Meisterteam überbewertet
Die Gründe für die Basler Horror-Saison

Nur Platz fünf nach der Meistersaison: Das steckt hinter dem sportlichen Absturz des FC Basel.
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Dominik Schmid und der FC Basel haben eine Saison zum Vergessen hinter sich.
Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

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Lucas WerderReporter Fussball

Nein, es ist keine historisch schlechte Saison, die der FCB am Sonntag mit einem 0:4 gegen Lugano abgeschlossen hat. Schliesslich holten die Basler in den drei Jahren zuvor nur einmal mehr Punkte als die 56, die am Ende knapp für den fünften Tabellenplatz reichen. Trotzdem ist es eine Saison, die man beim abgesetzten Doublesieger möglichst schnell vergessen will. Und eine, die ihre Gründe hat.

Meistersaison überbewertet

Dass der FCB talentierte Spieler in seinem Kader hat, steht ausser Frage. Dass die Basler Mannschaft in der vergangenen Saison über ihren Verhältnissen gespielt hat, allerdings auch. Das Meisterteam von Fabio Celestini erzielte deutlich mehr Tore und kassierte deutlich weniger Tore, als statistisch zu erwarten waren. Folglich hatte der FCB am Ende der Saison auch mehr Punkte auf dem Konto, als er hätte haben müssen.

Dabei war der Basler Titelgewinn vor allem auf einen Faktor zurückzuführen: Eine überragende Saison von Xherdan Shaqiri (34), in welcher der FCB-Captain in 39 Spielen 43 Skorerpunkte sammelte. Trotzdem schien man innerhalb der sportlichen Führung offenbar der Meinung, dass man mit dieser Mannschaft trotz der zusätzlichen europäischen Belastung erneut um den Meistertitel mitspielen könne.

Dieses Unterfangen dürfte aber nicht nur an der fehlenden Qualität, sondern vor allem am fehlenden Biss gescheitert sein. Obwohl die Basler bis auf den nach Hoffenheim abgewanderten Leon Avdullahu praktisch mit derselben Startelf in die Saison starteten, wirkten die Auftritte häufig sehr lethargisch. Vor allem unter den ausländischen Spielern liess sich eine gewisse Zufriedenheit feststellen. Ein Beispiel: Bénie Traoré, der nach dem 3:1-Knorzsieg im Cup-Achtelfinal gegen Grand-Saconnex erklärte, man dürfe mit dem schwachen Basler Auftritt zufrieden sein. 

Negativtrend nicht gestoppt

Nach drei Rückrundenspielen und einem 4:3-Sieg gegen den FCZ erfolgte Ende Januar die Entlassung von Ludovic Magnin. Kritik an dessen Arbeit war durchaus angebracht, schliesslich rangierte der FCB zu diesem Zeitpunkt nur auf Platz vier und drohte die K.o.-Phase der Europa League zu verpassen. Im Hinblick auf die statistisch erwartbaren Tore und Gegentore war im Vergleich zum Saisonstart ein klarer Negativtrend zu erkennen.

Trotzdem muss vor allem der Zeitpunkt der Entlassung rückblickend als Fehler bewertet werden. Nachfolger Stephan Lichtsteiner startete mit drei entscheidenden Spielen in der Europa League gegen Viktoria Pilsen, in der Meisterschaft gegen Leader Thun und im Cup-Viertelfinal gegen St. Gallen. Alle drei Partien gingen verloren.

Trotz der wegfallenden Dreifachbelastung ist es Lichtsteiner auch im Anschluss nicht gelungen, die immer schlechter werdenden Basler Zahlen aufzupolieren. Unter ihm kassierte der FCB sogar mehr Tore und schoss selber weniger als noch unter seinem Vorgänger. In der Lichtsteiner-Tabelle liegt der FCB mit 20 Punkten aus 17 Partien auf Platz acht. Nur GC, Lausanne, der FCZ und Winterthur haben seit der 22. Super-League-Runde weniger Punkte gesammelt als die Basler.

