon mehr als ein Leben hinter sich …

Ach ja, und um das Ganze zu vollenden: Facinet, mittlerweile Franko-Guineer, wird völlig überraschend für den Afrika-Cup aufgeboten, wo er in seinem ersten Länderspiel beim 2:0 gegen Nigeria gleich ein Tor macht!

Der Vater jettet für die Air France um die Welt

Seine Familie wohnt derzeit in Bern, also seine Mutter, die in einem Restaurant jobbt, und seine kleine Halbschwester, derweil der Vater um die Welt jettet. «Er fährt oft ab Bern mit dem TGV nach Paris und fliegt von dort überallhin. Auch über den Atlantik, in die USA», erzählt Facinet voller Stolz.

Dem Ganzen noch mehr «Ende gut, alles gut»-Kitsch verleihen können, hätte nur noch ein Tor in seinem Premierenmatch. So wie das in Bastia gelang. Und in der Nati. Die Chance dazu hatte Facinet, doch er jagte das Leder übers quasi leere Tor. Sorgen macht er sich deswegen nicht: «Mein erstes Tor wird kommen, da bin ich sicher. Es gibt ja noch so viele Spiele. Und meine Mitspieler werden mir weiterhin helfen.»

Am Samstag steht allenfalls der erste Super-League-Einsatz gegen St. Gallen an. Und das wäre dann auch eine Premiere, sollte er in Wankdorf treffen.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
10
24
28
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
10
15
22
3
FC Sion
FC Sion
10
6
19
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
10
-2
16
5
FC Zürich
FC Zürich
10
-4
14
6
Servette FC
Servette FC
10
1
13
7
FC Basel
FC Basel
10
-3
13
8
FC Luzern
FC Luzern
10
-5
12
9
FC Thun
FC Thun
10
-10
10
10
FC Vaduz
FC Vaduz
10
0
9
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
10
-13
8
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
10
-9
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen