Darum gehts
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
Der Auftrag der FCZ-Besitzer war nach einem Minus von 17 Millionen Franken in den letzten zwei Jahren klar: sofort neue Einnahmen generieren. Die Strategie ebenfalls: «Kompromisslos mit Jungen arbeiten.» Lamberti stellt sich der Challenge: «Ich bin nicht bekannt dafür, nur einfache Sachen anzupacken.»
Blick: Ancillo Canepa gilt in der Szene als mächtiger Macher mit glasklaren Prinzipien. Wie anspruchsvoll ist es, einen Chef seiner Prägung zu beraten?
Lamberti: Wenn mir etwas auffällt, wird von mir erwartet, dies beim Namen zu nennen. Dieser Freiraum wird mir zugestanden. Wir finden fast immer eine Übereinkunft, die für mich und vor allem für den FCZ stimmt.
Ist es für Leute mit abgeschlossener Vermögensbildung einfacher, dem FCZ-Präsidium zu widersprechen?
Canepa: Ich nehme jeden Widerspruch ernst, solange dieser auf Erfahrung und Kompetenz basiert. Bei Dino sind diese zweifelsfrei vorhanden.
Lamberti: An Zufälle glaube ich nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir erfolgreich sein können, wenn wir einen klaren Weg vereinbaren und ihn gemeinsam konsequent verfolgen. Wie viel Geld auf meinem Konto liegt, spielt dabei keine Rolle. Ich bin ein FCZler, ich habe eine Vergangenheit in diesem Verein.
Wer hat eigentlich Marcel Koller länger überzeugen müssen, zum FCZ zu kommen: die Familie Canepa, oder haben Sie Marcel Koller intensiver bearbeitet?
Lamberti: Als sich ein Wechsel anbahnte, habe ich Cillo und Heliane um Erlaubnis gebeten, bei Marcel zu sondieren. Ich habe früh gespürt: Das passt, weil ich alle Parteien gut kenne. Nach fast 30 Jahren Zusammenarbeit hatten Marcel und ich immer den Traum gehegt, mal zusammen am gleichen Ort zu arbeiten. Nun hat es sich einfach ergeben. Das sind meistens die besten Geschichten.
Im Dezember vor einem Jahr herrschte beim FCZ nach dem Rauswurf von Milos Malenovic Sturmwarnung. Warum kam Dino Lamberti ins Spiel?
Canepa: Wir haben uns vom damaligen Sportchef getrennt, weil wir bei verschiedenen Themen in eine Sackgasse geraten sind. Dino kenne ich seit 20 Jahren, seine Entwicklung habe ich stets mit grossem Interesse verfolgt. Für mich war in der ersten Phase wichtig, dass er uns bei der Abwicklung der bevorstehenden Transfers unterstützt.
Der eine Agent, Malenovic, musste gehen, der neue Hoffnungsträger Lamberti stammt aus dem gleichen Berufszweig.
Canepa: Bei einer Anstellung gibt es für mich zwei übergeordnete Kriterien: Kompetenz und Integrität. Bei Dino stimmen diese beiden Faktoren zu 100 Prozent.
Sie betreiben eine florierende Agentur und betreuen Trainergrössen wie Urs Fischer oder Marcel Koller. Warum haben Sie sich vor neun Monaten auf den kriselnden FCZ eingelassen?
Lamberti: Als mich Cillo angerufen hat, habe ich ihn scherzhaft gefragt: «Ein Agent ist weg, jetzt kommt ein anderer. Ist dies eine gute Idee?» Ich benötigte ein paar Tage Bedenkzeit, obwohl ich solche Herausforderungen durchaus mag.
Was verbindet Sie denn mit dem FCZ?
Lamberti: Mich beeindruckt, mit wie viel Herzblut Ancillo und Heliane den Verein führen. Sie haben bei mir die Begeisterung geweckt, in Zürich mitzumachen. Und ich selber habe eine Geschichte im Klub. Einige meiner Spieler waren hier aktiv, ich kannte Herrn Hotz (den verstorbenen Ex-Präsidenten) gut.
Es gab in der Vergangenheit vereinzelt markante Irritationen und Brüche zwischen Canepa und Lamberti.
Canepa: Das war halb so wild. Die von Ihnen erwähnte Irritation haben wir schon vor 15 Jahren bereinigt. Dinos jahrelange Partnerschaften mit Spielern und Trainern sprechen für seine empathische Art. Ich erinnere mich zudem an frühere Vertragsverhandlungen mit Dino. Um jedes Detail hat er gefeilscht, die Verträge waren absolut wasserdicht, seine Arbeitsweise war von A bis Z professionell.
Man hörte vor Ihrer Ankunft von einer toxischen Atmosphäre, von einem Chaos. Wie war der Zustand des FCZ?
Lamberti: Ich habe vor allem einen schlafenden Riesen angetroffen. Klar waren wir zu Beginn nicht erfolgreich, klar ging das an die Nieren. Die vielen Veränderungen nahmen Zeit in Anspruch. Ich habe zwar Spieler kennengelernt, die verunsichert waren, die zuerst wieder Halt finden mussten. Aber ein Chaos habe ich wirklich nicht vorgefunden.
Zuerst waren Sie im Hintergrund Berater des Präsidenten, dann sind Sie auch in der Garderobe sichtbarer geworden. Wie ist denn Ihre Aufgabe genau definiert?
Canepa: Er ist immer noch Berater des Präsidenten. Diese Rolle ist auch in der «normalen» Wirtschaft weit verbreitet. Auch dort gibt es Unternehmensberater, die langfristige Mandate ausüben und im ständigen Dialog mit dem obersten Führungsteam stehen.
Lamberti: Als externer Berater ist es unumgänglich, dass man die Details kennt und nahe beim Geschehen ist. Dies ist eine der Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Beratertätigkeit.
Canepa: Da stimme ich Dino zu 100 Prozent zu. Diesen Spielraum muss man einem Berater zugestehen.
Lamberti: Es ist deshalb auch wichtig, dass die Kommunikation zwischen den Spielern und der sportlichen Führung sauber verläuft. Es gibt immer wieder Themen, die nicht einfach vom Büro aus gemanagt werden können. Der persönliche Austausch ist wichtig.
Canepa: Bekanntlich komme ich ursprünglich aus der Beraterwelt. Als Berater ist man nur dann nützlich, wenn man sich mit dem Auftraggeber identifiziert, sein Business und die Mitarbeitenden versteht, aber trotzdem seine Unabhängigkeit bewahrt. Dino bringt ausserdem eine Aussenansicht mit. Er hat im Ausland unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen gewirkt und geliefert. Mir und Heliane gibt seine Arbeitsweise die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Lamberti: Mir war beim FCZ wichtig, mich so schnell wie möglich mit den Menschen auseinandersetzen zu können. Wer passt zu unserer Philosophie und wer nicht?
Wie reagierten die Spieler auf Sie?
Lamberti: Am Anfang hielten sie verständlicherweise etwas Distanz. Ich meinerseits habe mich bewusst von der Garderobe ferngehalten. Einiges habe ich dem natürlichen Lauf überlassen. Dadurch, so glaube ich wenigstens, hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt.
Hat sich nach den zahlreichen Umwälzungen der letzten 24 Monate Verunsicherung eingenistet?
Lamberti: In einer ersten Phase sicher.
Canepa: Es braucht natürlich eine gewisse Zeit, um ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können. Die Spieler haben inzwischen registriert, dass Dino Know-how einbringt und dass er ihnen guttut.
Unter dem früheren Sportchef hat sich eine flächendeckende Unruhe ausgebreitet.
Lamberti: Wie es vorher war, will ich nicht bewerten. Eine gewisse Instabilität war spürbar. Mir war wichtig, jedem unvoreingenommen zu begegnen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Der eine oder andere ging nicht darauf ein und wollte transferiert werden.
Wie organisieren Sie Ihre Tätigkeit in Ihren Agenturen neben dem Mandat beim FCZ?
Lamberti: Meine drei Agenturen in der Schweiz, in Dubai und in Brasilien sind gut aufgestellt. In jedem Land trägt ein Geschäftsführer die operative Verantwortung und führt mit seinem Team das Tagesgeschäft. Ich stehe den Geschäftsführern in allen drei Ländern weiterhin beratend zur Seite und bringe meine Erfahrung und mein Netzwerk ein, wenn sie Unterstützung brauchen. Diese klaren Verantwortlichkeiten ermöglichen es mir, auch meine Aufgabe beim FCZ mit der nötigen Aufmerksamkeit wahrzunehmen.
