WM, seine Zukunft und der FCZ
Ricardo Rodriguez: «Schweiz-Rückkehr? Es gab positive Gespräche»

Ricardo Rodriguez steht vor seiner 4. Weltmeisterschaft. Zuvor spricht er im grossen Interview über das Turnier, seine Nati-Karriere, Transfergerüchte und eine Rückkehr in die Schweiz.
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Ricardo Rodriguez geniesst in Sevilla grösste Beliebtheit.
Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ricardo Rodriguez absolviert im Sommer seine 4. WM
  • Nati-Verteidiger spricht über seine Zukunft in der Nati und beim Klub
  • Es kam schon zu Gesprächen mit zwei Super-Ligisten

Während der grosse Stadtrivale FC Sevilla im Abstiegskampf ums Überleben in der höchsten spanischen Liga kämpft, sieht die Welt beim Klub von Ricardo Rodriguez ganz anders aus. Bei Betis Sevilla träumt man von der Champions League. Dutzende Kinder, Touristen und Fans warten unter der Woche vor dem Trainingsareal von Betis im Stadtteil Los Bermejales, um Selfies und Unterschriften zu ergattern. Doch Rodriguez schickt nicht etwa den Medienverantwortlichen, um Blick vor Ort zum Interview zu empfangen, sondern kommt höchstpersönlich und öffnet die Tür. «Ich kümmere mich zuerst noch um die Fans, danach legen wir los», so der Nati-Star. Gesagt, getan. Dann führt der 33-Jährige durch die Trainingsanlage, die nach Vereinslegende Luis del Sol benannt ist. Ein Mitspieler nach dem anderen läuft vorbei, grüsst und scherzt mit Rodriguez. Keine Frage: Der Zürcher geniesst nicht nur bei den Fans in Sevilla und bei der Nati grösste Beliebtheit.

Blick: Ricardo Rodriguez, Sie stehen vor Ihrer vierten Weltmeisterschaft. Hinzu kommen drei Europameisterschaften. Hätten Sie als kleiner Bub in Zürich-Schwamendingen davon geträumt?
Ricardo Rodriguez: Da würde ich lügen. Es ist schon eine verrückte Zahl. Bei Betis sind diverse Mitspieler neidisch auf mich – sagen: «Du gehst an die vierte WM, und ich habe nicht mal eine.» Weltmeisterschaften und Europameisterschaften sind das Schönste, was es im Fussball gibt.

Welches ist Ihre Lieblings-WM?
Meine erste in Brasilien. Ich war jung und habe alles zum ersten Mal erlebt. Wir waren an einem super Ort, hatten eine ausgezeichnete Stimmung im Team.

Was muss passieren, dass das Turnier in diesem Sommer Ihre Lieblings-WM wird?
Ich könnte jetzt sagen, so weit wie möglich kommen. Sind Sie zufrieden damit?

Nein.
Ein Turnier hat so viele eigene Regeln, Dynamiken, und es braucht auch mal Glück. An der EM haben wir es erneut in den Viertelfinal geschafft, mein persönliches Ziel ist es, dass wir das an der WM toppen und erstmals in einen Halbfinal einziehen. Ich glaube daran, dass wir das können. Aber es geht für mich nicht mehr nur darum, immer nur besser zu sein.

Sondern?
Ich habe in meiner Karriere alles erreicht und erlebt, was ich mir je erträumen konnte. Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe, die ich ganz bewusst geniessen möchte. Ich möchte gesund bleiben und noch so lange wie möglich Fussball spielen, weil ich es einfach unglaublich gern mache.

Ricardo Rodriguez Persönlich

Ricardo Rodriguez (33) ist in Zürich-Schwamendingen aufgewachsen. Früh zog es ihn zum FC Zürich, wo er sämtliche Juniorenstufen durchlief und mit 17 Jahren im Spiel gegen die AC Bellinzona sein Debüt in der ersten Mannschaft feierte. Danach führte ihn seine Karriere als Linksverteidiger auf die grosse europäische Bühne – mit Stationen beim VfL Wolfsburg, AC Milan, PSV Eindhoven, dem FC Turin und seit Sommer 2024 bei Betis Sevilla. Für die Schweizer Nationalmannschaft absolvierte Rodríguez bislang 136 Einsätze – am zweitmeisten Länderspiele in der Nati-Geschichte. Ricardo ist der mittlere von drei Brüdern. Sowohl sein älterer Bruder Roberto Rodriguez als auch sein jüngerer Bruder Francisco Rodriguez schlugen ebenfalls eine Karriere als Fussballprofis ein.

