Ausbildung zu streng?
Schweizer Trainer schlagen Alarm

Wer sich in der Schweiz zum Profitrainer ausbilden lässt, muss viel Zeit, Geld und Durchhaltewillen beweisen. Jetzt gibt es Forderungen aus der Trainerszene, den Zugang zum höchsten Diplom zu vereinfachen. So antwortet der Ausbildungschef beim Verband.
Kommentieren
1/6
Ex-Nati-Star Hakan Yakin kann sich aktuell in der Schweiz nicht für das Trainer-Diplom anmelden.
Foto: Toto Marti
Sebastian Wendel und Michael Wegmann

«Ich komme mir vor, als müsste ich später eine Operation am offenen Herzen durchführen.» Das sagt ein Trainer zu Blick, der gerade in der mehrjährigen Ausbildung steckt, an deren Ende er die Uefa-Pro-Lizenz in den Händen halten will. Nur mit dieser ist es erlaubt, einen der 20 Schweizer Profiklubs zu coachen.

Der eingangs erwähnte Trainer ist nicht der einzige – hinter den Kulissen mehren sich die Stimmen, die dem Ausbildungsmodell in der Schweiz kritisch gegenüberstehen. Vor allem den Aufnahmekriterien für die Uefa-Pro-Lizenz. Diese seien von den Anforderungen her gleichzustellen mit dem «Numerus Clausus», den bestehen muss, wer ein Medizinstudium beginnen will. Aber eben: Anders als in der Medizin gehe es im Fussball nicht um Leben oder Tod.

Zu reden gibt aktuell der Fall Hakan Yakin. Der FC Schaffhausen darf ihn nur zum Cheftrainer befördern, wenn er in den kommenden Wochen im Ausland zu einem Uefa-Pro-Kurs zugelassen wird. In der Schweiz kann sich Yakin aktuell nicht anmelden. Dabei ist Yakin seit fast 30 Jahren im Profifussball aktiv, war einer der talentiertesten Schweizer Spieler aller Zeiten – und trotzdem soll er nicht fähig sein, einen Klub aus der Challenge League zu trainieren? Zum Vergleich: Im Eishockey, hierzulande Sportart Nummer zwei hinter dem Fussball, brauchen Profitrainer keine Diplome.

«Diplom ist nichts wert»

«Gut 20 Jahre nach dem ersten Uefa-Pro-Lizenz-Lehrgang ist es Zeit, das Modell zu hinterfragen», sagt Philip J. Müller, Präsident der Union Schweizer Fussballtrainer (USFT). Obwohl sich rund 100 aktive Trainer um die knapp 30 Jobs in der Schweiz mit Uefa-Pro-Anforderung streiten, plädiert er für einen leichteren Zugang zur Ausbildung.

Müller erklärt: «Das Diplom ist trotz des grossen finanziellen und zeitlichen Aufwands in der Berufswelt ausserhalb des Fussballs nichts wert. Wäre der Kurs eine Art Weiterbildung, Wissensaustausch und Networking, würde das die Erwartungshaltung der Absolventen abschwächen. Bei den aktuellen Kriterien gehen sie davon aus, nach der Ausbildung im Fussball einen Job zu finden – und fühlen sich als Verlierer, wenn es nicht klappt. Statistisch sind die Chancen für eine Anstellung jedoch sehr gering.»

Der lange Weg zum Uefa-Pro-Diplom

1. Einsteiger-Kurs
Dauer: 4 Stunden. Kosten: 30 Franken. Abschluss: keine Prüfungen.

2. SFV D-Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

3. C-Basic Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

4. Uefa C-Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

5. Uefa B-Diplom
Dauer: 11 Tage. Kosten: 1170 Franken. Abschluss: Drei Prüfungen.

6. Uefa A-Diplom
Bedingungen: 2 Jahre Trainertätigkeit. Aufnahmeprüfung: Nur 25 werden aufgenommen. Dauer: 18 Monate. Kosten: 3000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

7. Swiss Olympic Kurs
Bedingungen: Dauer: ca. 12 Monate. Kosten: ca. 3000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

8. Uefa Pro-Diplom
Bedingungen: 3 Saisons Trainer (mind. 1.Liga). Assessment: Die 12 Besten werden aufgenommen. Dauer: 18 Monate. Kosten: 9000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

1. Einsteiger-Kurs
Dauer: 4 Stunden. Kosten: 30 Franken. Abschluss: keine Prüfungen.

2. SFV D-Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

3. C-Basic Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

4. Uefa C-Diplom
Dauer: 6 Tage. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

5. Uefa B-Diplom
Dauer: 11 Tage. Kosten: 1170 Franken. Abschluss: Drei Prüfungen.

6. Uefa A-Diplom
Bedingungen: 2 Jahre Trainertätigkeit. Aufnahmeprüfung: Nur 25 werden aufgenommen. Dauer: 18 Monate. Kosten: 3000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

7. Swiss Olympic Kurs
Bedingungen: Dauer: ca. 12 Monate. Kosten: ca. 3000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

8. Uefa Pro-Diplom
Bedingungen: 3 Saisons Trainer (mind. 1.Liga). Assessment: Die 12 Besten werden aufgenommen. Dauer: 18 Monate. Kosten: 9000 Franken. Abschluss: Theorie- und Praxis-Prüfung.

Zudem hätten die Klubs eine grössere Auswahl an Schweizer Trainern und müssten auf der Suche nach dem gewünschten Profil weniger schnell ins Ausland schielen. Müller: «Momentan regelt der Verband den Schweizer Trainermarkt. Dabei sollten die Klubs entscheiden können, wer zu ihnen passt.»

«Lockerung ist kein Thema»

Letzteres ist das «Problem» im Fall Yakin. «Zu einzelnen Fällen will ich mich nicht äussern», sagt Reto Gertschen, Ressortleiter Trainerausbildung beim Verband. Zur Kritik aus der Trainerszene, die Aufnahmebedingungen und die Ausbildung an sich seien zu streng, sagt der frühere Sion-, St. Gallen- und YB-Profi: «Das finde ich nicht. Wir verlangen für den Zugang zum Uefa-Pro-Lehrgang zwar ein Jahr mehr Erfahrung als von der Uefa vorgegeben. Ansonsten sind unsere Anforderungen aber deckungsgleich. Ein Profitrainer erfährt jeden Tag, wie komplex der Job ist. Wir könnten eher noch mehr Stoff vermitteln, mangels Ressourcen ist dies jedoch nicht stemmbar.»

Zu Müllers Vorschlag sagt Gertschen: «Jeder darf seine Meinung haben. Die Ausbildung ist für jeden freiwillig. Ein Trainer muss sich auf dem Markt durchsetzen, das gehört zum Job. Eine Lockerung der Aufnahmekriterien steht Stand heute nicht zur Diskussion.»

Brack Super League 25/26 - Meisterrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
35
35
74
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
35
22
63
3
FC Lugano
FC Lugano
35
14
63
4
FC Sion
FC Sion
35
21
58
5
FC Basel
FC Basel
35
6
56
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
35
3
48
Champions League-Qualifikation
Conference League Qualifikation
Brack Super League 25/26 - Relegationsrunde
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Luzern
FC Luzern
36
6
47
2
Servette FC
Servette FC
36
4
47
3
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
36
-10
42
4
FC Zürich
FC Zürich
36
-20
38
5
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
36
-29
27
6
FC Winterthur
FC Winterthur
36
-52
23
Relegation Play-Offs
Abstieg
Was sagst du dazu?
Meistgelesen