Zwischenzeitlich hatte es danach ausgesehen, als könnte Stephan Lichtsteiner die Kurve vielleicht doch noch kriegen. Auch wenn der FCB spielerisch kaum überzeugen konnte, schauten aus den ersten fünf Saisonspielen (inklusive Cup) vier Siege heraus. Doch nach drei Spielen mit nur einem Punkt und zuletzt zwei Heimpleiten in Folge sagt nun auch der sportliche Leiter Valentin Stocker: «Die Entwicklung ist nicht positiv.» Es ist das erste Votum der Vereinsführung, die sich in den letzten Wochen bedeckt gehalten hat. Die Gründe für die FCB-Talfahrt sind vielschichtig:
Schlechte Punkteausbeute
Mit 10 Punkten aus den ersten sieben Super-League-Spielen steht der FCB nur noch auf Tabellenplatz fünf. Der Rückstand auf Leader Lugano, das sogar noch ein Spiel weniger ausgetragen hat, beträgt bereits 8 Punkte. Damit ist der Rückstand zur Tabellenspitze bereits grösser als der Vorsprung auf Schlusslicht Servette, das bei 4 Punkten steht. Verliert der FCB auch am kommenden Wochenende gegen Luzern, droht der Fall in die untere Tabellenhälfte. Besonders auffällig: In den 14 Duellen unter Lichtsteiner gegen einen Gegner aus den Top sechs holte der FCB nur einen Sieg (bei elf Niederlagen).
Neue Abwehrprobleme
In der vergangenen Saison stellte der FCB unter Ludovic Magnin noch die beste Defensive der Liga. Unter Nachfolger Lichtsteiner entwickelte sich die Basler Abwehr aber zu einer Schiessbude. In der neuen Saison schien der FCB-Coach diesen Trend gestoppt zu haben. In den ersten Runden überzeugte das neue Innenverteidigerduo Daniliuc/Victory. Doch in den vergangenen drei Spielen kassierte der FCB innerhalb von acht Tagen acht Gegentore. Und gegen Lugano hätten die Basler auch noch den einen oder anderen Treffer mehr kassieren können.
Keine Verstärkungen
Dafür, dass die sportliche Führung des FCB auf dem Transfermarkt nicht mehr nachgelegt hat, kann Lichtsteiner nichts. Mitverantwortlich, dass Albian Ajeti in dieser Saison lieber für Leader Lugano stürmt, ist er aber schon. Bevor der FCB-Angreifer vergangene Woche leihweise ins Tessin wechselte, liess der Basler Trainer Ajeti zweimal auf der Tribüne Platz nehmen. Nun hat er mit Zan Celar und Giacomo Koloto nur noch zwei Mittelstürmer im Kader. Im Vergleich zur direkten Konkurrenz aus Bern und Lugano fehlt es in der Breite an Qualität, vor allem auch bei den Aussenverteidigern.
Keine Spielidee
Auch nach gut sieben Monaten ist die Handschrift des FCB-Trainers nicht zu erkennen. Eine klare Spielidee? Fehlanzeige. Vor allem in der Offensivzone fehlt es dem Lichtsteiner-Team an einem klaren Plan. Der Führungstreffer gegen Lugano war der einzige flüssig vorgetragene Angriff in der ganzen Partie. Das Basler Spiel wirkt äusserst statisch. Wirklich gefährlich wird es nur bei langen Bällen oder nach Einzelaktionen. Ein Beweis dafür: 3,7 Schüsse aufs gegnerische Tor geben die Basler im Schnitt pro Spiel ab. Nur Lausanne (2,7) kommt auf einen noch niedrigeren Wert. YB, das Spitzenteam in dieser Kategorie, steht bei 9,4 Torschüssen. Dahinter folgen St. Gallen (6,8) und Sion (6). Mit 0,93 haben die Basler auch den zweittiefsten xG-Wert der Liga.
Miserable Heimbilanz
Der St. Jakob-Park ist das grösste Stadion der Schweiz. Rund 25’000 Fans pilgern pro Heimspiel ins Joggeli, doch wirkt sich das nicht zu Basels Vorteil aus – im Gegenteil. Drei der vier FCB-Heimspiele in dieser Saison gingen verloren, einzig Meister Thun wurde bezwungen. Saisonübergreifend haben die Basler nur zwei der letzten acht Heimspiele gewonnen. Kein Wunder, wenn die Fans langsam ungeduldig werden. Gegen Lugano wurden die Spieler sowohl in der Pause als auch nach dem Ende mit Pfiffen verabschiedet.
Fehlende Einheit
Ein Team ist mehr als die Summe seiner Einzelteile, lautet eine Binsenweisheit. Was das heisst, wurde dem FCB innerhalb von 72 Stunden deutlich vor Augen geführt. Sowohl Sion als auch Lugano verfügen über eingespielte Mannschaften, die eine Achse und eine klare Teamstruktur haben. Diese hat der FCB nicht, was in Anbetracht des permanenten Kaderumbaus auch nicht verwunderlich ist. Und Lichtsteiner hat es in den letzten Wochen nicht geschafft, eine Einheit zu formen. Ob dies dem früheren Nati-Captain noch gelingen wird, ist mehr als fraglich.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 6 | 13 | 18 | |
2 | BSC Young Boys | 7 | 12 | 15 | |
3 | FC Sion | 6 | 3 | 12 | |
4 | FC St. Gallen | 6 | 1 | 10 | |
5 | FC Basel | 7 | 0 | 10 | |
6 | FC Luzern | 7 | -3 | 9 | |
7 | FC Thun | 6 | -6 | 7 | |
8 | FC Zürich | 7 | -7 | 7 | |
9 | FC Vaduz | 7 | -1 | 6 | |
10 | FC Lausanne-Sport | 7 | -3 | 6 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 6 | -5 | 5 | |
12 | Servette FC | 6 | -4 | 4 |