Canepa: Dino besitzt natürlich ein Exklusiv-Mandat für die Vereinsberatung, seine Tätigkeit als Spieler- und Trainerberater bleibt davon unberührt. Sollte es in irgendeiner Konstellation problematisch werden, sitzen wir sofort zusammen und prüfen die Situation.
Hat der Perfektionist Lamberti in den ersten Monaten gelitten?
Lamberti: Wenn meine Pläne nicht aufgehen, leide ich. Wir haben zunächst Zeit gebraucht, um den richtigen Weg zu finden. Wenn du ergebnislos viel veränderst, kann man es nicht einfach schönreden.
Die kompromisslose Entlassung des Stürmers Juan José Perea nach einer heftigen Entgleisung des Kolumbianers gegen Coach Marcel Koller – trägt dieser harte Eingriff Ihre Handschrift?
Canepa: Dazu würde ich gerne zuerst etwas sagen. Einen Tag nach dem Spiel in Lausanne haben Dino, Marcel, Heliane und ich den Vorfall besprochen und entschieden. Ein offener Widerstand gegen den Coach ist inakzeptabel! Wir pflegen andere Werte.
Lamberti: Perea hat am falschen Ort und zur falschen Zeit falsch reagiert. Obwohl wir das Spiel gewonnen hatten, ging er zuerst auf mich, dann auf den Coach los. Danach habe ich umgehend Cillo angerufen.
Canepa: Es ging ihm nur um sich selber, nicht um die Kollegen, nicht um den Klub – die Reaktion einer typischen Ich-AG. Solche Spieler wollen wir bei uns nicht mehr beschäftigen.
Marcel Koller lebt täglich vor, was Ihnen extrem wichtig ist: Er verzeiht Fehler, aber keine Respektlosigkeiten.
Canepa: Genauso ist es. Wir haben da eine deckungsgleiche Haltung. Das Präsidium, Marcel und Dino.
Haben Sie den aufbrausenden FCZ-Frontmann Kény inzwischen besser im Griff als alle anderen Beteiligten, Herr Lamberti?
Canepa (geht dazwischen): Bei Kény muss man den Charakter verstehen! Bei ihm ist je nach Verlauf der Entwicklung auch mal eine deutliche Ansage nötig. In solchen Fällen ist situatives Verhalten angezeigt. Seine Reklamier-Gesten gegen die eigenen Kollegen hat er inzwischen weitgehend abgestellt.
Lamberti: Ich sehe, was bei ihm brach liegt. Zu meinen Aufgaben gehört es, eine Ausgangslage zu schaffen, welche sein grosses Potenzial begünstigt.
Spüren Sie mögliche Konfliktherde frühzeitig?
Lamberti: Es ist natürlich ein grosser Vorteil, wenn man bereits einige Jahre im Fussball engagiert ist und einiges erlebt hat. Ich betreute auch nie mehr als 20 Spieler und einige Trainer. Bei der Betreuung kam bei mir immer das Bestreben nach Qualität statt Quantität.
Koller beherrscht diese Kunst zweifelsfrei. Zumindest in der Liga läuft es weitgehend besser als befürchtet.
Canepa: Die eingekehrte Ruhe in der Mannschaft hat vor allem mit unserem Coach zu tun. Die Spieler dürfen wachsen, sollen in schwierigen Momenten aber auch Verantwortung tragen. Marcel Koller stärkt das Selbstvertrauen der Talente, er glaubt an sie und lässt sie nach einem Fehler nicht einfach fallen.
Basel hat einen komplett anderen Weg eingeschlagen. Präsident David Degen setzt auf internationale Scouting-Profile und meinte vor Kurzem in einer Medienkonferenz, dass einige Liga-Konkurrenten auf «C-, D- und E-Ware gehen» und vor allem deshalb jahrelang mit der gleichen Mannschaft spielen würden.
Canepa: Solche Aussagen will ich nicht kommentieren! Wir verfolgen unseren eigenen Weg. Wir wollen mit selber entwickelten Spielern Erfolg haben. Wir kennen ihre Profile und ihr Entwicklungspotential.
Lamberti: Die Vereinsleitung muss aber auch robust genug sein, an diesem Pfad festzuhalten. Dazu gehören selbstverständlich Persönlichkeiten, die zu diesem Weg passen.
Canepa: Bodö Glimt spielt in der Champions League mit zehn Norwegern! Mit zehn! Klar, der norwegische TV-Markt wirft bedeutend mehr ab als der schweizerische. Das heisst, das Lohnniveau ist hoch und die Spieler müssen aus rein finanziellen Gründen nicht zwingend so rasch wie möglich ins Ausland wechseln.
