Die Schlüsselszene
Wie wäre die Partie wohl ohne Hannes Delcroix’ Rettungstat gegen Enzo Molebe ausgegangen? Beim Stand von 0:1 für die Tessiner wirft sich der Innenverteidiger brillant in den Weg des von Olympique Lyon ausgeliehenen Angreifers, der gerade im Begriff war, aus aussichtsreicher Position auf das Tor der Tessiner abzuziehen. Doch nicht nur wegen seines Einsatzes wird Delcroix zum Matchwinner – viel eher sorgt er mit seinem Hattrick für diese Auszeichnung.
Das Spiel
Zur Pause liegt Lausanne nach ereignisarmen 45 Minuten mit 0:1 zurück, nach dem Seitenwechsel kommt es dann knüppeldick für die Lausanner: Nach dem 0:2 sieht Lausannes Sekou Koné die rote Karte. Der daraus resultierende Freistoss führt direkt zum dritten Treffer für den Tabellenführer, der beim Tabellenletzten mit 4:0 gewinnt.
Lugano macht das Spiel, doch Lausanne wehrt sich tapfer. Die Tessiner agieren sehr abgeklärt und haben das Geschehen weitgehend im Griff. Nach etwas mehr als einer halben Stunde belohnt sich Lugano für den Aufwand und geht nach einem Eckball in Führung. Zuvor pariert Lausanne-Keeper Melvin Mastil einen Freistoss von Anto Grgic sehenswert.
Der Pausentee wirkt für die Luganesi wohl besonders. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff feiert Hannes Delcroix seinen Doppelpack und kurz darauf sogar den Hattrick. Zwischen dem zweiten und dritten Treffer fliegt Lausannes Sekou Koné vom Platz.
Das Tabellenschlusslicht ist sichtlich bedient und kann sich nicht mehr aufrappeln. Nach einer Stunde trifft Karim Sow ins eigene Tor und sorgt für 0:4-Endstand.
Die Tore
35. Minute, Hannes Delcroix, 0:1. Nach einem Eckball landet der Ball am zweiten Pfosten bei Papadopoulos. Mit etwas Glück bringt er ihn in die Mitte, wo der freistehende Delcroix nur noch einschieben muss. Für ihn ist es das erste Saisontor.
48. Minute, Hannes Delcroix, 0:2. Wieder liegt ein Eckball dem Treffer zugrunde, und wieder netzt Delcroix ein. Diesmal spielen die Tessiner die kurze Variante. Beckham Castro bringt den Ball auf den am höchsten springenden Innenverteidiger, der souverän einköpft.
52. Minute, Hannes Delcroix, 0:3. Hattrick für den Verteidiger! Nach einer wunderschönen Flanke von Bekhruz Karimov, der seinen Gegenspieler einfach stehen lässt, ist es erneut Delcroix, der einköpft.
61. Minute, Karim Sow (Eigentor), 0:4. Nach einer schönen Hereingabe von Mattia Zanotti, die eigentlich für den Albian Ajeti gedacht ist, lenkt Karim Sow den Ball ins eigene Tor.
Der Beste
Hannes Delcroix ist zweifellos in einen sehr exklusiven Kreis der Super League aufgestiegen. Dem Innenverteidiger aus Lugano gelingt nämlich ein Hattrick. Doch nicht nur in der Offensive ist der Haitianer von Bedeutung. Auch defensiv weiss der Verteidiger zu überzeugen, vereitelt zum Beispiel in der ersten Halbzeit eine gefährliche Chance von Molebe.
Der Schlechteste
Wieder einmal bleibt Omar Janneh während der gesamten Partie blass wie ein Geist. Der spanische Angreifer hat zu Saisonbeginn grosse Schwierigkeiten und ist weit von der Form entfernt, die er bei seiner Ankunft in Lausanne im vergangenen Winter gezeigt hat. Zum zweiten Mal in drei Spielen entscheidet sich sein Trainer Luka Elsner, ihn zur Halbzeitpause auszuwechseln.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
Hannes Delcroix: «Ich habe das noch nie von mir gesehen, drei Tore in einem Spiel. Ich bin überglücklich, nicht nur über meine Tore, sondern auch über den Sieg. Dieser ist eminent wichtig vor der Nationalmannschaftspause.»
Lukas Mai: «Es ist immer unangenehm, in Lausanne zu spielen. Wir sind es uns nicht gewohnt, auf Kunstrasen zu spielen. Aber wir haben den Kampf sehr gut angenommen, so wie wir uns das auch vorgestellt haben. Dass es jetzt 4:0 ausgeht, macht uns überglücklich. Ich glaube, wir haben einen sehr guten Lauf, den wir fortführen wollen. Ich glaube, der Schlüssel ist, dass wir immer dranbleiben und hungrig sind. So trainieren wir auch, und das ist die Leistung, die wir unter der Woche aufbauen und am Wochenende dann auch abliefern. Wir gehen die Spiele sehr gut an, treten als Team auf und fighten jeder für jeden.»
Das gab zu reden
Im Mai 2025 legte Patrick Rochat nach dem Spiel gegen Lugano sein Amt als Stadionsprecher von Lausanne nieder – nach mehr als 15 Jahren im Dienst. Diesen Sonntag kehrt der Waadtländer für einen Tag auf seinen Posten zurück. Das, weil sein Vorgänger Laurent Savoyen infolge seiner Äusserungen über die Ultras beim Derby freigestellt worden war. «Wie ihr seht, streiken die Ultras. Aber die echten Fans sind da. Zögert also nicht, eure Mannschaft anzufeuern», sagte Savoyen und zog damit den Unmut auf sich. Der Waadtländer Club kündigte für die kommende Woche weitere Informationen zu diesem Thema an. Zweifellos ein Novum in der Geschichte des Schweizer Fussballs.
Die Fans
Nach dem Streik am vergangenen Wochenende sind die Ultras der Lausanner in ihren Block zurückgekehrt und sorgen für Stimmung – ebenso wie rund hundert Anhänger des FC Lugano. Trotzdem sind nur 5151 Fans im Stadion anwesend.
Die Schiris
Urs Schnyder gibt von Beginn an die Linie vor, indem er in den ersten sieben Spielminuten drei Gelbe Karten verteilt. Der Luzerner hat die Partie im weiteren Verlauf voll im Griff und bewertet die Situation, die zur Roten Karte für Koné führt, korrekt. Ein Eingreifen des VAR ist nicht erforderlich.
So gehts weiter
Für beide Teams geht es erst nach der Nati-Pause im Oktober weiter. Lugano empfängt am 10. Oktober Luzern im Tessin (20.30 Uhr) und Lausanne trifft am 11. Oktober auswärts auf St. Gallen (16.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 9 | 20 | 25 | |
2 | BSC Young Boys | 9 | 13 | 19 | |
3 | FC Sion | 9 | 9 | 19 | |
4 | FC Basel | 9 | 0 | 13 | |
5 | FC St. Gallen | 9 | -3 | 13 | |
6 | FC Luzern | 9 | -1 | 12 | |
7 | FC Zürich | 9 | -6 | 11 | |
8 | Servette FC | 9 | -2 | 10 | |
9 | FC Thun | 9 | -8 | 10 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 9 | -11 | 8 | |
11 | FC Vaduz | 9 | -3 | 6 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 9 | -8 | 6 |