Karli Odermatt über seine FCB-Zeit
«Das wird heute als Seich bezeichnet»

Er war der erste Superstar des FC Basel. In seiner neuen Biografie erzählt der 83-jährige Karli Odermatt von seinem strengen Vater, er sagt, was ihn am heutigen Fussball stört und was ihn mit Skistar Marco Odermatt verbindet.
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Karli Odermatt im Garten seines Hauses in Rickenbach BL. Hier lebt er mit seiner zweiten Ehefrau Rosmarie.
Foto: david birri
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Yara Vettiger
Schweizer Illustrierte

Wer ihn besucht, betritt kein Haus. Er betritt ein Stück FC Basel. Vor der Haustür von Karli Odermatt (83) in Rickenbach BL steht ein FCB-Auto, drinnen hängen Meisterbilder, Trikots und Porträts aus Jahrzehnten. «Der FC Basel hält mich jung!», sagt er und lacht. Tatsächlich arbeitet Odermatt noch immer zu 100 Prozent im Marketing und Sponsoring für den FC Basel. Er sitzt bei jedem Heimspiel im Stadion und fährt auch auswärts mit. Von wegen Ruhestand – den hat er nicht geplant.

Sein Vertrag sei offen: Solange der FCB zufrieden mit ihm sei und er mit dem FCB, gehe es weiter. Rosmarie, seine Frau, kommt oft mit zu den Spielen. Manchmal hat sie allerdings genug von all dem Rotblau. Karli grinst. «Dann sage ich, du, der FC Basel, das ist halt mein Leben.» Mit Rosmarie hat Karli zwei Söhne, aus einer früheren Ehe zwei Töchter.

Der Basler ist natürlich ein grosser Fasnachtsfan: «Als ich noch Fussball spielte, stand das sogar in meinem Vertrag, dass ich an die Fasnacht gehen darf.»
Foto: david birri

Am 24. September erscheint nun seine neue Biografie «Karli Odermatt: Immer am Ball – Forever Young». Die Idee dazu kam von einem Freund. Zuerst habe er gesagt: «Ich habe doch schon eine!» 2002 erschien nämlich bereits «Karli none Gool!». Doch er liess sich überzeugen. Rund ein Jahr lang arbeitete er mit dem Autor Florian Blumer daran, war fast täglich mit ihm in Kontakt.

Blick zurück in Kindertage

Anfangs war er nervös. Würde das überhaupt jemand kaufen? Heute ist er zufrieden: «Seit ich das fertige Buch gesehen habe, bin ich nicht mehr aufgeregt. Es ist sehr schön geworden!» Schön, aber auch schmerzhaft. Denn erstmals erzählt Odermatt ausführlich von seiner Kindheit. Sein Vater war streng, schlug ihn oft und verliess die Familie, als Karli 13 war. Danach sah er ihn nie wieder.

Mit Rosmarie ist Karli seit über 30 Jahren verheiratet. Mit ihr hat er zwei Söhne, aus einer früheren Ehe zwei Töchter.
Foto: PIUS KOLLER

Jahrzehnte später erfuhr er von dessen Tod. Warum der Vater nie angerufen, nie geschrieben, nie nach ihm geschaut hatte, fragte Karli später dessen Frau. Die Antwort: Er habe zwar immer gewusst, was in seinem Leben passiere, aber sich melden wollte er nicht. Es ist das Kapitel, über das zu sprechen ihm am schwersten fiel. Dann sagt Karli Odermatt: «Aber so ist das Leben, auch im Tschutten. Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man.»

Ein Pionier für Basel

Fünfmal wurde Karli Odermatt Schweizer Meister, viermal Cupsieger, 50 Mal spielte er für die Schweizer Nati. «Wir haben den Fussball in Basel gross gemacht und die Euphorie entfacht. Die ist nie wieder gegangen.» Wenn er damals durch Basel lief, hupten die Tramfahrer. Taxis riefen nach ihm. Karli sprach mit allen, er tut es bis heute. Der Ruhm habe ihn nicht verändert, sagt er. «Ich bin nichts Besseres. Die Leute mögen mich, weil ich immer derselbe geblieben bin.»

Achtung, Verwechslungsgefahr: Der junge Karli sah Ski-Star Marco Odermatt sehr ähnlich. Die beiden sind tatsächlich entfernt miteinander verwandt.
Foto: david birri

Dann erzählt er von einer Zeit, die aus heutiger Sicht unglaublich klingt: Er arbeitete in einem 100-Prozent-Pensum in der Druckerei und spielte gleichzeitig zu 100 Prozent Fussball. Nach einem Europacup-Spiel konnte es schon mal passieren, dass er nach dem Flug abends noch zur Arbeit musste.

Und vor den Spielen wurde das «Olympia-Menü» gegessen: Filet, Spinat und Kartoffelstock. «Du, einiges finde ich heute schon übertrieben, zum Beispiel das Essen und die eigenen Köche», sagt er. Dann muss er lachen. «Dieses Menü wird heute als Seich bezeichnet. Aber mit diesem Menü wurden wir immerhin fünfmal Schweizer Meister, gell!»

Mega Ähnlichkeit mit Odi

Während im Wohnzimmer die Bilder aus seiner Jugend hängen, gibt es eine verblüffende Verbindung zur nächsten Generation Schweizer Sportstars: Marco Odermatt. Ein Freund zeigte Karli einst ein Foto des jungen Skifahrers und sagte: «Schau mal den an, der sieht ja aus wie du in jungen Jahren!» Tatsächlich sind die beiden über mehrere Ecken miteinander verwandt.

Inzwischen kennen sie sich persönlich. Karli schreibt Marco nach seinen Rennen, Marco antwortet immer. «Ich bin ein mega Fan von ihm.» Irgendwann wollen sie gemeinsam auf eine Alp. Karli würde das Akkordeon mitnehmen. Marco hat wenig Zeit. Also wartet Karli eben. Bis dahin bleibt er dort, wo er seit Jahrzehnten am liebsten ist: mitten im FC Basel.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
9
20
25
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
9
13
19
3
FC Sion
FC Sion
9
9
19
4
FC Basel
FC Basel
9
0
13
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
9
-3
13
6
FC Luzern
FC Luzern
9
-1
12
7
FC Zürich
FC Zürich
9
-6
11
8
Servette FC
Servette FC
9
-2
10
9
FC Thun
FC Thun
9
-8
10
10
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
9
-11
8
11
FC Vaduz
FC Vaduz
9
-3
6
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
9
-8
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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