Lugano dreht Spiel im Letzi
GC tobt nach Hand-Szene – Zeidler lässt Frust am Schuh raus

Der FC Lugano entführt drei Punkte aus dem Zürcher Letzigrund. Obwohl GC in Führung geht, jubeln am Ende die Tessiner über den 4:1-Sieg. Und die Hoppers toben.
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Lugano bodigt GC im Letzi mit 4:1.
Foto: keystone-sda.ch

Die Schlüsselszene

Mattia Croci-Torti stellt in der Pause von einer Dreier- auf eine Viererkette um – und der Wechsel zeigt sofort Wirkung. Plötzlich hat Lugano nicht nur viel Ballbesitz wie in der ersten Halbzeit, sondern kommt obendrauf auch zu gefährlichen Torchancen. Es überrascht deshalb nicht, dass die Tessiner die Partie scheinbar problemlos noch drehen und die drei Punkte mit nach Hause nehmen.

Das Spiel

Zu Beginn der Partie prägt ein gegenseitiges Abtasten das Geschehen, ohne dass es zu nennenswerten Torchancen kommt. Wenn eine Mannschaft spielbestimmend ist, dann die Tessiner. Ziemlich aus dem Nichts fällt dann jedoch der Führungstreffer für die Hoppers (22.).

Dieser scheint das Offensivspiel des Rekordmeisters regelrecht zu beflügeln – allen voran den quirligen Krasniqi, der immer wieder für sehenswerte Aktionen im Angriff sorgt. Zwar kommt Lugano vor dem Pausentee zu der ein oder anderen gefährlichen Chance, doch die Zürcher gehen mit einer verdienten Führung in die Pause.

Die Bianconeri kommen bissiger aus der Kabine und belohnen sich – wie so oft nach einem Standard – mit dem Ausgleichstreffer (52.). Im Anschluss drücken sie vehement auf die Führung, von den in der ersten Halbzeit noch so überzeugend spielenden Hoppers ist hingegen nicht mehr viel zu sehen. Doch dann kommen sie (wieder) wie aus dem Nichts zu einer Hundertprozentigen, die Clemente kläglich vergibt. Nur wenige Augenblicke später zeigen sich die Luganesi wesentlich treffsicherer und belohnen sich mit dem Führungstreffer (71.). Keine zehn Minuten später erhöhen die Tessiner und sorgen damit für die Vorentscheidung – nicht ohne Diskussionen. Tief in der Nachspielzeit setzt Lugano dann noch den Schlusspunkt und sorgt dafür, dass die Angelegenheit doch deutlich ausgeht (90.+2).

Die Tore

22. Minute, Luke Plange, 1:0. Aus dem Nichts die GC-Führung! Stroscio wird ideal im Lauf bedient und zieht clever nach innen. Mit perfektem Auge legt er im richtigen Moment quer – Plange schaltet am schnellsten und schiebt mühelos ein.

52. Minute, Dereck Moncada, 1:1. Lugano-Neuzugang Moncada steigt nach einer perfekt getretenen Grgic-Ecke am höchsten und markiert per Kopfball seinen ersten Super-League-Treffer.

71. Minute, Yanis Cimignani, 1:2. Der Joker sticht – und wie! Einmal mehr glänzt Grgic als Vorbereiter: Mit einem gefühlvollen Chipball bedient er Cimignani, der die Kugel per Direktabnahme sehenswert im Tor versenkt und die Partie dreht.

78. Minute, Elias Pihlström, 1:3. Der Ball springt Luganos Zanotti beim Abstützen an die Hand – doch die Pfeife des Schiedsrichters bleibt stumm. Die Luganesi schalten blitzschnell um: Behrens bedient Pihlström zentral vor dem Sechzehner, der die Kugel in der linken unteren Ecke versenkt. Auf der GC-Bank herrscht fassungsloses Entsetzen über den ausbleibenden Handspiel-Pfiff.

90.+2 Minute, Yanis Cimignani, 1:4. Kendouci hebelt die GC-Abwehr mit einem herrlichen Ball über die Kette aus und findet Cimignani, der vor Hammel eiskalt bleibt und zum zweiten Mal an diesem Sonntag trifft.

Die Stimmen

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Abrashi über seine Situation:«Jede Partie ist wie ein Finalspiel – sonst rennen wir hinterher»

Abrashi zur Handspiel-Szene (gegenüber Blue): «Von aussen sieht es ganz klar nach Hands aus, es gibt dem Ball eine ganz andere Richtung und der Spieler kommt nicht ran. Dann gibt es den Konter und das Tor. Das ist es sehr bitter, aber wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Wir hatten in der ersten Halbzeit die Chance, 2:0 in Führung zu gehen. Nach der Pause kommen wir nicht gut aus der Kabine.»

Uran Bislimi (Lugano, gegenüber Blue): «In der ersten Halbzeit hat uns in den letzten 30 Metern etwas gefehlt. In der zweiten Halbzeit waren wir effizient mit unseren Chancen und sind dann auch verdient in Führung gegangen.»

Der Beste

Anto Grgic. Eine Klasse besser als viele in dieser Liga. Steuert zwei Assists zum Lugano-Sieg bei. Und auch den dritten Treffer leitet er mit einem langen Ball ein.

Der Schlechteste

Joel Bichsel. Vor dem Gegentor sieht er nicht gut aus und lässt sich von der GC-Offensive zu leicht überlisten. Zur Pause wird er im Zuge der Systemumstellung ausgewechselt. Ohne ihn läuft das Spiel der Tessiner deutlich besser, was aber nicht nur an ihm liegt.

Das gab zu reden

In der 78. fällt die Entscheidung zu Gunsten von Lugano. Allerdings reklamiert GC heftig. Am Ursprung der Aktion, die von Elias Pihlström herrlich vollendet wird, springt Mattia Zanotti der Ball am eigenen Strafraum gleich zweimal an die Hand. Schiedsrichter Drmic lässt jedoch weiterspielen – wohl, weil er kein absichtliches Handspiel erkennt. Das ist wohl nach der Regelauslegung letztlich der korrekte Entscheid. So sieht es auch Blue-Experte Kossner: Kein Hands, da das Umfallen natürlich war. Ein Entscheid, der jedenfalls für berechtigte Diskussionen sorgt. Nach dem vierten Lugano-Tor ist GC-Trainer Peter Zeidler so bedient, dass er seinen Frust am Schuh auslässt.

Die Schiris

Marijan Drmic (Schiedsrichter), Susanne Küng (Assistent), Daniel von Känel (Assistent), Mirel Turkes (VAR). Mehr oder weniger ein problemloser Nachmittag. Bis auf das Handspiel von Mattia Zanotti (siehe «Das gab zu reden») gibt es keine heiklen Szenen.

Die Fans

6083 Zuschauer sind beim ersten GC-Heimspiel der Saison im Letzigrund dabei. Vor dem Anpfiff ehrt der Rekordmeister Hakan Yakin im Rahmen des Jubiläumsjahres. Weshalb er dabei nicht einmal kurz zum Mikrofon greifen darf, bleibt allerdings das Geheimnis der Klubführung.

So gehts weiter

Wie schon zum Saisonauftakt reist GC auch am nächsten Samstag wieder in die Romandie: Diesmal wartet Servette, das nach den ersten Punkten lechzt (20.30 Uhr).

Für Lugano steht die nächste Partie schon am Donnerstag an: Im Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde der Conference League empfangen die Tessiner den färöischen Vertreter NSI Runavik in der AIL Arena (20.30 Uhr). In der Super League geht es erneut gegen einen Zürcher Klub: Am Sonntag (14 Uhr) kommt der FCZ ins Tessin.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
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