Zahlreiche Fehltransfers

Koba Koindredi, Julien Duranville, Ibrahim Salah, Jeremy Agbonifo – alles talentierte Spieler. Nur hat keiner von ihnen dem FCB in dieser Saison irgendwie weitergeholfen. Im Fall von Agbonifo hat man das immerhin schon im Winter erkannt und die Leihe des schwedischen Flügels vorzeitig beendet. Auch im Fall von Duranville und Koindredi wird es nicht zu einer Übernahme kommen. Und für Moritz Broschinski, für den man um die zwei Millionen Franken ausgegeben hat, sucht der FCB bereits wieder einen Abnehmer.

Der künftige Ex-Sportchef Daniel Stucki hat durchaus Neuzugänge vorzuweisen, die sich in Basel durchsetzen konnten. Bitter, dass sich ausgerechnet die geglückten Transfers (Daniliuc, Tsunemoto, Metinho) mehrfach mit Verletzungen herumgeschlagen haben.

Miserable Defensive

58 Gegentore hat der FCB in dieser Saison kassiert, so viele wie noch nie in diesem Jahrtausend. Zwar trägt jedes Team seit der Einführung des Schotten-Modus 2023/2024 zwei Spiele mehr aus. Doch selbst vor zwei Jahren, als die Basler lange gegen den Abstieg kämpften und die Meisterschaft in der Relegation Round abschlossen, standen am Ende nur 53 Gegentore zu Buche. Besonders erschreckend ist der Umstand, dass der FCB in der Winterpause noch die beste Abwehr der Liga stellte. Dafür waren mit Adrian Barisic und Jonas Adjetey aber auch zwei äusserst kopfballstarke Verteidiger mitverantwortlich, die sich längst aus Basel verabschiedet haben.

Kein Mittelstürmer

91 Tore im Doublejahr, 55 in dieser Saison. Das macht im Schnitt über einen Treffer pro Spiel weniger. Mit ein Grund dafür ist die Harmlosigkeit der drei Basler Mittelstürmer, die zusammen auf sieben Ligatore kommen. Zum Vergleich: FCB-Leihgabe Andrin Hunziker, der beste Angreifer von Absteiger Winterthur, steht bei elf Treffern.

Albian Ajeti befindet sich dagegen seit Monaten im Formtief. Seit Anfang Oktober hat er in der Super League ein einziges Mal getroffen. Und Flop-Transfer Moritz Broschinski schaffte es zuletzt mehrfach gar nicht mehr in das Kader. Auch weil es Sportchef Stucki im Winter weder schaffte, Hunziker aus Winterthur zurückzuholen, noch einen neuen Stürmer zu verpflichten, gehörte der Stammplatz zwischenzeitlich dem 18-jährigen Nachwuchsspieler Giacomo Koloto. Ein grosses Talent, das aber in der Hinrunde noch nicht einmal zum Profi-Kader gehört hatte.

Penaltyquote

Bénie Traoré hat in seiner gesamten Karriere sieben Penaltys geschossen. Allesamt hat der Ivorer verwandelt, darunter auch drei in dieser Saison. Doch obwohl der Flügelspieler beim FCB zum Stammpersonal gehört, haben es die Basler geschafft, sieben ihrer insgesamt 17 Penaltys zu verschiessen. Zu den Fehlschützen gehörten Xherdan Shaqiri (5), Moritz Broschinski (1) und Philip Otele (1). Von den sieben Spielen, in denen ein Strafstoss vergeben wurde, konnte der FCB am Ende nur zwei für sich entscheiden.

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Brack Super League 25/26 - Meisterrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
38
28
75
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
38
25
70
3
FC Lugano
FC Lugano
38
17
67
4
FC Sion
FC Sion
38
23
63
5
FC Basel
FC Basel
38
-3
56
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
38
11
55
Champions League-Qualifikation
Conference League Qualifikation
Brack Super League 25/26 - Relegationsrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Luzern
FC Luzern
38
10
53
2
Servette FC
Servette FC
38
8
53
3
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
38
-14
42
4
FC Zürich
FC Zürich
38
-23
38
5
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
38
-26
33
6
FC Winterthur
FC Winterthur
38
-56
23
Relegation Play-Offs
Abstieg
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