Pajtim Kasami über Kribbeln, einen Weltmeister und Diplome
«In mir steckt noch viel Fussball»

Nervös wird Pajtim Kasami (34) selten. Auch eine mehrmonatige Phase ohne Klub-Engagement wirft ihn nicht aus dem Konzept. Der frühere Premier-League-Profi hat ein Comeback im Sinn: «Dafür nehme ich mir die nötige Zeit.»
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Sven SchochReporter Sport

«In mir steckt noch viel Fussball. Er ist mir nicht gleichgültig. Ich brenne weiterhin für den Sport, den ich seit meiner Kindheit betreibe. Das Kribbeln ist noch da. Deshalb befasse ich mich nicht mit dem Ende, sondern eher damit, wo es weitergehen könnte.» Pajtim Kasami ruht in sich, als er diese Sätze zum Blick-Reporter sagt.

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«Ich überlege mir genau, was noch vor mir liegen kann.» Pajtim Kasami (Mitte) verfolgt eine Super-League-Partie im Letzigrund.
Foto: Toto Marti

Es ist eine Bestimmtheit, eine innere Überzeugung herauszuhören, die Karriere noch um einen spannenden Abschnitt zu verlängern. Manchmal stellt er sich vor, wieder auf den Platz zu laufen, «Spiele zu gewinnen, erfolgreich zu sein».

219 Super-League-Spiele mit 72 Skorerpunkten stecken in den Knochen von Kasami, 38-mal ist er in der Premier League aufgelaufen. In der Champions League zelebrierte er an der Seite der früheren Inter-Ikone Esteban Cambiasso einen der grössten Siege von Olympiakos Piräus: ein 3:2 gegen das Star-Ensemble von Arsenal; im Herbst zuvor schoss Kasami den späteren Serienmeister Juventus ab.

«Ich bin dankbar, viele Persönlichkeiten kennengelernt zu haben. Das nimmt dir niemand mehr weg, das hilft noch heute, die Nervosität zu kontrollieren, unter Druck Ruhe auszustrahlen.» Kasami hat nichts vergessen: «Wenn ich bei Fulham Dimitar Berbatov falsch angespielt habe, gab es in der Pause einen 15-minütigen Einlauf. Das prägt dich.» 14 Klubs, 46 Trainer, unter ihnen Ottmar Hitzfeld im Nationalteam. Beeindruckende Zahlen.

Sommerfrust und ein Trainerdiplom

Am 16. Mai 2026 hat er das Terrain zum bisher letzten Mal im Match-Shirt verlassen – nach einem 0:3 gegen Luzern, als Absteiger mit dem FC Winterthur. Den damaligen Frust hat der 34-Jährige wochenlang mitgeschleppt, sich hinterfragt, geärgert. «Die letzten Niederlagen mit dem FCW liegen mir heute noch auf.» Der Fall in die Zweitklassigkeit ist schwer verdaulich, das Angebot, den Weg der Zürcher in der Challenge League fortzusetzen, lehnt Kasami ab.

Er hätte zweifelsfrei eine bequemere Option wählen und in Winterthur nach 5 Toren in 23 Spielen eine neue Vereinbarung unterschreiben können. «Mein Herbst wäre wohl ruhiger und geregelter», sagt Kasami, hegt aber keinerlei Zweifel, im letzten Juni richtig entschieden zu haben: «Ich habe mich ganz bewusst für diesen Weg entschieden, auch wenn es jetzt nicht einfach ist. Ich überlege mir genau, was noch vor mir liegen kann.»

Langeweile kommt nicht auf, im Sommer hat er im englischen Verband das Uefa-B-Diplom erworben, nun nimmt er die dritthöchste Lizenz in Angriff. Bereits in Winterthur hat er vereinzelt das Training der U21 geleitet. Mit dem Video-Analysten von Arsenal-Coach Mikel Arteta durfte er ein paar Lektionen absolvieren.

