Es gibt charmantere Orte als Burnley. Viktorianische Reihenhäuser aus Backstein so weit das Auge reicht. Und ein Textilmuseum, das an die Baumwollwebereien von früher erinnert. Ansonsten gibts bloss noch ein Highlight: Das Turf Moor, 1883 eröffnet, Heimstätte des FC Burnley und Stolz der ganzen Stadt. An der Strasse, die zum Stadion führt, steht ein Pub, the Royal Dyche, benannt nach Sean Dyche. Jenem Mann, der den Klub aus der Grafschaft Lancashire erst in die Premier League und dann sensationell in den Europacup führte.
Davon ist Burnley derzeit aber so weit entfernt, wie davon, eine Touristenattraktion zu werden. Aktuell liegen die Clarets, die in der letzten Saison noch in der Premier League kickten, auf dem drittletzten Platz der Championship. Seit dem 14. Oktober 2025 (!) warten die Fans auf einen Heimsieg. Am Samstag gibts gegen den FC Portsmouth ein mickriges 0:0.
Es ist das erste Spiel mit Fabio Celestini an der Seitenlinie. Ausgerechnet an seinem 51. Geburtstag. Und es hagelt nach Abpfiff ein heftiges Pfeifkonzert. Weil Burnley zwar überlegen ist und dreimal so viel Ballkontakte im gegnerischen Strafraum hat als der Gegner, es am Ende aber trotzdem bloss eine Nullnummer gibt. Zu allem Übel wird Celestini auch noch mit Hohn übergossen. «Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich mit einem Burnley-Trainer anfreunden kann, der an der Seitenlinie Chinos und Stoffturnschuhe trägt…», schreibt eine Anhängerin auf «X». Fügt dann aber an, dass sie ihre Meinung gerne ändern und ihm Kleidergutscheine kaufen werde, sollte sich die Saison doch noch zum Guten wenden.
Machts Celestini wie beim FCB?
Ausgeschlossen ist es nicht, dass Celestini den Klub wieder in die Spur bringen wird. Weil die Situation bei Burnley mit jener beim FCB im Herbst 2023 zu vergleichen ist. Damals schlitterten die Bebbi unter Heiko Vogel in den Abstiegssumpf. Celestini aber schafft die Wende, packt zu Beginn ein klassisches 4-4-2 aus, um die verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren und führt den Klub in der Saison darauf gar zum Double-Sieg.
Ob ihm selbiges auch im hohen englischen Norden gelingt? Möglich ist es. Auch, weil jeder Premier-League-Absteiger einen goldenen Fallschirm von rund 60 Millionen Euro bekommt und einen massiven Vorteil gegenüber den Konkurrenten hat. Der direkte Wiederaufstieg aber dürfte trotzdem ein Ding der Unmöglichkeit sein. Leader Middlesbrough hat nach 13 Runden bereits 19 Punkte Vorsprung, Rang 8, der zu den Playoffs berechtigt liegt 13 Zähler entfernt. Erschwerend kommt hinzu, dass der teuerste Spieler im Kader, der Tunesier Hannibal Mejbri, aktuell mit Oberschenkelproblemen kämpft und auch Nati-Stürmer Zeki Amdouni die vergangenen Spiele wegen einer Knöchelverletzung verpasste.
Celestini fordert Zeit
Wohl auch deshalb fordert Celestini Zeit. Man wolle hier in Burnley «etwas Grosses» schaffen, so der neue Trainer. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Sondern über drei Jahre. «Wir brauchen den Prozess», so Celestini.
Das Problem: Zeit ist im knallharten Fussballgeschäft ein rares Gut. Und bislang war der Romand – mit Ausnahme seiner ersten Station in Lausanne – nie länger als zwei Saisons am Stück am selben Ort. Bei seinem letzten Klub, ZSKA Moskau, wurde er nach 28 Spieltagen gefeuert.
Fünf Monate später unterschreibt der 35-fache Schweizer Nationalspieler in Burnley. An einem – im Vergleich zu Moskau – aktuell deutlich charmanteren Ort.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 12 | 26 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 12 | 15 | 25 | |
3 | FC Sion | 12 | 7 | 23 | |
4 | FC Zürich | 12 | -1 | 20 | |
5 | FC St. Gallen | 12 | -3 | 19 | |
6 | Servette FC | 12 | 1 | 16 | |
7 | FC Basel | 12 | -4 | 14 | |
8 | FC Luzern | 12 | -6 | 13 | |
9 | FC Thun | 12 | -10 | 13 | |
10 | FC Vaduz | 12 | -1 | 10 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 12 | -13 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport | 12 | -11 | 6 |