Kalibriertes Offside in der Super League
Die Liga löst ein Problem, das nie eines war

Neues technisches Mittel in der Super League: Die kalibrierte Offside-Linie kommt. Doch darauf hat niemand gewartet, meint Emanuel Gisi, Leiter Reporter Blick-Sport.
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Seine Entscheide werden künftig per Adlerauge kontrolliert: Linienrichter in der Super League.
Foto: Pius Koller
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Emanuel GisiSportchef

Fragen Sie 100 Fussballfreunde, was sie sich für die Zukunft wünschen. Da wird schön etwas zusammenkommen. Die einen hätten gerne ein neues Stadion. Andere einen richtigen Rasen. Dritte endlich wieder eine Klubführung mit dickem Portemonnaie. Immer wichtig: Vernünftige Eintrittspreise, kühle Getränke, menschenwürdige Behandlung von Besuchern im Stadion (auch untereinander).

Vielleicht findet auch der eine oder andere: Einen Video-Schiri, der funktioniert. Könnte etwa passieren, falls Sie Musa Araz vom FC Sion fragen. Der Wunschzettel ist lang.

Die kalibrierte Offside-Linie wird nicht darauf stehen. Dieser digital gewordene Traum jedes Bürokraten (Hurra, eine Schwarz-Weiss-Entscheidung!), hat mit dem Fussball, den wir lieben, nichts zu tun. Ob Zeki Amdounis grosser Zeh bei Ballabgabe nun zwei Zentimeter näher am Tor ist als die Schulter von Cedric Zesiger – im Prinzip unwichtig. Vom Geist der Regel hat sich diese Auslegung längst verabschiedet. Und was ist eigentlich aus «Im Zweifel für den Angreifer» geworden?

Zumal: So schwarz und weiss ist die Angelegenheit eben doch nicht. Als Bayerns Sadio Mané im April gegen Mainz ein Treffer aberkannt wurde, weil die kalibrierte Linie im Kölner Keller ein Offside festgestellt hatte, zeigte die ARD-«Sportschau» später eine zweite, eigene Linie. Hier stand Mané nicht im Offside, weil der Moment der Ballabgabe um einen Sekundenbruchteil früher – und wohl richtig – definiert wurde. Ja, was denn nun?

Die 100'000 Franken, die die digitale Offsidelinie zusätzlich kosten soll, hätte man wunderbar in die Schiri-Ausbildung oder -Weiterbildung stecken können. Die tapferen Menschen in Schwarz, Pink und Neongelb können bei ihrem schwierigen Job weiterhin jede Hilfe gebrauchen. Mit der kalibrierten Offsidelinie bekommen sie keine, die ihnen etwas bringt.

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
20
18
43
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
20
8
36
4
FC Basel
FC Basel
20
8
33
5
FC Sion
FC Sion
20
6
31
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
20
-2
29
7
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
20
3
27
8
FC Zürich
FC Zürich
20
-7
25
9
FC Luzern
FC Luzern
20
-3
21
10
Servette FC
Servette FC
20
-7
21
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
20
-11
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
19
-29
10
Meisterschaftsrunde
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