Ricardo Rodriguez (33) ist in Zürich-Schwamendingen aufgewachsen. Früh zog es ihn zum FC Zürich, wo er sämtliche Juniorenstufen durchlief und mit 17 Jahren im Spiel gegen die AC Bellinzona sein Debüt in der ersten Mannschaft feierte. Danach führte ihn seine Karriere als Linksverteidiger auf die grosse europäische Bühne – mit Stationen beim VfL Wolfsburg, AC Milan, PSV Eindhoven, dem FC Turin und seit Sommer 2024 bei Betis Sevilla. Für die Schweizer Nationalmannschaft absolvierte Rodríguez bislang 136 Einsätze – am zweitmeisten Länderspiele in der Nati-Geschichte. Ricardo ist der mittlere von drei Brüdern. Sowohl sein älterer Bruder Roberto Rodriguez als auch sein jüngerer Bruder Francisco Rodriguez schlugen ebenfalls eine Karriere als Fussballprofis ein.

Das würde aber gegen einen Rücktritt aus der Nati nach der WM sprechen.
Ich spiele jetzt mal dieses Turnier und dann schauen wir weiter. Es kommt schliesslich auch darauf an, wo und auf welchem Niveau ich künftig spielen werde. Vielleicht höre ich nach dem Turnier auf, vielleicht gibt es nochmals eines. Ihr kennt mich, bei mir ist alles möglich.

Sie sprechen Ihre offene Zukunft an. Ihr Vertrag bei Betis läuft aus. Im vergangenen Sommer wurde eine Rückkehr in die Schweiz zum Thema. Sie sollen mit Sion und dem FCZ verhandelt haben.
Ja, es gab Gespräche. Für eine Rückkehr in die Schweiz müssten aber mehrere Faktoren zusammenkommen und stimmen, da ich auch noch auf höchstem Niveau in Europa spielen kann: der längerfristige Plan des Klubs oder natürlich auch der finanzielle Aspekt.

Speziell im Wallis soll man sich dem Vernehmen nach sehr intensiv um Sie bemüht haben.
Sowohl mit dem Präsidenten Christian Constantin als auch mit Sportchef Barth haben sehr positive Gespräche stattgefunden. Und die Resultate von Sion zeigen auch, dass im Wallis gut gearbeitet wird. Wer weiss, vielleicht gibt es in diesem Sommer ja nochmals Gespräche.

Ist eine Rückkehr in die Schweiz also hauptsächlich eine finanzielle Entscheidung?
Natürlich nicht. Es ist eine Herzensangelegenheit und für meine gesamte Familie ist klar, dass wir eher früher als später in die Schweiz zurückkehren werden, um dort zu leben. Vielleicht ergänzt mit einer kleinen Ferienwohnung irgendwo am Meer.

Wollen Sie über Ihre Zukunft noch vor der WM entscheiden?
Das wäre ganz klar mein Wunsch, dass sich alles bis dann klärt. Vor zwei Jahren ging ich mit der exakt gleichen Situation an die EM, als mein Vertrag bei Torino ausgelaufen war. Ich hatte keine Ahnung, wo mein Weg danach weitergehen wird, wann ich wieder ins Training muss und wo meine Familie und ich hinzügeln werden, wo meine Kinder zur Schule gehen werden und, und, und. Das ist natürlich eine sehr stressige Situation für meine Familie und mich, über die ich mir schon viele Gedanken und teils auch Sorgen mache.

Wie gehen Sie damit um?
Ich habe bereits die Erfahrung von vor zwei Jahren und ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, der daran glaubt, dass alles gut kommt. Allerdings ist es auch ein Risiko, ohne Klub in ein Turnier zu gehen. Man stelle sich vor, ich würde mich während der WM schwerer verletzen, vielleicht will mich dann in meinem Alter gar niemand mehr ...

