Zuletzt schien alles klar: Christoph Spycher (48), YB-Mitbesitzer und seit zehn Jahren in der Chefetage der Young Boys, hatte Mitte September ein letztes Mal klare Verhältnisse geschaffen. Als sein Herzensklub Eintracht Frankfurt anklopfte und es Gespräche gegeben hatte, gab er dem Bundesligisten einen Korb.
Viele Parameter passen zusammen
Doch die Frankfurter baggern wieder. Und obwohl noch Anfang Woche aus YB-Kreisen zu hören war, Spycher bleibe auch diesmal standhaft, ist beim jüngsten Anlauf die Sache gar nicht mehr so klar. Nach Blick-Informationen ist es mittlerweile ein Fifty-fifty-Entscheid, ob Spycher die Saison in Bern beendet. Denn die Verlockung, in die Bundesliga zu gehen, ist gross geworden. Zu viele Parameter passen zusammen. Weshalb er beide Klubs um Bedenkzeit gebeten hat.
Auf Frankfurter Seite ist Sportvorstand Markus Krösche weg, er soll bei der AC Milan Head of Football werden. Der unbestrittene und klare Topfavorit auf Krösches Nachfolge ist Spycher. Das hat der neue SGE-Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann, der zuvor seit 2021 Vorstandssprecher/CEO gewesen war, intern klargemacht. Hellmann ist sogar bereit, einige Tage, vielleicht auch ein, zwei Wochen zu warten, sollte Spycher um weitere Bedenkzeit nachfragen.
Bei Frankfurt siehts derzeit rosig aus
Das hat mit Spycher ganz bestimmt etwas gemacht, dieser unbedingte Wille des Klubs, bei dem er Captain war und immer eng verbunden geblieben ist, ihn zu holen. Zumal bei der Eintracht derzeit einiges stimmt. Mit zuletzt regelmässig höchst profitablen Verkäufen – allein fünf in den letzten drei Jahren jenseits der 40-Millionen-Grenze, davon zwei, die knapp 100 Millionen einbrachten, ist die SGE wirtschaftlich hervorragend aufgestellt. Mit Adi Hütter, dem YB-Heilsbringer und Meistermacher, ist ein Coach dort, der Spycher sehr nahesteht und umgekehrt. Die beiden können auch kritisch zueinander sein, ohne dass einer gleich tief gekränkt aus einem Gespräch geht. Und Spychers Aktienbeteiligung in der Höhe von rund zehn Prozent an der BSC YB AG ist ein einfach zu lösendes Problem.
Spycher hat YB wieder voll auf Kurs gebracht
Und wie sieht es bei YB aus? Spycher hat nach der desaströsen letzten Saison mit geschickten Transfers den Turnaround geschafft. Trainer Gerardo Seoane hat den Laden komplett im Griff. Und das Team scheint auf längere Zeit bestens aufgestellt zu sein. YB ist diese Saison ungeschlagen und kann Meister werden, keine Frage. Trotz der kleinen Hypothek auf Lugano. Und auch die Fans haben bedingungslos den Plausch am aktuellen Berner Fussball, den Seoane zur Maxime erhoben hat: Vorwärts, Angriff, Offensive. Das Ziel soll immer sein, mehr Tore als der Gegner zu machen. Und wenn am Schluss ein 5:3 steht. YB trifft derzeit ohne Ende.
Das macht es auf der einen Seite ungemein leicht, gerade jetzt zu gehen. Die Perspektive Meistertitel macht es umgekehrt auch schwierig. Aber perfekte Zeitpunkte gibt es nie. Nur sehr gute. Wie dieser?
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |