Elton John, Bier und Spanien-Pass
Die verrückte Trainerkarriere von FCB-Feuerwehrmann Jokanovic

FCB-Trainer Slavisa Jokanovic hat in seiner Vergangenheit bereits bewiesen, dass er einen Klub wieder ganz nach oben führen kann. Doch wer ist dieser Serbe, der gerne Rockmusik hört, Bier im Pub trinkt und sein Heimatland lange nur wenn nötig betrat?
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Darum gehts

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Lucas WerderReporter Fussball

Die Unterschiede könnten nicht grösser sein. Auf Stephan Lichtsteiner (42), den unerfahrenen Nachwuchstrainer, der immer wieder durch sein emotionales Auftreten an der Seitenlinie für Aufsehen sorgte, folgt mit Slavisa Jokanovic (58) ein ruhiger Coach, der auf eine fast 20-jährige Trainerlaufbahn zurückblickt. «Schreien und Herumrennen sind für mich Ausdruck von Unsicherheit», sagte er einst in einem Interview. «Wenn ich etwas erklären will, muss ich meinen Spielern in die Augen schauen und ihnen ganz normal sagen, was ich von ihnen erwarte.»

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Slavisa Jokanovic soll den FC Basel zurück in die Erfolgsspur bringen.
Foto: Toto Marti

Viele Interviews gibt Jokanovic nicht. Wenn der grossgewachsene Serbe aber mal spricht, dann tut er das ausführlich. Als er vor zwei Wochen auf das 0:3 in Vaduz und die Mentalität seiner Spieler angesprochen wurde, holte er zu einem über acht Minuten langen Monolog aus. Darin thematisierte der FCB-Trainer den nicht ganz zufriedenstellenden Zustand des Trainingsplatzes, fristgerecht bezahlte Spielerlöhne und ein trotz sportlicher Misere weiterhin volles Stadion. Alles Dinge, die er in seiner Laufbahn, die ihn unter anderem nach Thailand, Bulgarien, Israel, Katar oder Russland führte, auch schon anders erlebt hat.

Besonderes Verhältnis zu seinem Heimatland

Schon als Spieler verbrachte Jokanovic den Grossteil seiner Karriere im Ausland. Neben 52 Einsätzen für Chelsea blickt er auf über 200 Spiele für Deportivo La Coruña und Teneriffa in der spanischen Liga zurück. In der Saison 1999/2000 wurde er mit dem Klub aus Galizien sogar Meister. Es ist bis heute der letzte Titel, der in den vergangenen 40 Jahren nicht nach Madrid, Barcelona oder Valencia ging. Hinzu kommen 65 Länderspiele und zwei Teilnahmen an bedeutenden Turnieren für Jugoslawien. Zu den ganz grossen Stars der Nationalmannschaft wie Dragan Stojkovic, Predrag Mijatovic oder Dejan Savicevic gehörte der physisch starke und zweikampfstarke defensive Mittelfeldspieler aber nie.

Doch nicht deshalb wird Jokanovic ein zwiespältiges Verhältnis zu seinem Heimatland nachgesagt. Seit den 1990er-Jahren lebt er mit seiner Familie in Spanien und besitzt auch den spanischen Pass. Inzwischen ist Jokanovic wieder häufiger in Serbien anzutreffen, jahrelang waren seine Besuche in der Heimat aber sehr selten. «Wenn ich nach Serbien komme, besuche ich Freunde, gebe so viel Geld wie nötig aus, packe meine Sachen und reise wieder ab», hatte er vor ein paar Jahren in einem Interview erklärt. Immer mal wieder äusserte sich Jokanovic kritisch über die Zustände in Serbien, ohne dabei ins Detail zu gehen: «Ich bin kein Politikexperte und sympathisiere auch nicht mit irgendeiner Partei. Die politische Geschichte Serbiens ähnelt der Geschichte unseres Fussballs – man versucht etwas, aber am Ende passiert nichts.»

«Nicht hier, um über Politik zu sprechen»

Trotz dieses Vergleichs hat Jokanovic in seiner Karriere immer viel Wert darauf gelegt, Fussball und Politik strikt zu trennen. Im Juli 2022 unterschrieb er ein paar Monate nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine bei Dynamo Moskau. Darauf angesprochen, erklärt er bei seiner Vorstellung in Basel: «Ich bin nicht hier, um über Politik zu sprechen.»

Sportliche Gründe, um über die Zeit in Russland zu reden, gibt es aber auch nicht. Wie bei al-Nasr in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jokanovics letzter Anstellung vor seinem Engagement in Basel, ist nach nur einem Jahr Schluss. Seine Amtszeit bei Sheffield United dauerte 2021 sogar nur ein paar Monate. Die grossen Erfolge von «Joka» liegen länger zurück. 2008 und 2009 holte er mit Partizan Belgrad zweimal in Folge das Double, ein paar Jahre später gewann er mit Muangthong United den Meistertitel in Thailand. Seine erfolgreichste Zeit erlebte Jokanovic aber in England.

Trotz Aufstieg kein neuer Vertrag

Im Oktober 2014 übernahm er den FC Watford und führte den Klub gleich in seiner ersten Saison zurück in die Premier League. Obwohl ihm sogar Musik-Superstar und Edelfan Elton John (79) per Telefon zum Aufstieg gratulierte, verliess Jokanovic Watford am Saisonende. Englische Medien berichteten, dass eine Verlängerung seines Vertrags an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen gescheitert sei. Jokanovic selbst sprach davon, dass die Verantwortlichen kein echtes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit gehabt hätten.

Nach einem sechsmonatigen Engagement bei Maccabi Tel Aviv, das er in die Gruppenphase der Champions League führte, kehrte Jokanovic auf die Insel zurück. Wieder unterschrieb er in der zweiten englischen Liga, dieses Mal beim FC Fulham. Der Klub aus dem Westen Londons lag damals am Boden und drohte in die Drittklassigkeit abzurutschen. In seinen ersten Monaten legte Jokanovic seinen Fokus vor allem auf die Defensive, nach dem geschafften Klassenerhalt brachte er aber immer mehr seiner Spielideen ein. Diese zielten auf einen derart spielerischen Ballbesitzfussball ab, dass die Fulham-Fans ihr Team zwischenzeitlich sogar als «Barcelona der Championship» bezeichneten.

Rockmusik und Biertrinken im Pub

Doch nicht nur, weil er mit dem Klub 2018 in die Premier League aufstieg, geniesst Jokanovic bei den Fans der «Cottagers» noch heute grosse Beliebtheit. Immer mal wieder ist der Rockmusikfan, der die britischen Bands The Cult oder The Cure zu seinen Lieblingsinterpreten zählt, in einem der lokalen Pubs beim Biertrinken anzutreffen. Als Jokanovic im November 2018 nach insgesamt drei Jahren gehen musste, trauerten viele Fans ihrem Trainer nach.

Verantwortlich für die Entlassung war der miserable Saisonstart mit fünf Punkten aus den ersten zwölf Premier-League-Spielen. Kritiker warfen Jokanovic vor, dass er seinen Spielstil trotz der dafür fehlenden Qualität auch in der höchsten englischen Liga durchboxen wollte. Nicht nur auf der Insel, auch in seiner Heimat Serbien gilt Jokanovic bis heute als ein Trainer, der von seinen eigenen Ideen überzeugt ist und schon fast bedingungslos an ihnen festhält.

Wobei diese nicht immer zwingend einen attraktiven Fussball vorsehen. «Ästhetik spielt keine Rolle. Im Fussball und im Sport allgemein geht es nur ums Gewinnen», sagte Jokanovic einst. In Basel muss der Nachfolger von Stephan Lichtsteiner möglichst schnell damit anfangen.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
11
25
31
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
11
17
25
3
FC Sion
FC Sion
12
7
23
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
12
-3
19
5
FC Zürich
FC Zürich
11
-3
17
6
Servette FC
Servette FC
12
1
16
7
FC Basel
FC Basel
11
-3
14
8
FC Luzern
FC Luzern
12
-6
13
9
FC Vaduz
FC Vaduz
12
-1
10
10
FC Thun
FC Thun
11
-11
10
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
12
-13
10
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
11
-10
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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