Der FCZ muss in naher Zukunft wieder Personal verkaufen, um Transfererlöse zu generieren. Geht die Gesamtrechnung auf?
Canepa: Das ist das Schicksal von Schweizer Vereinen, die nicht von Milliardenkonzernen alimentiert werden. Wir müssen unsere Talent-Pipeline ständig weiterentwickeln und unsere Top-Talente auch konkret kennen. Somit sind wir in der Lage, uns frühzeitig auf mögliche Abgänge oder Abwesenheiten vorzubereiten. Stichwort: Rollende Kaderplanung. Wer hat zum Beispiel Doron Lichtenstein gekannt? Wahrscheinlich niemand, wir schon. Aufgrund der Verletztensituation kam er zum Einsatz und hat mit seinen Leistungen überzeugen können.
Lamberti: Ein potenzieller Nachfolger soll bereits im Nachwuchs-Umfeld auf seiner angedachten Position trainieren. Wir wollen deshalb sicherstellen, dass im Nachwuchs nach exakt gleichen Abläufen, Regeln und Ansprüchen formiert wird, damit wir die Spieler zielgerichtet aufbauen können.
Die Fans wünschen sich, dass der FCZ seine Seele nicht verkauft. Stehen Sie beide klipp und klar dafür ein?
Canepa: Auch wir können bekanntlich nicht ohne die Einnahmen aus Europacup oder Transfers überleben. Die Zuschauereinnahmen wie auch die TV-Gelder alleine reichen im Moment dazu nicht aus. Deshalb stimmen wir bei einer Win-Win-Situation einem Verkauf auch zu.
Lamberti: Ich glaube, dass wir ein vernünftiges Modell mit Schweizer Spielern umsetzen können. Warum auch nicht, der Unterbau stimmt.
Ist Zürich im Gegensatz zum Absturz im letzten Herbst wieder attraktiv für ambitionierte Spieler?
Canepa: In unserer Akademie sind sehr viele gute Trainer engagiert. Wir haben auch in der Vergangenheit diverse Nachwuchs-Nationalspieler ausgebildet. Der letzte Schritt in der Super League hängt auch vom Trainer ab. Von seinem Mut, von seinem Auge. Und da sind wir jetzt sehr gut aufgestellt.
Was ist dem Ensemble zuzutrauen in den kommenden Monaten?
Lamberti: Wir sind weiter als gedacht, aber noch lange nicht weit genug. Das haben wir beim bitteren Cup-Out in Aarau zu spüren bekommen. Die Jungen werden wohl auch noch ein paar Fehler mehr begehen, die uns Punkte kosten könnten. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir den Sprung unter die Top 6 schaffen werden. Ich sehe, wie alle im Kopf und in den Beinen einen Zacken zugelegt haben.
Canepa: 51 Prozent spielen sich im Kopf ab, 49 Prozent sind die Beine. In schwierigen Situationen muss die Balance stimmen.
Lamberti: Daran kann man arbeiten! Die Willensstärke ist entwicklungsfähig.
Auch eine gesunde Kabine?
Lamberti: Diskussionslos ja! Wir haben uns von gewissen Spielern getrennt, weil unsere Vorstellungen über den gemeinsamen Weg unterschiedlich waren.
Canepa: Früher haben wir solche Spieler viel zu lange mitgeschleppt. Dies gilt auch für Spieler, die auf Druck von Drittpersonen oder ihrer Familien ihre Verträge nicht verlängern wollen und einen ablösefreien Transfer erzwingen wollen. Heute entscheiden wir schneller und halten uns so von unnötigen Problemen fern.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 10 | 24 | 28 | |
2 | BSC Young Boys | 10 | 15 | 22 | |
3 | FC Sion | 10 | 6 | 19 | |
4 | FC St. Gallen | 10 | -2 | 16 | |
5 | FC Zürich | 10 | -4 | 14 | |
6 | Servette FC | 10 | 1 | 13 | |
7 | FC Basel | 10 | -3 | 13 | |
8 | FC Luzern | 10 | -5 | 12 | |
9 | FC Thun | 10 | -10 | 10 | |
10 | FC Vaduz | 10 | 0 | 9 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 10 | -13 | 8 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 10 | -9 | 6 |