Die Schlüsselszene
Es kann nur die 92. Minute sein, in der die Luzerner es schaffen, dieses Spiel noch zu verschenken. Unfassbar, wie schlecht der FCL in dieser Situation verteidigt. Samuel Essende sagt danke.
Das Spiel
YB gelingt die Reaktion auf die erste Saisonniederlage (3:5 am vergangenen Sonntag gegen den FCZ). Zumindest resultatmässig. Der völlig verrückte 3:2-Sieg in Luzern ist einer der höchst schmeichelhaften Sorte für die Mannschaft von Gerardo Seoane.
Die beste Offensive der Liga wird nur sehr selten gefährlich, setzt ihre eindrückliche Bilanz aber dennoch irgendwie fort: Auch im 15. Saisonspiel (Super League und Cup) erzielt Gelbschwarz mindestens zwei Tore.
Luzern zeigt eigentlich einen guten Auftritt, ist offensiv deutlich präsenter als der Tabellenzweite. Am Ende resultiert dennoch die sechste Meisterschaftsniederlage.
Und das, obwohl die Equipe von Udo Portmann viel Moral beweist und zweimal ausgleicht. Als der Ball ganz zum Schluss noch ein drittes Mal im YB-Netz zappelt, grätscht Ref Luca Cibelli mit seinem Pfiff dazwischen: Abseits! Hierbei machen wenige Zentimeter den Unterschied zu Ungunsten des Heimteams aus.
Die Tore
22. Minute, Christian Fassnacht, 0:1. Essendes Kopfball nach einem Berner Corner prallt von Winklers Brust direkt vor die Füsse von Fassnacht, der sich nicht zweimal bitten lässt. Bitter für das Heimteam: Zum Eckball ist es nur gekommen, weil FCL-Keeper Letica den Ball zu lange in den Händen gehalten hat.
38. Minute, Matteo Di Giusto, 1:1 (Foulpenalty). Schiedsrichter Cibelli wird draussen am Bildschirm klar, dass Jenz im YB-Strafraum Mikolajewski am rechten Fuss getroffen hat. Di Giusto lässt Keller danach aus elf Metern mit einem strammen Flachschuss in die linke Ecke keine Abwehrchance, obwohl der Berner Goalie die Ecke ahnt.
64. Minute, Bahereba Guirassy, 1:2. Zwei Mal gelingt es der Luzerner Defensive nicht, die Situation im eigenen Sechzehner zu klären. Und letztlich lenkt auch noch Fernandes den Schuss von Guirassy entscheidend ab, so dass der bereits in die linke Ecke abtauchende Letica chancenlos ist.
82. Minute, Levin Winkler, 2:2. Eine hohe Hereingabe findet via Dorn und Kabwit den Weg zu Winkler. Dessen Schuss landet anschliessend in den Maschen. YB-Bukinac hat noch abgelenkt.
92. Minute, Samuel Essende, 2:3. Sène bringt die Kugel hoch in den Luzerner Strafraum. Am zweiten Pfosten legt Virginius mit dem Kopf zurück für Essende. Anders als unmittelbar vor dem FCL-Ausgleich zum 2:2 lässt sich der Top-Torjäger diese Chance dieses Mal nicht entgehen.
Die Stimmen
Levin Winkler (FCL-Spieler gegenüber Blue): «Es ist extrem schwierig, so kurz nach dem Spiel eine Erklärung zu finden. Mit dem Ausgleich, der aberkannt wird, und den Gegentoren ist es unglücklich. Wir laufen am Schluss ins offene Messer. Das ist extrem bitter und nicht zufriedenstellend. Wir wollten unbedingt gewinnen. Sie haben am Schluss auch die Klasse und spielen es aus. Die Gegentore sind extrem bitter, wir schiessen uns gegenseitig ab oder bringen die Bälle nicht weg. Wir wussten, dass etwas möglich war.»
