Die Super League ist erst einen Spieltag alt. Man tut also gut daran, die Kirche im Dorf zu lassen. Trotzdem können 90 Minuten bereits etwas darüber verraten, wo eine Mannschaft steht – und was ihr noch fehlt. Erst recht, wenn sie wie der FC Luzern mit einem neuen Trainer in die Saison startet und sich im Kader einiges verändert hat.
Nach der klaren 1:3-Auftaktniederlage gegen Meister Thun sind im Luzerner Umfeld erste Fragezeichen aufgekommen. Blick zeigt auf, welche Hoffnungen und Sorgen das Premierenspiel ausgelöst hat.
Hoffnungen
Lucas Ferreira: Vor einem Jahr kam Lucas Ferreira (19) praktisch aus dem Nichts. Der damalige Trainer Mario Frick (51) holte ihn aus den Ferien zurück, weil für das Trainingslager zu wenig Spieler zur Verfügung standen. Was danach folgte, war kaum zu erwarten: Ferreira spielte sich in den Vordergrund und gehörte zu den grossen Gewinnern der vergangenen Saison. Nun trägt er statt der Nummer 73 die prestigeträchtige 10. Gegen Thun war er einer der wenigen Luzerner, die offensive Akzente setzen konnten. Nun gilt es, diese Leistung zu bestätigen. Helfen würde allerdings, wenn er auf seiner angestammten Position eingesetzt würde – und nicht wie zuletzt im flachen 4-4-2 auf dem Flügel.
Die Bilanz der letzten Jahre: Der Saisonstart und der FC Luzern – das ist seit Jahren keine Liebesgeschichte. Seit 2020 hat der FCL nur ein einziges Auftaktspiel gewonnen: jenes vor einem Jahr gegen GC. Dazu kommen zwei Unentschieden und mittlerweile vier Niederlagen. Eine misslungene Premiere muss für Luzern also noch lange nichts bedeuten.
Der xG-Wert: Die Stimmung nach der Niederlage ist verständlicherweise gedrückt. Doch ein Blick auf die Zahlen relativiert das Bild zumindest teilweise. Luzern kam gegen Thun auf einen xG-Wert von 3,47, der Meister lediglich auf 2,50. Nicht jeder misst dieser Statistik grosse Bedeutung bei. Trotzdem zeigt sie: Alles falsch gemacht hat der FCL offensiv nicht.
Sorgen
Die Goalie-Position: Als Nachfolger von Pascal Loretz (23) setzte Sportchef Remo Meyer (45) auf Simon Simoni (22). Der Albaner gilt seit Jahren als Versprechen und erhielt nicht ohne Grund einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. In den vergangenen zwei Jahren stagnierte seine Entwicklung allerdings, vor allem wegen fehlender Spielpraxis. Genau diese war ihm gegen Thun anzumerken – insbesondere bei der Szene, die zum 1:2 führte. Passieren solche Unsicherheiten auch in den nächsten Spielen, dürfte die Goalie-Frage rasch wieder zum Thema werden.
Udo Portmann: Mit einem Sieg hätte Udo Portmann (49) die gute Stimmung rund um den FC Luzern weiter befeuert. Stattdessen ist der neue Trainer nach dem 1:3 gegen Thun erstmals gefordert. Schon beim Trainingsauftakt sagte er: «Es ist nicht schwierig, zu antizipieren, dass es in einer Saison schwierigere Momente geben wird.» Von einem schwierigen Moment zu sprechen, wäre nach einer Partie zwar völlig übertrieben. Doch Portmann muss die ersten kritischen Stimmen rasch verstummen lassen. Der FCL-Coach trägt seinen Übernamen Udo nicht zufällig wegen Schlagerlegende Udo Jürgens (†80). Nun wird er hoffen, dass es – ganz nach dessen Klassiker «Weil erstens alles ganz anders kommt» – für ihn und Luzern am Ende tatsächlich anders kommt.
Der Spielplan: Eigentlich war alles angerichtet für einen gelungenen Saisonstart. Thun hatte drei Tage zuvor noch gegen Dinamo Zagreb gespielt, rotierte kräftig – und Luzern ging bereits nach zwei Minuten in Führung. Trotzdem verlor der FCL 1:3. Nun warten mit Sion und St. Gallen zwei schwierige Auswärtsspiele. Aus unterschiedlichen Gründen dürften beide Aufgaben alles andere als angenehm werden.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 1 | 2 | 3 | |
2 | FC Thun | 1 | 2 | 3 | |
3 | FC Lugano | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC St. Gallen | 1 | 1 | 3 | |
5 | FC Basel | 1 | 1 | 3 | |
6 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 1 | 0 | 1 | |
8 | FC Vaduz | 1 | -1 | 0 | |
8 | FC Zürich | 1 | -1 | 0 | |
10 | Servette FC | 1 | -1 | 0 | |
11 | FC Sion | 1 | -2 | 0 | |
12 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 |

