Neue Biografie über Karli Odermatt
«Er war auf der Stelle tot»

Fussball-Legende Karli Odermatt (83) wird mit einer neuen Biografie geehrt. Blick durfte sie vorab schon lesen. Acht Geschichten aus seinem Leben. Mal lustig, mal traurig, mal unglaublich.
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Daniel LeuStv. Sportchef
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«Er war auf der Stelle tot»

«Ich wurde in Luzern geboren, wo ich an der Lädelistrasse meine ersten neun Lebensjahre verbrachte. Ein trauriges Erlebnis ist mir in Erinnerung geblieben. Ein Klassenkamerad sah mich auf der anderen Strassenseite stehen und rannte los. Ein vorbeifahrender Lastwagen erfasste ihn, und das Hinterrad zerdrückte seinen Kopf. Er war auf der Stelle tot.»

2

Nach dem Cupsieg 1963 mit dem FCB gabs zu Hause Ärger

Sein erster Titel: 1963 wurde Karli Odermatt (rechts vom Pokal) mit dem FC Basel Cupsieger.
Foto: KEYSTONE

«Zur Belohnung gab mir der Präsident 1000 Franken. Als ich leicht angetrunken morgens um vier Uhr heimkam, weckte ich Mutter und zeigte ihr die Banknoten. Sie war entsetzt, ein Odermatt stehle nicht. Dass wir das Geld erhalten hatten, weil wir Cupsieger geworden waren, glaubte sie mir nicht. Mitten in der Nacht griff sie zum Telefonhörer. Sie wählte die Nummer des Präsidenten, und dieser nahm tatsächlich den Anruf entgegen. Erst im persönlichen Gespräch gelang es ihm, sie zu beschwichtigen. Ich hätte das Geld nicht gestohlen, sondern von ihm erhalten. Ihr Sohn habe gut gespielt und sei mit dem FCB Cupsieger geworden. Es brauchte dann noch weitere erklärende Worte, denn sie fragte zurück: ‹Bei den Junioren?›»

3

Unberechenbarer und aggressiver Vater

«Oft gingen wir mit anderen Buben in den Wald, der nicht weit entfernt begann. Einmal kamen wir auf dem Heimweg an einem Häusergarten vorbei, wo ich eine gelbe Blume entdeckte. Sie wuchs in einer Ritze des Trottoirs, nicht im Garten selbst. Ich pflückte die Blume, um sie meiner Mutter zu schenken. Aber als ich zu Hause war und mein Vater die Blume sah, schrie er: ‹Ein Odermatt stiehlt nicht!› und verprügelte mich schrecklich. Mein Vater war unberechenbar und aggressiv, ich fürchtete mich vor ihm. Er verliess die Familie endgültig, als ich 13 Jahre alt war. Er kam nie wieder zurück und kümmerte sich auch nicht mehr um uns. Er lebte bis zu seinem Tod in Basel, aber ich sah ihn nie wieder.»

PD
Neues Buch über Karli Odermatt

Das 216-seitige Buch «Karli Odermatt. Immer am Ball – Forever Young» aus dem Verlag Reinhardt erscheint am 24. September. Es kostet 34.80 Franken.

PD

Das 216-seitige Buch «Karli Odermatt. Immer am Ball – Forever Young» aus dem Verlag Reinhardt erscheint am 24. September. Es kostet 34.80 Franken.

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2008 wurde Odermatt zum Lebensretter

«Nach dem Essen trat überraschend Peter Felix ans Mikrofon und kündigte an, das Lied vorzutragen, mit dem er berühmt geworden sei: ‹Karli none Gool›. Mit einer FCB-Kappe auf dem Kopf legte er mit Singen los. Nach wenigen Strophen fiel er jedoch nach hinten. Wir dachten zunächst, das sei ein einstudierter Gag, denn aus den Lautsprechern lief die Melodie des Lieds weiter. Als er hinter der Bühne am Boden lag, ging ich zu ihm und sah, wie sich seine Augen verdrehten. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten. Ich rief in den Saal, ob ein Arzt anwesend sei, und glücklicherweise war Bürgergemeindepräsident Felix Eymann Arzt. Zusammen mit einer weiteren Ärztin begannen sie unverzüglich mit der Herzmassage. Per Telefon wurde die Sanität gerufen, die in kürzester Zeit eintraf. Als sie den Sänger auf eine Bahre legten und wegtragen wollten, kam er wieder zu sich. Er zog das ‹Bändli› eines Kassettenrekorders hervor und sagte: ‹Das wollte ich dir noch geben.› Auf der Kassette hatte er mein Lied aufgenommen, danach trugen sie ihn weg. Als ich einige Tage später mehr über den Gesundheitszustand des Sängers erfahren wollte, teilte mir das Spital mit, dass es ihm nach achtstündiger Herzoperation besser ginge. Der zuständige Professor meinte am Telefon, Peter Felix habe den Abend nur überlebt, weil an diesem Anlass ein Arzt sofort zur Stelle gewesen sei. Wörtlich: ‹Karli, du hast ihm das Leben gerettet.›»