Kasami hat gelernt, sich auf eigene Faust zu organisieren, die Initiative zu ergreifen. Im engen Austausch mit seinem Athletiktrainer entwirft er Trainingspläne, arbeitet täglich intensiv an seiner eigenen Fitness. Bei seinem Junioren-Stammklub FC Ellikon/Marthalen darf er nach freier Wahl die Anlage und das Material benützen.

Wer solo an der Fitness arbeitet, braucht Selbstdisziplin: «Für mich ist die Pflege des eigenen Körpers eine Selbstverständlichkeit. Vom Essen bis zum Schlafen! Ein Team begleitet mich, das sich um Therapie und Physis kümmert. Ich rufe alles auf, was ich beeinflussen kann. Mir wird nie jemand vorhalten können, im athletischen Bereich nicht alles unternommen zu haben.»

Das Treffen mit Weltmeister Pirlo

Ab und an bricht der frühere U17-Weltmeister aus seinem Schweizer Trainingsalltag aus. Vor ein paar Wochen jettete er nach Dubai. Am Persischen Golf kam es zum Wiedersehen mit der italienischen Fussball-Grösse Andrea Pirlo, der aktuell den lokalen Klub United coacht. Unter dem Ex-Weltmeister war Kasami vor zwei Jahren Stammspieler bei Sampdoria Genua: «Ich schätze ihn sehr und habe einen guten Draht zu ihm.» Trainiert hat der 34-Jährige während zehn Tagen mit einer anderen Equipe: mit Al-Ittifaq, der Auswahl von Captain Mario Balotelli.

Die Woche im Emirat hat ihm gutgetan, wieder temporär in einer Gruppe zu arbeiten, hob das persönliche Energielevel an. «Ich habe gesehen, wie meine Verfassung ist. Weit weg von der Match-Verfassung bin ich nicht», ist Kasami überzeugt. «Meine Fitnesswerte sind kein Problem, ich könnte sie problemlos veröffentlichen.» Und ihm sei vor allem etwas wieder bewusst geworden: «Ich habe den Hunger weiterhin, das Feuer lodert noch.»

Komplimente aus Winterthur

Vergessen haben ihn die Strippenzieher im Fussball-Business nicht. Der Spielmacher ist im europäischen Fussball gut vernetzt. «Mein Telefon klingelt noch.» Er beobachte den Markt und wisse, dass «sich die Sportchefs von Teams mit einem schwierigen Saisonstart eher früher als später nach erfahrenen Spielern umsehen. Vielleicht komme ich dann zum Handkuss.» Selbstredend sei er offen für vieles. «Aber es muss Sinn machen, ich muss sorgfältig sein.»

Nur ein Comeback in Winterthur kommt zu einem hohen Prozentsatz nicht mehr infrage, der finanzielle Spielraum ist (zu) knapp und im Mittelfeld ist der Absteiger ausreichend gut bestückt. Gleichwohl ist vom FCW-Trainer Patrick Rahmen nur Gutes zu hören über Kasami: «Pajtim hat für einen Schweizer Fussballer sehr viel erlebt und kann Erfahrungswerte einbringen, die nicht viele zu bieten haben. Und er ist total professionell: Kasami kam als Erster auf die Anlage und ging als Letzter.» Die Wertschätzung ist gegenseitig, wie Kasami bestätigt: «Ich halte menschlich sehr viel von Patrick, wir haben heute noch einen engen Draht zueinander.»

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
12
26
34
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
12
15
25
3
FC Sion
FC Sion
12
7
23
4
FC Zürich
FC Zürich
12
-1
20
5
FC St. Gallen
FC St. Gallen
12
-3
19
6
Servette FC
Servette FC
12
1
16
7
FC Basel
FC Basel
12
-4
14
8
FC Luzern
FC Luzern
12
-6
13
9
FC Thun
FC Thun
12
-10
13
10
FC Vaduz
FC Vaduz
12
-1
10
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
12
-13
10
12
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
12
-11
6
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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