Die Schlüsselszene
In der 61. Minute wechselt Sion-Coach Didier Tholot Nivokazi und Lukembila ein. Zwei hochkarätige Joker. Mit ihrer praktisch ersten Ballaktion – Lukembila legt nach einem tollen Pass von Chouaref quer durch den Strafraum auf Nivokazi auf, der den Ball eiskalt in der weiten Ecke versorgt – gleichen sie aus. Und drehen später das Spiel komplett. Es ist nicht das erste Mal, dass bei Sion die Joker stechen. Da kann man dann nicht nur von einem glücklichen Händchen des Coaches sprechen, denn wer über eine derartige Ersatzbank verfügt, der kann gar kein unglückliches Händchen haben. Zumal auch das vierte und fünfte Tor Jokertreffer sind …
Das Spiel
GC startet mutig in das Nachholspiel gegen Sion. Einziger Wermutstropfen: Es schaut nicht viel dabei raus. Anders sieht das auf der Gegenseite aus, wo Ilyas Chouaref nach einer Vorarbeit von Winsley Boteli trifft. Danach haben die Gäste aus dem Wallis alles im Griff. Erst kurz vor der Pause erhalten die Zürcher einen Penalty zugesprochen – Samuel Krasniqi verwandelt souverän.
Nach dem Seitenwechsel sind es wieder die Hoppers, die besser in die Partie finden. Sion ist gedanklich noch in der Kabine und kassiert prompt dafür die Quittung. Die Sittener wirken verunsichert und leisten sich viele ungewohnte Fehler. Trainer Didier Tholot greift in die Trickkiste und dreht mit den Einwechselspielern die Partie komplett. Am Ende gibt es ein deutliches 5:2 für den FC Sion und setzt seine Siegesserie fort. Bei GC gibts derweil nach zwei Siegen und einem Remis mal wieder eine Niederlage.
Die Tore
12. Minute, Ilyas Chouaref, 0:1. Winsley Boteli schüttelt seinen Gegner wie eine lästige Fliege ab und lanciert Chouaref im richtigen Moment. Der Stürmer bleibt vor GC-Goalie Marvin Hübel eiskalt und trifft mit der Pike zur Führung.
43. Minute, Samuel Krasniqi, 1:1. Captain Amir Abrashi wird im Strafraum von Baltazar angegangen – Penalty! Krasniqi übernimmt die Verantwortung und verlädt Goalie Anthony Racioppi.
49. Minute, Giotto Morandi, 2:1. Sion ist nach dem Seitenwechsel im kollektiven Tiefschlaf. Rückkehrer Morandi enteilt der Walliser Verteidigung und düpiert Racioppi in der nahen Ecke, der Goalieecke.
63. Minute, Rilind Nivokazi, 2:2. Dieses Mal ist GC im Tiefschlaf. Nach einem schnell ausgeführten Abstoss rollt der Konter. Der eingewechselte Lukembila legt nach einem Top-Chouaref-Zuspiel ab auf den ebenfalls eingewechselten Nivokazi, der dann eiskalt einschiebt.
69. Minute, Rilind Nivokazi, 2:3. Wieder ist es die Co-Produktion der beiden Joker. Lukembila verlängert einen Chouaref-Corner mit dem Kopf und Nivokazi trifft aus kurzer Distanz. Auch Boteli stand bereit, das Tor zu machen.
82. Minute, Fode Sylla, 2:4. Die Walliser können über Nivokazi und Kololli kontern. Dieser bedient Sylla, der Hübel im GC-Tor fast anschiesst. Trotzdem landet der Ball am Schluss in den Maschen.
90.+1 Minute, Josias Lukembila, 2:5. GC hat das Verteidigen eingestellt. Lukembila schüttelt Bettkober ab und steht dann alleine vor Goalie Hübel und lässt diesem keine Chance.
Die Stimmen
Numa Lavanchy (gegenüber Blue): «Wir haben gut angefangen mit dem 1:0. Dann ist alles schwieriger geworden. Mit unserer technischen Stärke und dem Ballbesitz konnten wir uns aus dem Pressing lösen. Der Sieg ist verdient, aber nicht perfekt. Wir nehmen gerne die drei Punkte. Wir sind als Mannschaft stark geblieben und hatten den Fokus im Spiel. Wir sind nie geschlagen. Ich freue mich sehr für Rilind. Er hatte eine schwierige Phase, aber er ist immer da und zeigt Einsatz. Die Einwechselspieler sind für mich keine Joker. Wir sind eine super Truppe und jeder weiss, was er machen muss. Wir sind sehr gefährlich von der Bank aus. Sie könnten auch locker in der Startelf sein. Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass wir ein Meisterkandidat sind. Serien sind immer wichtig im Fussball. Wenn wir so weiterspielen, sind wir aber gefährlich.»
