«Es war nicht einfach»
Sion-Profi Liam Chipperfield über sein grosses Erbe

Liam Chipperfield ist beim FC Sion zu einer festen Grösse avanciert. Der U21-Internationale spricht über seinen steinigen Weg und die Schwierigkeit, in Basel ständig mit seinem berühmten Vater verglichen worden zu sein.
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Darum gehts

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Christian FinkbeinerStv. Fussballchef

Der Name Chipperfield ist im Schweizer Fussball ein Begriff. Scott Chipperfield, der am Dienstag seinen 50. Geburtstag feierte, ist eine FCB-Legende. 385 Meisterschaftsspiele absolvierte der ehemalige australische Internationale für den FC Basel, gewann mit Rot-Blau sieben Meistertitel und sechs Cupfinals und bestritt mit dem FCB vier Champions-League-Kampagnen.

Auch sein Sohn Liam (21) hat sich inzwischen in der Super League etabliert. Der ehemalige FCB-Junior bestritt beim FC Sion 16 von 18 Spielen in der Vorrunde, wobei er in sechs der letzten acht Partien in der Startformation stand. «Die Arbeit hat sich ausbezahlt. Ich versuche, jeden Tag Gas und mein Bestes zu geben», so der Mittelfeldspieler, der schon als kleiner Junge «nur Fussball im Kopf» hatte.

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Liam Chipperfield hat sich in der Super League etabliert.
Foto: TOTO MARTI

Rückblickend brauchte Liam Chipperfield wohl den Schritt weg von seinem Stammverein ins Wallis, um sich fussballerisch von seinem Vater zu emanzipieren. «Ich bin beim FCB jeden Tag mit ihm verglichen worden, was als kleiner Bub nicht einfach war», so Liam Chipperfield. «Mein Vater ist eine Legende bei einem der grössten Klubs der Schweiz. Was er für den FCB und Australien geleistet hat, ist unglaublich. Aber ich will meinen eigenen Weg gehen.»

Schritt aus der Komfortzone

Dieser war für Liam Chipperfield aufgrund der grossen Fussstapfen und trotz seines Talents ein steiniger. «Ich genoss beim FCB eine sehr gute Ausbildung, bin auch individuell stark gefördert worden und durfte als Junior immer bei den ein Jahr Älteren mitspielen.» Im Februar 2022 gibt er eine Woche vor seinem 18. Geburtstag sein Debüt in der Super League für den FCB.

Doch der Aufstieg gerät ins Stocken. «Ich habe gemerkt, dass nicht alles nur immer toll ist.» Der Durchbruch gelingt Chipperfield nicht, was aber auch der starken Konkurrenz geschuldet ist. Im damaligen FCB-Kader wimmelt es neben den Alpha-Tieren Taulant Xhaka und Fabian Frei von grossen Talenten: Dan Ndoye, Darian Males, Andi Zeqiri, Zeki Amdouni, Riccardo Calafiori, Walter Burger, Andy Diouf oder Leon Avdullahu.

Chipperfield macht einen Schritt zurück und wechselt im Sommer 2023 zum FC Sion in die Challenge League. «Es war der perfekte Schritt für mich. Raus aus der Wohlfühloase», sagt Chipperfield rückblickend. «Im Wallis lernte ich, an mir zu arbeiten, denn Talent allein reicht nicht. Hier hat es keinen interessiert, was ich bei den Junioren geleistet habe.»

Der Wegzug von zu Hause ist aber nicht immer einfach. Das Alleinsein macht ihm vor allem zu Beginn sehr zu schaffen, wohnen doch seine Mutter, die ihm immer ein starker Rückhalt gewesen ist, seine Freundin und seine Verwandten bis heute noch in der Region Basel. «Ich bin ein extremer Familienmensch», so Chipperfield. «Aber als Fussballer ist man oft allein.»

Im Wallis fühlt sich Chipperfield inzwischen aber sehr wohl. «Ich bin Sion sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe.» Im Team von Trainer Didier Tholot ist er zu einer festen Grösse geworden. In der Vorrunde hat er in der Liga praktisch schon gleich viele Minuten gespielt wie in der ganzen letzten Saison. Und in der Schweizer U21-Nati, die in der Qualifikation für die EM 2027 etwas ins Schlingern geraten ist, ist er einer der Leader.

Fernziel: Premier League

Theoretisch könnte Chipperfield auch für das Heimatland seines Vaters spielen, der für Australien 68 Länderspiele bestritt und an zwei Weltmeisterschaften teilnahm. «Ich habe die Kulturen beider Länder in mir, darauf bin ich stolz», so Chipperfield. Er sei vom Charakter her ein entspannter Typ, das sei sicher australisch an ihm. «Aber ich fühle mich mehr als Schweizer, denn ich bin hier aufgewachsen.»

Sein grosser Traum neben einem Aufgebot für die A-Nati ist es, einst in der Champions League und in der Premier League zu spielen. Liverpool ist sein Lieblingsklub, das hat ihm sein Vater quasi vererbt, schauten doch die beiden früher oft die Spiele der Reds gemeinsam im Fernsehen an. Allzu weit in die Zukunft schauen will Chipperfield aber nicht, das hat ihn die Vergangenheit gelehrt. «Denn im Fussball weiss man nie, was morgen passiert.»

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
6
FC Sion
FC Sion
18
4
27
7
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
8
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
18
0
21
10
Servette FC
Servette FC
18
-6
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
18
-27
10
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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