SRF-Mann wird scharf kritisiert
Wirbel um Ruefer-Aussage im Estland-Spiel

SRF-Aushängeschild Sascha Ruefer hat sich während des Estland-Spiels auf politischen Rasen gewagt. Und wird hinterher scharf kritisiert.
Publiziert: 07.06.2024 um 19:00 Uhr
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Aktualisiert: 07.06.2024 um 21:43 Uhr
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Für eine Äusserung während des Nati-Spiels gegen Estland wird Sascha Ruefer kritisiert.
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Stefan KreisReporter Fussball

Es läuft die 82. Minute im Spiel gegen Estland, als SRF-Kommentator Sascha Ruefer (52) über Konstantin Wassiljew (39) spricht. Der estnische Routinier sei, so Ruefer, «ein bisschen in die Politmühlen» geraten. «Wassiljew hat sich entsprechend geäussert, was er vom Zwist zwischen Russland und der Ukraine hält, und das hat ihm in Estland nicht bloss Freunde eingebracht. Selbst bei seinem Heimklub nicht», sagt Ruefer. Und er fügt am Ende an, dass Wassiljew «mutiges und sehr aufrichtiges Denken» gezeigt habe.

Dass der russischstämmige Wassiljew sich an einer Silvesterfeier mit dem russischen Nationaltrainer Walerie Karpin (55) getroffen hat, erwähnt Ruefer nicht. Dass der Fussballer deswegen einen Skandal im eigenen Land auslöste und dieser gar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, ebenfalls nicht.

«Es braucht Kontext»

So richtig Wellen schlägt die Aussage vor allem ein paar Tage später in den sozialen Medien, wo sie der Schweizer Sozialwissenschaftler Marko Kovic teilt. «Eine Aussage wie jene von Ruefer braucht Kontext, es wird nicht erklärt», kritisiert Kovic.

Zusammen mit seinem Kollegen Robin Schwarz produziert der Uzwiler auf Youtube einen Stream. Der Kanal heisst Zeitgeister. Dort diskutieren die beiden sieben Minuten lang über Ruefer und Wassiljew. Und sie kritisieren den SRF-Mann scharf. «Warum hat Wassiljew mutiges und aufrichtiges Verhalten gezeigt? Er hat öffentlich gesagt, dass er im Krieg weder für die eine noch für die andere Seite sei. Das legitimiert den Aggressor», so die Zeitgeister-Produzenten. «Wir haben völkerrechtlich eine klare Situation. Russland führt einen imperialistischen Krieg, der 2014 begonnen hat.» Dass Ruefer den Angriffskrieg auch noch als Zwist bezeichnet habe, gehe natürlich ebenfalls nicht.

«Der Ukrainekrieg ist ein hochemotionales Thema»

Blick konfrontiert SRF mit den Vorwürfen. «Sascha Ruefer hat während des Testspiels Schweiz – Estland die Situation des russischstämmigen Estland-Akteurs Konstantin Wassiljew geschildert und sein Verhalten in dieser Situation hervorgehoben», schreibt Thomas Ammann, Kommunikationsverantwortlicher SRF Sport, in einer Stellungnahme. Ammann weiter: «In keiner Weise hat Sascha Ruefer jedoch Wassiljews Meinung unterstützt oder entsprechend Position bezogen. Der Ukrainekrieg ist ein hochemotionales Thema, weshalb es – insbesondere in Live-Situationen – äusserst anspruchsvoll ist, die richtigen Worte und die passende Tonalität zu finden und niemanden vor den Kopf zu stossen. Für einzelne Personen war die Formulierung in dieser Situation zu wenig präzise respektive etwas arg verkürzt. Diese Rückmeldungen aus dem Publikum nehmen wir auf und lassen sie, wo angezeigt, in künftige Produktionen einfliessen.»

Dass das Wort Zwist fehl am Platz ist, sieht auch Sascha Ruefer so. Er sei live gewesen und zu wenig präzise. Das passiere unter Druck. Mit Wassilijew habe er sich in der Vorbereitung kurz unterhalten, aber auch mit Staff-Mitgliedern über Wassilijews Situation gesprochen. Der Spieler habe sich nie klar positioniert und sei drum zum politischen Spielball geworden. So sehr, dass er mittlerweile im eigenen Land ausgepfiffen wird. «Darum hat er sein letztes Länderspiel, das ihn gleichzeitig zu Estlands Rekordnationalspieler macht, auswärts bestritten», sagt Ruefer. Mehr Kontext wäre sicher angebracht gewesen, so der SRF-Kommentator.

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