Darum gehts
Nein, es ist keine historisch schlechte Saison, die der FCB am Sonntag mit einem 0:4 gegen Lugano abgeschlossen hat. Schliesslich holten die Basler in den drei Jahren zuvor nur einmal mehr Punkte als die 56, die am Ende knapp für den fünften Tabellenplatz reichen. Trotzdem ist es eine Saison, die man beim abgesetzten Doublesieger möglichst schnell vergessen will. Und eine, die ihre Gründe hat.
Meistersaison überbewertet
Dass der FCB talentierte Spieler in seinem Kader hat, steht ausser Frage. Dass die Basler Mannschaft in der vergangenen Saison über ihren Verhältnissen gespielt hat, allerdings auch. Das Meisterteam von Fabio Celestini erzielte deutlich mehr Tore und kassierte deutlich weniger Tore, als statistisch zu erwarten waren. Folglich hatte der FCB am Ende der Saison auch mehr Punkte auf dem Konto, als er hätte haben müssen.
Dabei war der Basler Titelgewinn vor allem auf einen Faktor zurückzuführen: Eine überragende Saison von Xherdan Shaqiri (34), in welcher der FCB-Captain in 39 Spielen 43 Skorerpunkte sammelte. Trotzdem schien man innerhalb der sportlichen Führung offenbar der Meinung, dass man mit dieser Mannschaft trotz der zusätzlichen europäischen Belastung erneut um den Meistertitel mitspielen könne.
Dieses Unterfangen dürfte aber nicht nur an der fehlenden Qualität, sondern vor allem am fehlenden Biss gescheitert sein. Obwohl die Basler bis auf den nach Hoffenheim abgewanderten Leon Avdullahu praktisch mit derselben Startelf in die Saison starteten, wirkten die Auftritte häufig sehr lethargisch. Vor allem unter den ausländischen Spielern liess sich eine gewisse Zufriedenheit feststellen. Ein Beispiel: Bénie Traoré, der nach dem 3:1-Knorzsieg im Cup-Achtelfinal gegen Grand-Saconnex erklärte, man dürfe mit dem schwachen Basler Auftritt zufrieden sein.
Negativtrend nicht gestoppt
Nach drei Rückrundenspielen und einem 4:3-Sieg gegen den FCZ erfolgte Ende Januar die Entlassung von Ludovic Magnin. Kritik an dessen Arbeit war durchaus angebracht, schliesslich rangierte der FCB zu diesem Zeitpunkt nur auf Platz vier und drohte die K.o.-Phase der Europa League zu verpassen. Im Hinblick auf die statistisch erwartbaren Tore und Gegentore war im Vergleich zum Saisonstart ein klarer Negativtrend zu erkennen.
Trotzdem muss vor allem der Zeitpunkt der Entlassung rückblickend als Fehler bewertet werden. Nachfolger Stephan Lichtsteiner startete mit drei entscheidenden Spielen in der Europa League gegen Viktoria Pilsen, in der Meisterschaft gegen Leader Thun und im Cup-Viertelfinal gegen St. Gallen. Alle drei Partien gingen verloren.
Trotz der wegfallenden Dreifachbelastung ist es Lichtsteiner auch im Anschluss nicht gelungen, die immer schlechter werdenden Basler Zahlen aufzupolieren. Unter ihm kassierte der FCB sogar mehr Tore und schoss selber weniger als noch unter seinem Vorgänger. In der Lichtsteiner-Tabelle liegt der FCB mit 20 Punkten aus 17 Partien auf Platz acht. Nur GC, Lausanne, der FCZ und Winterthur haben seit der 22. Super-League-Runde weniger Punkte gesammelt als die Basler.
