Die Hintergründe zum Luzerner Rekord-Transfer
Wie ein Coup das Talent Vasovic zur Goldgrube machte

Erst 26 Pflichtspiele auf dem Konto und schon ist Andrej Vasovic der teuerste Abgang der Luzerner Klubgeschichte. Warum der 18-Jährige trotz Vertragsverlängerung den Abflug machte, welche Klubs sich bemüht haben und warum die Nati aufpassen muss.
Kommentieren
1/10
Im Testspiel Anfang Juli hat man Andrej Vasovic zum letzten Mal im Trikot des FC Luzern gesehen.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus
11_TobiasWedermannKommentar1_11_Kommentar1_Tobias_Wedermann_2024-16361.jpg
Tobias WedermannFussballchef

Es sind nicht einmal drei Monate, in denen Andrej Vasovic in der Startelf des FC Luzern gesetzt gewesen ist. Und schon das hat gereicht, dass der 18-Jährige am Dienstag zum Rekordtransfer des FCL geworden ist.

Doch warum zahlt Brügge fast 7 Millionen Franken plus Bonuszahlungen, was rund 5 Millionen über dem aktuellen Marktwert entspricht?

Vasovic erfüllt das klassische, aber aktuell vom Aussterben bedrohte Stürmerprofil. Ein absoluter Knipser. Er weiss genau, wo das Tor steht, überzeugt mit guten Laufwegen ohne Ball, einer starken Physis und einem sehr guten Abschluss. Das alles gepaart mit einem hohen Laufvolumen und einer Mentalität, die im Umfeld des FCL immer wieder hochgelobt wurde.

Verlängerungs-Coup brachte FCL zusätzliche Millionen

Bereits vor seinem ersten Profivertrag im letzten Sommer 2025 wurden internationale Klubs auf Vasovic aufmerksam und verfolgten ihn mit grossem Interesse. Keine Überraschung: Schliesslich machte er bereits im Alter von 17 Jahren am 31. Oktober 2024 in Genf sein Profidebüt. Doch der gebürtige Baarer wollte sich zuerst in der 1. Mannschaft seines FC Luzern festsetzen, bei dem er sämtliche Nachwuchsstufen durchlaufen hat.

In der Rückrunde der abgelaufenen Saison ist dies passiert, er erzielte bis Saisonende sechs Tore. Auch beim FCL war man derart beeindruckt von der schnellen Entwicklung Vasovics, dass man ihm schon vor Monaten eine Vertragsverlängerung um zwei weitere Jahre bis 2030 anbot. Kommuniziert wurde diese Verlängerung erst Mitte Juni. Im Nachhinein spricht man rund um den Klub von einem Coup von Sportchef Remo Meyer.

Die schnelle Reaktion und Verlängerung des Vertrags haben den Innerschweizern zwischen 2 und 3 Millionen mehr eingebracht – und Vasovic so zum teuersten Transfer der Klubgeschichte gemacht. Denn schon nach Saisonende war trotz Verlängerung allen bewusst: Falls ein Klub mit einem entsprechenden Angebot und einem interessanten Projekt für den Spieler kommt, wird Vasovic den Klub verlassen.

Besuche in Brügge und Strassburg

Und diese Interessenten wurden in den vergangenen Wochen sehr schnell sehr konkret. Unter anderem mehrere Klubs aus der Bundesliga, Bologna aus der Serie A, Strassburg aus der Ligue 1 und Club Brügge aus Belgien. Vasovic und sein Umfeld fokussierten sich auf die letzteren beiden, besuchten sowohl die Infrastruktur in Brügge als auch jene von Strassburg, der Talentschmiede des FC Chelsea. Nach dem persönlichen Kennenlernen ist das Interesse beider Klubs nicht kleiner geworden – im Gegenteil. Beide Klubs kämpften bis zum Schluss um die Gunst des Sturmtalents.

Das Rennen machte aber der belgische Topklub mit einem sehr attraktiven Gesamtpaket. Die belgische Liga ist zwar keine Top-5-Liga, doch ein genügend grosser Schritt gegenüber der Super League, um sich auf internationalem Niveau weiterzuentwickeln. Brügge spielt zudem Champions League, und zuletzt haben mit Ardon Jashari und Aleksandar Stankovic bereits zwei FCL-Talente bewiesen, wie wertvoll die Plattform Brügge sein kann für die ganz grossen Ligen Europas.

Der Plan mit Vasovic ist ehrgeizig und anspruchsvoll. Der 18-Jährige soll eher früh als spät in die Fussstapfen von Nicolò Tresoldi treten, der in der abgelaufenen Saison 23 Tore für Brügge erzielt hat – und aktuell im Fokus von Borussia Dortmund und der AS Roma steht.

Verschläft der SFV das nächste Talent?

Erfüllt Vasovic diese hohen Erwartungen und geht die Entwicklungskurve des Innerschweizers weiter steil nach oben, wird sich der 18-Jährige nicht nur bald auf europäischem Topniveau und in der Champions League beweisen können, sondern auch in der Nationalmannschaft. Vasovic durchlief bisher alle U-Nati-Stationen und erzielte in der abgelaufenen Saison auch sieben Treffer für die U19 der Schweiz.

Welche Pläne der Schweizerische Fussballverband (SFV) mit dem Sturmtalent hat, ist nicht klar. Klar ist allerdings, dass er nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Serbien spielen kann. Und der serbische Verband beobachtet Vasovic schon seit seinem Profidebüt sehr intensiv. Vielleicht hat der Rekordtransfer des FC Luzern nicht nur auf Klubebene bald die Qual der Wahl – wenn der SFV nicht das nächste vielversprechende Talent verschläft nach Leon Avdullahu und Albian Hajdari.

Super League 26/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Basel
FC Basel
0
0
0
1
FC Lugano
FC Lugano
0
0
0
1
FC Luzern
FC Luzern
0
0
0
1
FC Sion
FC Sion
0
0
0
1
FC St. Gallen
FC St. Gallen
0
0
0
1
FC Thun
FC Thun
0
0
0
1
FC Vaduz
FC Vaduz
0
0
0
1
FC Zürich
FC Zürich
0
0
0
1
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
0
0
0
1
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
0
0
0
1
Servette FC
Servette FC
0
0
0
1
BSC Young Boys
BSC Young Boys
0
0
0
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen