Der neue FCZ-Trainer Foda
«So viel Mut braucht es für den Job nicht!»

Der neue FCZ-Trainer Franco Foda über sein schweres Erbe, übertriebene Erwartungshaltungen, seine kickenden Söhne und seinen Namen, der einst in Brasilien ein ganzes Stadion in Aufruhr versetzte.
Publiziert: 27.06.2022 um 01:29 Uhr
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So viel Mut habe es auch nicht gebraucht, den Job als FCZ-Trainer anzunehmen, sagt Foda.
Michael Wegmann

Franco Foda, Sie gelten nun in der Schweiz als besonders mutig, weil Sie es wagen, den FCZ nach dieser überragenden Meistersaison unter André Breitenreiter zu übernehmen. Sind Sie besonders mutig?
Franco Foda: Generell bin ich schon jemand, der mutig ist. Ich habe damals nach dem Konkurs ja auch Sturm Graz übernommen. Wir mussten mit minus 13 Punkten in die Saison starten. Das war eine andere Ausgangslage. Denn so viel Mut brauche ich für den Job beim FCZ nicht. Ich habe eine intakte Truppe vorgefunden, die viel Qualität hat. Die Ausgangslage ist super.

Es geht darum, dass Sie nach der Meistersaison eigentlich nur verlieren können.
Ich weiss, dass man zuletzt eine überragende Saison gespielt hat. Ich habe auch den Spielern gesagt, dass ab sofort die Vergangenheit nicht mehr zählt, dass wir noch mehr investieren müssen. Die Ausgangslage ist komplett anders als vor der letzten Saison, als der FCZ, wie ich gehört habe, gar als einer der Abstiegskandidaten gehandelt wurde. Warum auch immer. Jetzt nach dem Titel ist die Erwartungshaltung natürlich eine andere.

Als langjähriger österreichischer Nationaltrainer müssten Sie sich mit
übertriebenen Erwartungshaltungen auskennen.
(Lacht). Nicht nur. Auch bei Sturm Graz nach unserer Meistersaison waren die Erwartungen sehr hoch. Das war eine ähnliche Situation wie jetzt beim FCZ. Die Situation ist nun eine komplett andere, auch für die Spieler. Mit Doumbia und Ceesay haben wichtige Spieler den Klub verlassen, die es nun zu ersetzen gilt. Das wird ein Prozess, der jedoch seit geraumer Zeit schon in vollem Gange ist. Aber ich bin zuversichtlich und wir konnten auch schon drei Spieler mit viel Qualität verpflichten.

Haben Sie schon eine Wohnung in Zürich bezogen?

Noch wohne ich im Hotel. Aber ich möchte so rasch wie möglich eine eigene Wohnung. Ich bin gerne heimisch, wohne gerne in den eigenen vier Wänden. Auch wenn es für eine gewisse Zeit toll ist, wenn man ein Frühstücksbuffet hat.

Wird Ihre Familie bald nachkommen?
Meine Frau wird sicher oft hier sein. Sie dürfte hin und her pendeln. Meine beiden Söhne Sandro und Marco sind ja schon um die 30. Sie werden sicher mal auf Besuch kommen.

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Beide spielen ebenfalls Fussball.
Ja. Mittlerweile spielen beide in der vierthöchsten Liga in Österreich.

Ihr älterer, Sandro, spielte einst unter Ihnen bei Sturm Graz in der Bundesliga. Wie wars mit dem eigenen Sohn im Team?
Er war schon bei mir, als ich als Trainer bei der U13 begonnen habe. In der Jugend wars kein Problem, im Profibereich dann sicher schwieriger. Als Vater will man seinen Sohn nicht bevorzugen …

Und macht automatisch das Gegenteil?
Vielleicht. Ich versuchte, ihn so zu behandeln wie alle anderen auch. Aber einfach ist es nicht, er bleibt ja dein Sohn. Und auch für die Söhne ist es nicht einfach, wenn der Vater eine gute Fussballkarriere gemacht hat. Sandro und Marco wollten kicken, ich habe es ihnen immer offengelassen. Und jetzt will Sandro leider auch noch Trainer werden. Er ist gerade am Trainerschein.

Warum leider? Ist es so schlimm?
Nein, nein. Wenn du gewinnst, ist der Trainerjob sogar richtig toll. Ansonsten kann es dann halt mal auch ein wenig unangenehm werden. Aber das gehört halt dazu. Wenn er das möchte, dann soll er das machen. Ich kann ihm doch nicht verbieten, was ich selbst tue. Und mir machte es bisher immer grossen Spass.

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Sie waren sechs Jahre bei Sturm Graz, dann vier Jahre österreichischer
Nationaltrainer. Hatten Sie nun keine Pause nötig?
Nein. Ich freue mich sehr auf meine Aufgabe beim FCZ. Meine Batterien sind voll aufgeladen.

Als Nationaltrainer dürften Sie mehr freie Zeit gehabt haben als jetzt beim FCZ?
Je nachdem, wie man seinen Job ausübt. Als Nationaltrainer war ich eigentlich jedes Wochenende unterwegs und habe mir meine Spieler angesehen. Dieser Job beinhaltet auch andere Aufgaben. Aber es ist schon richtig, dass ich unter der Woche mehr Zeit hatte als jetzt.

Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit? Mit Golf oder Tennis?
Ich spiele weder Golf noch Tennis. Ich verbringe meine Freizeit lieber mit Familie und Freunden.

Haben Sie den Wettkampf nie vermisst?
Nein. Ich habe mit 35 mit dem Profifussball aufgehört und bin gut zurechtgekommen damit. Legenden-Spiele oder Senioren-Fussball haben mich nie gereizt.

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Sie haben zwei Länderspiele in Ihrer Karriere gemacht. Ihr erstes gegen Brasilien, das zweite gegen Argentinien mit Maradona. Sind Sie stolz auf diese Spiele oder hätten Sie mehr Länderspiele absolvieren müssen?
Wahrscheinlich waren es am Ende zu wenige. Ich hätte wohl das Potenzial zum einen oder anderen Spiel mehr gehabt. Ich war aber nie der grosse Diplomat und bin mir damit selbst im Weg gestanden. Aber da spielten auf meiner Position auch Spieler wie Thon, Binz oder Helmer. Alles tolle Fussballer.

Stimmt es, dass Sie im Dezember 1987 in Brasilien bei Ihrer Einwechslung für grossen Aufruhr sorgten? Oder wurde die Geschichte mit jeder Erzählung grösser und grösser?
Nein, das war wirklich so. Bei meiner Einwechslung war das ganze Stadion aus dem Häuschen. Alle haben sich gewundert: Ich war ja nicht so bekannt wie zum Beispiel Matthäus. Als ich dann im Nachhinein den Grund für diesen Aufruhr erfuhr, musste auch ich lachen.

Für alle, die keine Lust zum Nachschauen haben: Franco Foda ist auf Portugiesisch eine unschöne Bezeichnung für Gratis-Geschlechtsverkehr.
Genau. Deshalb werde ich wohl nie ein Team in Brasilien oder Portugal trainieren (lacht).

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