Zahlreiche Fehltransfers
Koba Koindredi, Julien Duranville, Ibrahim Salah, Jeremy Agbonifo – alles talentierte Spieler. Nur hat keiner von ihnen dem FCB in dieser Saison irgendwie weitergeholfen. Im Fall von Agbonifo hat man das immerhin schon im Winter erkannt und die Leihe des schwedischen Flügels vorzeitig beendet. Auch im Fall von Duranville und Koindredi wird es nicht zu einer Übernahme kommen. Und für Moritz Broschinski, für den man um die zwei Millionen Franken ausgegeben hat, sucht der FCB bereits wieder einen Abnehmer.
Der künftige Ex-Sportchef Daniel Stucki hat durchaus Neuzugänge vorzuweisen, die sich in Basel durchsetzen konnten. Bitter, dass sich ausgerechnet die geglückten Transfers (Daniliuc, Tsunemoto, Metinho) mehrfach mit Verletzungen herumgeschlagen haben.
Miserable Defensive
58 Gegentore hat der FCB in dieser Saison kassiert, so viele wie noch nie in diesem Jahrtausend. Zwar trägt jedes Team seit der Einführung des Schotten-Modus 2023/2024 zwei Spiele mehr aus. Doch selbst vor zwei Jahren, als die Basler lange gegen den Abstieg kämpften und die Meisterschaft in der Relegation Round abschlossen, standen am Ende nur 53 Gegentore zu Buche. Besonders erschreckend ist der Umstand, dass der FCB in der Winterpause noch die beste Abwehr der Liga stellte. Dafür waren mit Adrian Barisic und Jonas Adjetey aber auch zwei äusserst kopfballstarke Verteidiger mitverantwortlich, die sich längst aus Basel verabschiedet haben.
Kein Mittelstürmer
91 Tore im Doublejahr, 55 in dieser Saison. Das macht im Schnitt über einen Treffer pro Spiel weniger. Mit ein Grund dafür ist die Harmlosigkeit der drei Basler Mittelstürmer, die zusammen auf sieben Ligatore kommen. Zum Vergleich: FCB-Leihgabe Andrin Hunziker, der beste Angreifer von Absteiger Winterthur, steht bei elf Treffern.
Albian Ajeti befindet sich dagegen seit Monaten im Formtief. Seit Anfang Oktober hat er in der Super League ein einziges Mal getroffen. Und Flop-Transfer Moritz Broschinski schaffte es zuletzt mehrfach gar nicht mehr in das Kader. Auch weil es Sportchef Stucki im Winter weder schaffte, Hunziker aus Winterthur zurückzuholen, noch einen neuen Stürmer zu verpflichten, gehörte der Stammplatz zwischenzeitlich dem 18-jährigen Nachwuchsspieler Giacomo Koloto. Ein grosses Talent, das aber in der Hinrunde noch nicht einmal zum Profi-Kader gehört hatte.
Penaltyquote
Bénie Traoré hat in seiner gesamten Karriere sieben Penaltys geschossen. Allesamt hat der Ivorer verwandelt, darunter auch drei in dieser Saison. Doch obwohl der Flügelspieler beim FCB zum Stammpersonal gehört, haben es die Basler geschafft, sieben ihrer insgesamt 17 Penaltys zu verschiessen. Zu den Fehlschützen gehörten Xherdan Shaqiri (5), Moritz Broschinski (1) und Philip Otele (1). Von den sieben Spielen, in denen ein Strafstoss vergeben wurde, konnte der FCB am Ende nur zwei für sich entscheiden.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 38 | 28 | 75 | |
2 | FC St. Gallen | 38 | 25 | 70 | |
3 | FC Lugano | 38 | 17 | 67 | |
4 | FC Sion | 38 | 23 | 63 | |
5 | FC Basel | 38 | -3 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 38 | 11 | 55 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 38 | 10 | 53 | |
2 | Servette FC | 38 | 8 | 53 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 38 | -14 | 42 | |
4 | FC Zürich | 38 | -23 | 38 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 38 | -26 | 33 | |
6 | FC Winterthur | 38 | -56 | 23 |
