YB-Boss bald in Frankfurt?
Was jetzt über einen Spycher-Abgang entscheidet

Geht Christoph Spycher doch als neuer Sportvorstand zur Frankfurter Eintracht? Mittlerweile deuten viele Indizien in diese Richtung. Ein ganz wichtiges: Die Komponente Zeit.
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Berät sich Christoph Spycher (l.) bald wieder mit seinem Ex-Coach Adi Hütter?
Foto: Urs Lindt/freshfocus

Darum gehts

  • Die lange Verhandlungsdauer spricht für einen Weggang von Christoph Spycher bei YB
  • YB-Besitzer Jöggi Rihs will das Aktiengeschenk an Spycher nicht in Frankfurt landen sehen
  • Es sickern keine Infos durch, auch die Spieler wissen nichts
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Alain KunzReporter Fussball

Am vorletzten Sonntag bittet Markus Krösche, der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, den Klub um seine sofortige Freistellung. Die SGE kommt der Bitte nach. Auf die Kandidatenliste für die Nachfolge kommen drei Namen, so wird es später der Vorstandsvorsitzende Axel Hellmann verraten. Doch effektiv ist eine Kandidatenliste mit Christoph Spycher und zwei weiteren, die nur dann ernsthafte Bewerber werden, wenn der Berner absagt.

Informationen sickern längst kaum noch durch

Am Montag vor einer Woche ist YB sicher, dass man Spycher halten kann. Doch Spycher lotet das Angebot der Hessen viel genauer aus, als man dachte. Es kommt nicht zur schnellen Absage an den Klub der Finanzmetropole. Und das ist bis heute so.

Deshalb stehen wir eine gute Woche später an einem Punkt, an dem man vermuten muss: Es ist wohl längst kein genaues Anhören mehr, sondern ein Feilschen um prinzipielle Dinge und ein Ausarbeiten, welche Lösung die beste ist für alle in Sachen YB-Aktien im Besitz des Chief Sports von YB und in Sachen Position und Jobprofil.

Informationen sickern längst kaum mehr durch. Das gilt selbst für den innersten YB-Zirkel wie auch das professionelle Umfeld rund um den Könizer. Und das seit Tagen.

Erliegt Spycher der Versuchung Bundesliga?

Und doch muss man nach dem Zusammenführen aller Indizien zum Schluss kommen: Spycher scheint nahe dran, der Versuchung zu unterliegen, die Herausforderung Frankfurt anzunehmen. Obwohl YB ihn unbedingt halten will, weil er unersetzlich gilt. Aber mit seiner Familie, die ihm heilig ist, dürfte das längst besprochen sein. Zumal seine Söhne Dominic (19) und Claudio Matteo (16) in einem Alter sind, in welchem die Selbständigkeit schon gross ist. Vor einem Jahr sagte Spycher zu diesem Thema, seine Söhne seien in einem Alter, in welchem man manchmal froh sei, wenn der Vater nicht zu Hause sei.

Die zwei Knackpunkte

Aber es gibt noch zwei Knackpunkte: Spychers Aktienpaket und seine Position am Main. Im Februar 2024 wird Spycher Miteigentümer von YB, als ihm die Besitzerfamilie um Hans-Ueli Rihs eine Minderheitsbeteiligung an der YB-Muttergesellschaft, der BSC Young Boys AG, überlässt. Dies, so heisst es in der damaligen Medienmitteilung, im Bestreben, optimale Voraussetzungen für die langfristige sportliche und wirtschaftliche Kontinuität und Weiterentwicklung des BSC Young Boys zu schaffen.

Die Aktien erhält Spycher gratis und franko, wie später durchsickern wird. Es soll einerseits eine Anerkennung für die überragenden Verdienste Spychers sein, YB zur unangefochtenen Nummer eins der Schweiz gemacht zu haben. Der Hintergedanke von Rihs: Die Aktien sollen eine Art Faustpfand bilden bei ausländischem Interesse am mit Abstand wichtigsten Mann bei Gelbschwarz. Von einem «langfristigen Bekenntnis zu YB» spricht damals VR-Präsident Hanspeter Kienberger.

Kauft Jöggi Rihs sein Aktiengeschenk nun zurück?

Doch auch die Langfristigkeit hat ein Ablaufdatum. Dieses könnte jetzt sein. Doch was bedeutet das für die Aktien? Auf der einen Seite hat Frankfurt den Aktienverkauf zur Bedingung gemacht, um von vorneherein jegliche Interessenkonflikte zu vermeiden. Andrerseits will Rihs nicht rund zehn Prozent der YB-Aktien nach Frankfurt abwandern sehen. Weil Rihs die Aktien Spycher geschenkt hat, würde ein «Rückkauf» zu weiteren Diskussionen Anlass geben. Handkehrum hat Spycher kaum Interesse, die Aktien zu verscherbeln, die sicher einen Marktwert von über acht Millionen Franken haben, wenn YB börsenkotiert wäre. Immerhin haben diese auch dank seiner erfolgreichen Arbeit einen solchen Wert.

Das Feilschen um Kompetenzen und Assistenten

Der zweite Knackpunkt ist eine Frage von Verhandlungen: Spycher wird in Frankfurt nicht so viel Macht haben wie in Bern, das ist sicher. Da wird ein Feilschen um Kompetenzen stattfinden und darum, dass die Arbeitsbelastung nicht den Rahmen des Aushaltbareren sprengt. Es gilt aber auch die Frage zu klären, ob Spycher mit dem bisherigen Sportchef Timm Hardung, der intern ein gutes Standing hat, weiterarbeiten will. Und: Wen will Spycher als seine rechte Hand mit nach Frankfurt nehmen? Der Name von Mathieu Béda, Technischer Direktor von YB, macht da die Runde.

Kein wirklicher Knackpunkt ist die Ablöse, die YB mit Sicherheit will. Sie würde in einem ganz tiefen einstelligen Millionenbereich liegen. Das ist für einen wirtschaftlich derart gut aufgestellten Verein wie die SGE ein Klacks für seinen obersten Sportboss.

Fassnacht: «Das lässt uns kalt»

Übrigens: Auch die Spieler wissen nichts. Christian Fassnacht sagte nach dem 2:0 gegen St. Gallen zu den Gerüchten um Spycher: «Es lässt uns kalt. Nicht in dem Sinn, dass es uns egal wäre, sollte Wuschu gehen. Sondern weil es etwas ist, das wir nicht beeinflussen können und uns deshalb nichts angeht. Wir haben keine Infos, nichts. Ich nehme an, ihr habt mehr Infos. Ich könnte es nachvollziehen, dass er geht, wenn es für ihn passt. Aber er war am Samstag den ganzen Tag präsent. Auch, weil Trainer Gerry Seoane nicht da war. Etwas gespürt, dass er auf dem Absprung sein sollte, habe ich nicht.»

Wegen der fortgeschrittenen Zeit wäre es mittlerweile für Spycher bereits ziemlich schwierig geworden, eine Absage an Frankfurt in Bern zu verkaufen. Umso mehr muss eine zeitnahe Entscheidung nun her.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
11
25
31
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
11
17
25
3
FC Sion
FC Sion
11
7
22
4
FC Zürich
FC Zürich
11
-3
17
5
Servette FC
Servette FC
11
2
16
6
FC St. Gallen
FC St. Gallen
11
-4
16
7
FC Basel
FC Basel
11
-3
14
8
FC Luzern
FC Luzern
11
-6
12
9
FC Thun
FC Thun
11
-11
10
10
FC Vaduz
FC Vaduz
11
-1
9
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
11
-13
9
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
11
-10
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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