Der Beste
Ganz schwierig. Lange Zeit geht gar nichts ohne Ilyas Chouaref, der omnipräsent und an jeder gefährlichen und entscheidenen Aktion beteiligt ist. Bis er rausgeht. Schon drin ist dann Rilind Nivokazi, der zwei Tore macht und zum 4:2 auflegt. Also heisst es für einmal ganz unboulevardesk: Die Besten.
Der Schlechteste
Pech, wenn man gegen einen Ilyas Chouaref in dieser Form spielen muss. Allan Arigoni zieht diesen Schwarzen Peter. Und hat gegen den maltesischen Nationalspieler keinen Stich.
Die Schiris
GC gleicht aus. Nach einem Penalty, den man pfeifen kann. Baltazar und Abrashi sind im Zweikampf um den Ball, Abrashi trifft den Ball, Baltazar nicht. Was aber gar nicht geht: Das klare Foul von Clemente an Kabacalman unmittelbar vor dem Elfer durchgehen zu lassen. Clemente stösst den Sittener mit beiden Händen um und geht nur auf den Mann, ohne eine Chance zu haben, den Ball zu spielen. Das hat mit einem tolerierbaren Zweikampf nichts zu tun. Da hätte Schiri Fedayi San pfeifen und VAR Sandro Schärer intervenieren müssen, als dieser den Elfer gab ... Es war ein klarer Fehlentscheid, der korrigiert hätte werden müssen. VAR-Minimal-Interventionismus in Ehren. Aber so nicht. Am Ende war die Szene wegen der immer grösser werdenden Waliser Überlegenheit eine Randnotiz. Ssonst? Lässt San wie üblich viel durchgehen, was okay ist. Dadurch wurden einige Fouls allerdings sehr, sehr hart. Oft an der Grenze zum Platzverweis. Aber ein klares Rotfoul war nie darunter. So zückte San immer zurecht Gelb.
Das gab zu reden I
Gabs das schon jemals? Didier Tholot wechselt fünf Spieler ein. Diese Fünf buchen acht Skorerpunkte. Ich würde mal wetten: Das gabs noch nie!
Das gab zu reden II
Auch auf der anderen Seite gibt es eine diskutable Situation. Bei einem Ball Richtung Tor ist sich Goalie Racioppi unsicher, ob er mit den Händen rangehen soll oder nicht. Am Ende geht er ran, und hat den Ball möglicherweise berührt. Aber es gibt keinen Corner. Die Walliser kontern blitzschnell und gleichen aus. GC-Trainer Peter Zeidler tobt und kassiert Gelb. Nach dem Spiel und einem Blick auf den Bildschirm sagt er zu Blick: «Man sieht es auch im Fernsehen nicht genau ...»
Die Fans
3983 Fans sind im Letzigrund. Das ist dann halt schon sehr wenig. Und die Walliser Fans verpassen noch die ersten zehn Minuten. Am Ende gibts dann umso mehr Grund zum Jubeln für sie.
So gehts weiter
Für das letzte Spiel vor der Nati-Pause reist GC in die Innerschweiz zum FC Luzern. Anpfiff ist am Samstag um 18 Uhr. Ebenfalls am Samstag steht Sion im Einsatz. Zu Hause treffen sie um 20.30 Uhr auf den FC Zürich.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 9 | 20 | 25 | |
2 | BSC Young Boys | 9 | 13 | 19 | |
3 | FC Sion | 9 | 9 | 19 | |
4 | FC Basel | 9 | 0 | 13 | |
5 | FC St. Gallen | 9 | -3 | 13 | |
6 | FC Luzern | 9 | -1 | 12 | |
7 | FC Zürich | 9 | -6 | 11 | |
8 | Servette FC | 9 | -2 | 10 | |
9 | FC Thun | 9 | -8 | 10 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 9 | -11 | 8 | |
11 | FC Vaduz | 9 | -3 | 6 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 9 | -8 | 6 |