Tyron Owusu (FCL-Spieler gegenüber Blue): «Bei meiner Einwechslung ging es extrem schnell. Ich wurde etwas reingeworfen, aber ich konnte mich sofort einfügen. Am Schluss war es ein wildes Spiel mit vielen langen Bällen. Wir konnten unseren Stempel nicht aufdrücken, um noch mehr Kontrolle zu haben. Wir wussten um ihre offensiven Qualitäten. Wir haben nicht standgehalten und so kommt dieses Resultat zustande.» Zur Letica-Szene: «Das ist ärgerlich, aber wir müssten die Ecke besser verteidigen. Die Gegentore wären vermeidbar gewesen. Diese Fehler müssen wir abstellen.»
Moritz Jenz (YB-Spieler gegenüber Blue): «Jeder hat alles gegeben. Es war sehr anstrengend auf einem Platz, der nicht das beste Niveau hat. Luzern hat es sehr intensiv gemacht. Wir zeigten aber eine gute Teamleistung. Heute war der Kampfgeist entscheidend. Wir waren nicht so dominant mit dem Ball, aber auf so einem Platz ist es auch nicht leicht. Es gab knifflige Momente, da muss man einfach dagegenhalten, sowohl physisch als auch mental.»
Der Beste
Loïc Lüthi wirft sich in jeden Zweikampf mit Samuel Essende und kauft der Berner Tormaschine fast den Schneid ab. Ein mutiger Auftritt des Luzerner Innenverteidigers. Aber natürlich trifft Essende trotzdem.
Der Schlechteste
Viel geht über die rechte Luzerner Angriffsseite, weil YB-Linksverteidiger Isaac Schmidt einen schwachen Abend einzieht.
Das gab zu reden
Luca Cibelli ist an diesem Abend sehr darauf erpicht, dass sich die Spieler bei Einwürfen und Abstössen nicht zu lange Zeit nehmen. Genau so intensiv zählt er die Sekunden, wenn die Goalies den Ball in den Händen haben. So auch in der 21. Minute, als sich Karlo Letica zwölf Sekunden nimmt, bis er den Ball wegschlägt. Die eine, entscheidende Sekunde zu viel. Cibelli gibt Eckball für YB, es fällt das 0:1.
Die Fans
12'771 sind gekommen. Die Luzerner Fans fordern vor dem Spiel mit einer Choreo vollen Einsatz von ihrem Team unter dem Motto «Ghaue oder gstoche». Die Berner ihrerseits brennen so viele Pyros ab, dass das Spiel in Halbzeit zwei unterbrochen werden muss. Die Sicht im Stadion ist zwar gut – aber der Video-Assistent sieht auf den TV-Bildern nichts mehr.
Die Schiris
Schiedsrichter Luca Cibelli sorgt vor allem mit seinem aggressiven Sekunden-Countdown für Aufsehen (siehe «Das gab zu reden»). Video-Assistent Johannes von Mandach sieht korrekt, dass der Einsatz von Moritz Jenz gegen Daniel Mikolajewski penaltyreif ist.
So gehts weiter
Die 14. Super-League-Runde wird aufgrund der anstehenden Nati-Pause erst in zwei Wochen ausgetragen. Auf YB wartet am 21. November zu Hause das Kantonsderby gegen Thun (18 Uhr). Luzern duelliert sich am 22. November auswärts mit Basel (16.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 12 | 26 | 34 | |
2 | BSC Young Boys | 13 | 16 | 28 | |
3 | FC Sion | 13 | 11 | 26 | |
4 | FC Zürich | 12 | -1 | 20 | |
5 | FC St. Gallen | 12 | -3 | 19 | |
6 | Servette FC | 12 | 1 | 16 | |
7 | FC Basel | 12 | -4 | 14 | |
8 | FC Luzern | 13 | -7 | 13 | |
9 | FC Thun | 12 | -10 | 13 | |
10 | Grasshopper Club Zürich 0:0 | 13 | -13 | 11 | |
11 | FC Vaduz | 13 | -5 | 10 | |
12 | FC Lausanne-Sport 0:0 | 13 | -11 | 7 |