Tim Meyer (21) ist kein Mann der lauten Töne. Im Gespräch mit Blick auf dem Campus in Niederhasli wirkt er zurückhaltend. Er spricht leise, aber bedacht – und reflektiert. Denn er weiss, was er will. «Ich habe zwei grosse Ziele: mich dereinst in einer Top-5-Liga durchzusetzen und in der A-Nati zu spielen.»
Zuerst will sich der U21-Internationale aber bei GC etablieren, weswegen er seinen Vertrag im letzten Jahr bis 2028 verlängert hat. «Ich verdanke GC unglaublich viel und fühle mich sehr wohl hier.» Trotz seiner noch jungen Karriere hat Meyer beim Rekordmeister schon viel erlebt: Abstiegskampf, einen Besitzerwechsel, diverse Trainerwechsel. Die Turbulenzen lassen ihn aber kalt. «Im Fussball gibt es immer wieder Wechsel. Entscheidend ist, dass ich als Spieler die richtigen Bedingungen habe und weiss, an wen ich mich wenden kann.»
Seine Ansprechpartner sind Sportchef Alain Sutter (58) und Trainer Gerald Scheiblehner (49). «Tim ist nicht bekannt für die ganz grossen Aufreger. Aber er ist ein intelligenter Spieler, der schnell lernt, taktisch gut ist und genau weiss, wo er hinwill», so der Österreicher. Dass Scheiblehner zu Beginn der Saison nicht auf Meyer setzte, war für diesen kein Problem. «Kein Trainer hat von Beginn an auf mich gesetzt. Aber das spornt mich nur noch mehr an», so Meyer, der inzwischen Stammspieler ist.
Auch in seiner dritten Saison in der 1. Mannschaft stecken die Hoppers mitten im Abstiegskampf; nach dem 1:2 im Derby droht einmal mehr die Barrage. «Wir sind positiv, dass wir da rauskommen. Die Mannschaft und die neuen Spieler haben Qualität. Und wir haben einen super Zusammenhalt», sagt Meyer. «An einen Abstieg denke ich nicht.» Immerhin: Im Cup haben die Hoppers die Chance, erstmals seit 2013 wieder einen Titel zu gewinnen. «Wir haben uns vor Saisonbeginn Ziele gesetzt, eines davon ist, den Cup zu gewinnen. Aber in den nächsten Wochen zählt nur die Meisterschaft.»
Kukeli und Abrashi als wichtigste Förderer
Meyer wächst in Altendorf im Kanton Schwyz auf, wo er als kleiner Knirps dem lokalen Fussballklub beitritt. Sein grosses Vorbild: Lionel Messi. Sein Lieblingsklub: Barcelona. Noch heute wohnt er mit seiner Mutter, seiner zwei Minuten älteren Zwillingsschwester und den anderen drei Geschwistern in Einsiedeln SZ. Die Familie sowie seine Freundin und deren Familie sind Meyers grösster Rückhalt und auch seine grössten Anhänger. «Sie sind in jedem Heimspiel dabei.» In seiner Freizeit spielt er gerne Tennis, Padel und Badminton sowie ab und zu Videogames mit Kollegen. «Aber nicht mehr so oft wie früher.»
Dass er dereinst sein Geld als Profi verdienen würde, hatte sich lange nicht abgezeichnet. «Ich war nicht das grösste Talent im Jahrgang.» Nicht viele hätten geglaubt, dass er es dereinst schaffen könne. «Aber ich wusste immer, was ich kann.» Sein Weg war ein steiniger. Nach seinem ersten Abstecher in die U15 von GC kehrte er nach drei Monaten zu Rapperswil-Jona zurück. «Ich hatte Mühe und war nicht glücklich.»
Drei Jahre später der nächste Versuch – und diesmal klappte es. Eine entscheidende Rolle auf dem Weg nach ganz oben spielte sein damaliger Trainer Burim Kukeli (42), der heute die U21 des Stadtrivalen trainiert. «Er gab mir Vertrauen und den letzten Schliff, um für den Profifussball bereit zu sein.» Dank einer starken Rückrunde in der U21 durfte Meyer 2023 die Sommervorbereitung mit der 1. Mannschaft absolvieren.
Dort traf er auf Amir Abrashi (35), seinen zweiten wichtigen Förderer. Das GC-Urgestein nahm den Jungen unter seine Fittiche. Oft reisten sie zusammen mit dem Auto an Spiele und Trainings. «Er lehrte mich, dass man in diesem Business mental stark sein muss.» Fehler oder ein schlechtes Spiel würden während einer Karriere immer wieder passieren. «Entscheidend ist, dass man sofort wieder aufsteht und weitermacht.» Dass beide aufgrund ihrer Position auch Konkurrenten sind, hat keinen Einfluss auf ihr gutes Verhältnis. «Das gehört zum Fussball dazu.»
Mit dem Captain hatte er auch eine Wette laufen, wer von beiden in dieser Saison in der Liga zuerst ein Tor schiesst. Diese hat Meyer gewonnen; beim 3:4 in Luzern gelang ihm sein erstes Super-League-Tor überhaupt. «Wir scherzen immer, dass wir beide nicht die geborenen Torschützen sind», sagt Meyer – und lacht.
Ein stiller Leader
Seine mangelnde Torgefährlichkeit ist Meyers grösste Schwäche, wie er selber sagt. Seine Stärken? Trainer Scheiblehner schwärmt von Meyers Laufvolumen. Als Kind machte er Leichtathletik und nahm an Crossläufen teil. Er selbst sagt: «Ich bin keiner, der den Zuschauern im Stadion auf den ersten Blick auffällt. Ich mache gerne die Drecksarbeit und helfe der Mannschaft, schliesse Lücken und antizipiere, wo es gefährlich werden könnte.»
Vor einem Jahr belegte er in einer Studie des International Centre for Sports Studies (CIES) Platz 27 in der Kategorie «Ground Defence» aller U23-Spieler weltweit. «Es war schön, in einer Liste mit Spielern wie Pedri aufzutauchen und einmal schwarz auf weiss zu sehen, dass sich der Einsatz gelohnt hat.» Diese Stärken werden auch in der U21-Nati geschätzt, wo Meyer auf dem Platz zu den Anführern gehört. Neben dem Platz sind seine Führungsqualitäten noch ausbaufähig. «Ich muss lauter werden», sagt er selbstkritisch. Oft denke er zwar etwas, sage es aber nicht. Jemanden zusammenzustauchen, falle ihm schwer. «Denn ich bin ein stiller Leader.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 26 | 32 | 61 | |
2 | FC St. Gallen | 26 | 19 | 47 | |
3 | FC Lugano | 26 | 12 | 46 | |
4 | FC Sion | 26 | 9 | 40 | |
5 | FC Basel | 26 | 5 | 40 | |
6 | BSC Young Boys | 26 | 0 | 36 | |
7 | FC Luzern | 26 | 3 | 33 | |
8 | FC Zürich | 26 | -11 | 31 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 26 | -3 | 30 | |
10 | Servette FC | 26 | -7 | 28 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 26 | -13 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 26 | -46 | 14 |