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«Ein Pfarrer begann, mich am Körper zu berühren»

«Jeden Sonntag ging ich in die Heiliggeistkirche. Mein Vater bestand darauf, dass ich die Zehn-Uhr-Messe besuche, obwohl er selbst nie mitkam. Einmal, an einem Kirchenbasar, wurde ein Pfarrer übergriffig und begann, mich am Körper zu berühren. Ohne es jemandem anzuvertrauen, entschied ich, nicht mehr zur Messe zu gehen. Zwar verliess ich sonntags weiterhin um halb zehn Uhr die Wohnung, aber ohne hinzugehen.»

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500 zerbrochene Wein-Flaschen

Schätzt ein gutes Glas Rotwein: Karli Odermatt 2020.
Foto: TOTO MARTI

«Bekanntlich liebe ich Weine und reise regelmässig in die italienischen Weingebiete. Es interessierte mich immer, wie guter Wein entsteht und was es dazu braucht. Deswegen engagierte ich mich für einen Weinhändler in der Region, ehe ich in einen Autounfall verwickelt wurde, der alles auf den Kopf stellte. Ich fuhr mit 500 Flaschen Wein im Auto auf der Autobahn, als ich zum Überholen eines Lastwagens ansetzte. Gerade in diesem Moment bremste er. Weil ich zu nahe aufgefahren war, kam es zum Zusammenstoss. Dieser war so heftig, dass mein Auto in der Mitte getrennt wurde – ein Wunder, dass ich überlebte. Obwohl die rechte Seite fehlte, gelang es mir, das Auto zum Stehen zu bringen. Hinter mir lief der Wein aus 500 zerbrochenen Flaschen. Der Weinhändler gab der Versicherung an, dass es sich um Château Mouton Rothschild gehandelt habe – er betrog also. Auch zahlte er mir nur gelegentlich einen Lohn aus. Natürlich beendete ich meine Arbeit dort.»

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Kurz vor dem Erstickungstod

«Einmal flog unser Ball über einen geflochtenen Metallzaun in den Nachbargarten. Als ich hinüberklettern wollte, um ihn zu holen, verlor ich den Halt und rutschte ab. Eine Metallspitze bohrte sich in die Unterseite meines Kiefers. Einen Moment lang hing ich wie ein Fisch an der Angel. Obwohl ich mich wieder befreien konnte, war überall Blut. Die Narbe ist noch heute sichtbar. Ein anderes Mal wäre ich beim Fussballspielen fast erstickt. Am Fenster oben schüttelte eine Frau ihre Bettdecken aus. Es regnete Federn auf uns herab. Eine einzelne Feder flog in meinen Mund und blieb mir im Hals stecken. Ich hustete wie verrückt, um sie herauszubekommen, aber vergeblich. Dann klopften mir meine Kollegen erfolglos auf den Rücken. Als mein Gesicht schliesslich rot anlief, zogen sie mich an den Füssen hoch und schüttelten mich. Erst auf dem Kopf fiel die Feder aus meinem Hals, und ich konnte wieder atmen.»

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Seine zweite Ehefrau Rosmarie kennt einen Trick

Karli Odermatt mit seiner zweiten Ehefrau Rosmarie und den beiden Söhnen.
Foto: zVg

«Spasseshalber sagte ich ihr: ‹Ich habe zwei Mädchen, wenn es jetzt einen Buben gäbe, wäre das wahnsinnig toll.› Zu meiner Überraschung meinte sie nur, dass das kein Problem sei, sie wisse wie. Weil sie einen medizinischen Berufshintergrund hatte, beobachtete sie Zyklus und Eisprung. Ich verhielt mich genauso, wie sie mir sagte, und tatsächlich gab es einen Buben. Wie das genau funktionierte, weiss ich eigentlich heute noch nicht. Als ich später einmal den Spruch machte, ob sie noch einen zweiten Buben wolle, meinte sie, ‹überlass das nur mir›, und so kam es dann auch.»

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