Darum gehts
Man kann Daniel Stuckis (44) Amtszeit als FCB-Sportchef mit einer zweijährigen Gipfelbesteigung vergleichen. Im Sommer 2024 beginnt der ehemalige Nachwuchs-Leiter seinen beeindruckenden Aufstieg und feiert gleich in seiner ersten Saison den Doublegewinn. Ein weiteres Jahr später ist der FCB nun wieder an dem Ort angekommen, von dem aus Stucki seine Reise damals angetreten ist: im Tabellenmittelfeld der Super League.
Nun verlässt der ehemalige Polizist den Klub trotz eines Vertrags bis 2027 vorzeitig. «Nach sechs unglaublich intensiven Jahren beim FCB ist der Moment für mich gekommen, eine neue Herausforderung zu suchen», wird Stucki in einer Mitteilung zitiert.
Doch hinter dem Abgang steckt mehr als nur eine berufliche Neuausrichtung. Nachdem Verwaltungsratspräsident David Degen (43) und auch Stucki selbst im Rahmen der Verpflichtung von Stephan Lichtsteiner (42) mehrfach von einem «langfristigen Projekt» gesprochen haben, scheint klar, dass der FCB mit demselben Trainer in die kommende Saison gehen wird. Trotz der bislang schwachen Bilanz des Luzerners.
Fehl-Transfers wurden im Winter nicht korrigiert
Dass eine sportlich enttäuschende Saison, in welcher der FCB sogar das europäische Geschäft zu verpassen droht, trotzdem Konsequenzen hat, darf niemanden überraschen. Dass ausgerechnet Stucki diese zieht, ebenso wenig. Schliesslich ist der scheidende Sportchef mit zwei missglückten Transferfenstern, die in einem schlecht zusammengestellten Kader resultierten, einer der Hauptverantwortlichen für den Basler Absturz.
Im vergangenen Sommer überwies Stucki für Moritz Broschinski fast zwei Millionen Franken an Bochum. Ende April steht der Stürmer bei einem Super-League-Tor. Ibrahim Salah, dessen Ablöse an Rennes sich in einem ähnlichen Bereich befunden hat, ist nur Edeljoker. Auch Koba Koindredi, den man von Sporting geliehen hat, ist nicht mehr als ein Ergänzungsspieler. Und das Leihgeschäft von Jeremy Agbonifo hat man schon längst wieder abgebrochen. Dass Keigo Tsunemoto, der neben Flavius Daniliuc klar beste Neuzuzug, ein Dauerpatient ist, passt zum missglückten letzten Sommer-Transferfenster. Genauso wie die Verpflichtung des inzwischen entlassenen Ludovic Magnins.
Im Winter hätte Stucki die Chance gehabt, diese Fehler zu korrigieren. Das Sturm-Problem hat der Sportchef aber weder mit der Leihe von Julien Duranville noch der Verpflichtung von Becir Omeragic gelöst. Stattdessen liess man Stammkräfte wie Philip Otele und Jonas Adjetey in Richtung Bundesliga ziehen.
Wirtschaftliche statt sportliche Interessen
Zumindest den Abgang des Verteidigers darf man Stucki aber nicht anlasten. Dieser hätte Adjetey gerne in Basel behalten, der Verwaltungsrat entschied sich aus finanziellen Gründen aber für den 10-Millionen-Franken-Verkauf an Wolfsburg. Eine situative Entmachtung des Sportchefs, die sich in Zukunft wiederholen könnte. «Der FC Basel schliesst nicht aus, wirtschaftlich attraktive Transfers entgegen den sportlichen Interessen zu verfolgen», schreibt der Klub in seiner vor zwei Wochen veröffentlichten Jahresrechnung.
Doch der Verkauf von Adjetey ist nicht die einzige sportliche Entscheidung, in welcher der Sportchef nicht federführend war. Zwar gilt Stucki als grosser Verfechter der Arbeit von Stephan Lichtsteiner und unterstützte das eigentlich geplante Vorhaben, diesen als U21-Coach zu installieren. Doch es gibt auch Stimmen, laut denen Stucki kein grosser Befürworter davon gewesen sei, den ehemaligen Nati-Captain direkt zum Cheftrainer des Profi-Teams zu ernennen.
Dieses Amt dürfte Lichtsteiner auch in der neuen Saison ausüben. Anders als Stucki, der sich nach dem schnellen Abstieg vom Doublegipfel auf die Suche nach einem neuen Berg begibt.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 34 | 37 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 34 | 25 | 63 | |
3 | FC Lugano | 34 | 13 | 60 | |
4 | FC Sion | 34 | 18 | 55 | |
5 | FC Basel | 34 | 4 | 53 | |
6 | BSC Young Boys | 34 | 4 | 48 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 34 | 4 | 43 | |
2 | Servette FC | 34 | 2 | 43 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 34 | -7 | 42 | |
4 | FC Zürich | 34 | -21 | 34 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 34 | -26 | 27 | |
6 | FC Winterthur | 34 | -53 | 19 |
