Darum gehts
- Stephan Lichtsteiner spricht vor FCB-Spiel gegen FCZ über Druck und Kritik
- Trotz Gerüchten über Kabinenprobleme: Lichtsteiner spürt Zusammenhalt im Team
- FCB gewann zuletzt zwei Spiele, entscheidendes Spiel gegen FCZ am Samstag
Wie jeden Freitagnachmittag betritt Stephan Lichtsteiner (42) ausgerüstet mit Stift und Notizbuch den Medienraum des St. Jakob-Parks. Anders als sonst steht dieses Mal aber nicht nur ein Mikrofon vor dem FCB-Trainer, sondern gleich fünf. Nachdem Blick diese Woche angekündigt hatte, dass es für den FCB-Trainer am Samstag gegen den FCZ um seinen Job gehe, ist das Medieninteresse entsprechend gross. Doch wer geglaubt hat, dass Lichtsteiner erneut zum grossen Rundumschlag ausholt, sieht sich getäuscht. Ruhig, sachlich und sogar mit einer Prise Humor beantwortet er rund 20 Minuten lang sämtliche Fragen.
Stephan Lichtsteiner, wie haben Sie die mediale Berichterstattung über Sie in den vergangenen Tagen wahrgenommen?
Kritik gehört zu meinem Beruf, damit muss und kann ich umgehen. Ich bin zu 100 Prozent fokussiert auf die kommenden Spiele. Der Klassiker gegen den FCZ ist für den FCB ein grosses Spiel. Viele unserer Jungs haben so ein Spiel bislang noch nicht erlebt. Das ist ein Highlight, auf das wir uns freuen.
Wie sehr macht Ihnen die öffentliche Kritik zu schaffen?
Es ist nichts Neues, seit ich hier bin. Kritik gehört dazu, damit habe ich schon als Fussballer umzugehen gelernt. Ich konzentriere mich auf das, was ich beeinflussen kann.
Wie gehen Sie damit um, dass die Partie gegen den FCZ als Ihr Endspiel bezeichnet worden ist?
Ich bin mit gewissen Werten wie Anstand und Respekt grossgezogen worden. Auch wenn der Druck medial gross wird, möchte ich eine Grenze nicht überschreiten. Ich konzentriere mich auf das schwierige Programm der kommenden Woche und blende alles andere aus.
Was genau meinen Sie mit «eine Grenze überschreiten»?
Klare Werte wie Anstand und Respekt, die ich auch meinen Kindern weiterzugeben versuche. Das möchte ich so stehen lassen.
Blick berichtete, dass Sie einen grossen Teil der Kabine verloren haben sollen. Wie gehen Sie damit um?
Das kann ich mir nicht erklären. Ich spüre die Mannschaft sehr gut, in jedem einzelnen Training. Die Spieler haben Freude und sind lernbegierig. Auch heute hatten wir wieder ein sehr gutes Abschlusstraining. Ich bin mir sicher, dass wir die nächsten Spiele sehr gut auftreten werden und bestenfalls auch drei Punkte holen.
Haben Sie mit Ihrer Mannschaft oder der Vereinsführung darüber gesprochen?
Nein, ich bin fokussiert auf das FCZ-Spiel und versuche meiner Mannschaft technische und taktische Dinge mitzugeben. Alles andere ist unwichtig.
Spüren Sie innerhalb der Vereinsführung noch Rückendeckung?
Wir sind im stetigen Austausch. Ich habe in den letzten drei Tagen nichts anderes gespürt als vorher.
Mit welchem Ziel gehen Sie in den Klassiker? Müssen gegen den FCZ einfach drei Punkte her, oder geht es auch darum, nicht wieder so wie in den ersten beiden Saisonspielen aufzutreten?
Auch die ersten zwei Spiele waren von meiner Seite ganz okay. Wir haben viele neue Spieler dabei, was Einfluss auf die Automatismen hat. Aber wir nehmen Spiel für Spiel und versuchen, uns stetig zu verbessern. Gegen Thun war das schon besser. Jetzt gegen den FCZ wird es aber auch von den Emotionen noch einmal etwas anderes. Das Ziel ist es, ein gutes Resultat zu holen und die bestmögliche Leistung auf den Platz zu bringen. Das beisst sich ja nicht.
Die letzten beiden Pflichtspiele hat der FCB gewonnen. Xherdan Shaqiri sass jeweils nur auf der Bank. Ist er gegen den FCZ eine Option?
Das werden wir morgen sehen, wir haben zwei, drei Optionen auf dieser Position. Ich habe sicher eine Idee im Hinterkopf, die ich aber jetzt noch nicht kommunizieren möchte.
Können Sie uns etwas über den Anti-Stress-Ball verraten, den Sie neuerdings an der Seitenlinie in der Hand haben?
Es ist kein Ball, sondern ein Würfel. Das ist schon noch wichtig (lacht). Ich habe ihn von meinen Kindern geschenkt bekommen. Sie haben gesagt, ich soll den ein bisschen mehr drücken und dafür ein bisschen weniger motzen, dann komme das gut.
Und haben Sie schon eine Wirkung gespürt?
Ich habe es eine Zeit lang mit «Zältli» probiert, so wie Ancelotti mit Kaugummis. Manchmal braucht man so was, weil man von aussen viel weniger Einfluss nehmen kann. Im Cup und gegen Barcelona hat das mit dem Würfel ganz gut funktioniert.
Wollen Sie etwas ruhiger werden an der Seitenlinie?
Ich möchte mich nicht verstellen, um gegen aussen allen zu gefallen. Das ist mein Charakter und meine Leidenschaft für diesen Sport. Ich nehme gewisse Sachen vielleicht mal emotionaler wahr als jemand anders. Das wird immer zu mir gehören. Aber klar kann so ein Würfel helfen, mal etwas Spannung abzulassen.
In den ersten Saisonspielen haben Sie sich auch vereinzelt mal auf die Bank gesetzt – und dem neuen Co-Trainer Mario Cantaluppi das Coachen überlassen. Ein bewusster Entscheid?
Abgesehen von seinem enormen Fachwissen habe ich Mario genau darum geholt. Ich wollte eine solche Persönlichkeit, die mich optimal unterstützt, damit ich mich auch mal etwas zurücknehmen kann. Er hat eine enorm gute Ausstrahlung.
Aufgezeichnet von der FCB-Pressekonferenz am Freitag.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Lugano | 3 | 9 | 9 | |
2 | BSC Young Boys | 3 | 8 | 7 | |
3 | FC St. Gallen | 3 | 2 | 7 | |
4 | FC Sion | 3 | 2 | 6 | |
5 | FC Basel | 3 | 2 | 6 | |
6 | FC Lausanne-Sport | 3 | 1 | 5 | |
7 | Servette FC | 3 | -1 | 3 | |
8 | FC Zürich | 3 | -5 | 3 | |
9 | FC Thun | 3 | -6 | 3 | |
10 | Grasshopper Club Zürich | 3 | -4 | 1 | |
11 | FC Luzern | 3 | -5 | 1 | |
12 | FC Vaduz | 3 | -3 | 0 |
