Darum gehts
- Thun verliert 0:6 gegen YB, die zweite schmerzhafte Niederlage nach jener in Zagreb
- Die Rotationstaktik von Trainer Gian-Luca Privitelli ist diesmal nicht aufgagengen
- Der Coach dementiert den Eindruck nicht, dass die 1A-Formation in Europa spielt
Zweite äusserst schmerzhafte Niederlage in Folge für den Meister. Nach dem bitteren Out in der Champions-League-Qualifikation bei Dinamo Zagreb – auch wegen kroatischer Unfairness – kassiert Thun zu Hause eine noch heftigere Klatsche als das 3:8 im Mai gegen YB: 0:6. Zu reden gab beide Male die Taktik von Coach Gian-Luva Privitelli, die Schiffbruch erlitten hat.
Die Réduit-Taktik führt fast immer ins Verderben
In Zagreb war es die Reaktion auf die Rote Karte gegen Marco Bürki. Sie hiess, gutschweizerisch: Réduit! Alles Offensive raus. Alles Defensive rein. Und beten, dass man durchkommt. Was selten passiert. Das hatte Murat Yakin gegen Argentinien so gemacht und am Ende alles verloren. Das hat Privitelli so gemacht. Wie wenn es irgendwo in einem Drehbuch stehen würde, dass eine Unterzahl automatisch dazu führt, dass man plötzlich zum Kaninchen wird, das vor der Schlange erstarrt. Bis diese zubeisst. Das haben die Gauchos getan. Das haben die Kroaten gemacht.
Und nun, gegen YB? Rotiert Privitelli viele Spieler raus. Wie gegen Luzern. Während das gegen die Innerschweizer überraschend gut ging, erleidet die Taktik mit sechs Neuen gegen die wesentlich stärkeren Berner Schiffbruch. Und dabei gewinnt man den Eindruck, dass die 1A-Formation jeweils jene ist, die europäisch spielt. Täuscht dieser Eindruck? Privitelli: «Vielleicht ist es ein bisschen so. Aber Nils Reichmuth hat gegen YB begonnen. Nico Maier hat in Luzern ein Superspiel gemacht. Wir haben schon auf den meisten Positionen gute Alternativen.»
«Unsere Spielidee ändern? Das wollen wir nicht»
Und weiter: «Das Programm ist nicht so, dass wir mit der Zunge schnalzen und sagen: Juhui, wir reisen nach Zagreb und danach nach Island. Und zwischendrin haben wir noch ein bisschen Basel und YB. Da gibt es halt schon die Möglichkeit des Überpowerns, dass man dann mit Verletzungen rechnen muss. Deshalb rotieren wir.»
So also ist vorgezeichnet: Für das Spiel gegen Vikingur Reykjavik am Donnerstag in der Europa-League-Quali wird wieder frisch-fröhlich rotiert. Sprich: Matoshi, Zoukit, Heule (wenn sich dessen Verletzung als nicht gravierend herausstellt) und Maier werden wohl wieder starten. Die 1A-Formation. Einzig Marco Bürki nicht. Denn der ist nun auch europäisch gesperrt. Einfacher wird das Thuner Leben damit nicht. Und der Weg in eine Ligaphase ist auch ohne Meisterklasse nach wie vor sehr steinig.
Warum nicht Grossklubs zum Vorbild nehmen?
Auf den Thuner Wegen könnte sich Privitelli durchaus das eine oder andere europäische Spitzenteam zum Vorbild nehmen. Nicht, dass die Oberländer ein solches wären. Aber dort wird oft erstaunlich wenig rotiert. Gerade für grosse Spiele. Wie zum Beispiel das Berner Derby für die Oberländer eines ist. Und die Spieler in diesen Klubs mögen talentierter sein, technisch besser. Aber physisch sind die Oberländer auf demselben Level. Wie jedes Team aus unserer laufintensiven Liga.
Übrigens: Ob Christopher Ibayi nochmals für YB aufläuft, ist alles andere als sicher. Der Kongolese war für Transferverhandlungen vom YB-Spiel dispensiert. Gesichert ist hingegen, dass Ibayis Verhandlungen nicht mit YB stattfinden. Obwohl die Hauptstädter auch eine Sturmspitze suchen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | BSC Young Boys | 2 | 8 | 6 | |
2 | FC Lausanne-Sport | 2 | 1 | 4 | |
3 | FC Lugano | 1 | 1 | 3 | |
3 | FC St. Gallen | 1 | 1 | 3 | |
5 | FC Zürich | 2 | 0 | 3 | |
6 | FC Basel | 2 | 0 | 3 | |
7 | FC Thun | 2 | -4 | 3 | |
8 | Grasshopper Club Zürich | 1 | 0 | 1 | |
9 | FC Vaduz | 1 | -1 | 0 | |
10 | FC Sion | 1 | -2 | 0 | |
11 | FC Luzern | 1 | -2 | 0 | |
11 | Servette FC | 2 | -2 | 0 |