Ein Verbleib in Sevilla ist keine Option?
Doch. Trainer Manuel Pellegrini weiss genau, was er an mir hat, und setzt auf mich. Es könnte sein, dass wir uns für die Champions League qualifizieren. Das würde ich gern nochmals erleben und ich glaube, dem Klub ist auch bewusst, dass ich mit meiner Erfahrung helfen könnte.

Sie haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ein Abenteuer in der Wüste reizvoll wäre für Sie.
Ja, ich könnte mir weiterhin vorstellen, beispielsweise in den Emiraten zu spielen. Ich habe mich auch mit Haris Seferovic ausgetauscht über das Leben und den Fussball in Dubai. 

Und was kommt nach der Fussballkarriere? Haben Sie sich Gedanken gemacht?
Nein, ich habe wirklich noch keine beruflichen Pläne. Ich kann mir aktuell noch immer nicht vorstellen, etwas anderes zu machen, als Fussball zu spielen. Ich liebe es. Deshalb möchte ich das so lange wie möglich machen.

Sie und Granit Xhaka haben einst gesagt, dass Sie die Nati-Karriere zusammen beenden werden. Ist das noch aktuell?
Es kann schon sein, dass Granit noch länger macht als ich.

Durften Sie im Testspiel gegen Norwegen eigentlich nicht spielen, damit Sie dem angeschlagenen Xhaka nicht den Titel des Rekordnationalspielers streitig machen?
(lacht) Sie könnten recht haben! Ich muss das bei nächster Gelegenheit bei Murat Yakin nachfragen.

Wie erleben Sie die Entwicklung Ihres Nationaltrainers in den vergangenen Jahren?
Er macht einen wirklich guten Job. Er ist über die Jahre noch offener und kommunikativer geworden gegenüber uns Spielern. Er spricht viel mit uns, fragt auch mal nach unseren Meinungen und hört uns zu. Das macht er wirklich super – und das ist ein Schlüssel, wieso es momentan sehr gut läuft. Auch die Auswahl seiner Co-Trainer Davide Callà und zuvor Giorgio Contini hat uns insgesamt nochmals weitergebracht.

Zum ersten Mal geht die Schweiz als klarer Gruppenfavorit in eine WM.
Diesen Ruf haben wir uns in den vergangenen Jahren hart erarbeitet. Ich merke es auch in meinem Klub, wie stark die Schweiz von anderen Nationen inzwischen gesehen wird. Gegen uns will niemand spielen und alle denken, wir kommen locker weiter. Das ist aber auch gefährlich.

Inwiefern?
Es darf niemand im Team oder im Staff denken, dass wir nur mit einem Prozent weniger gegen Katar ins Turnier starten können. Es braucht von Beginn an volle Konzentration von allen – egal, wie der Gegner heisst und von wo er kommt.

Wieso darf die Nati Ihretwegen eigentlich in kein Teamhotel, in dem man die Fenster in den Zimmern nicht öffnen kann?
Woher wissen Sie das jetzt? (lacht)

Bei der Hotelbesichtigung in Kalifornien hiess es: Man kann die Fenster nicht öffnen, das gibt Probleme mit Ricardo.
Das ist korrekt. Ich hasse das, und es ist für mich unerklärlich, wieso man als Profisportler in Hotels mit geschlossenen Fenstern geht. Sauerstoff und frische Luft sind wichtig für die Regeneration. Leider sind wir nach wie vor teils in Hotels, wo das nicht möglich ist. Dann kriegt das der Teammanager aber gleich zu hören von mir.

Sie werden nicht jünger und auch nicht mehr schneller. Trotzdem können Sie auf höchstem Niveau immer gegen die schnellen Flügel Ihrer Gegner mithalten. Egal, ob im Klub oder in der Nati. Wie machen Sie das?
Wenn man so viele Spiele wie ich gespielt hat, weiss man, was man zu tun hat. Spätestens nach ein paar Minuten auf dem Platz habe ich eine klare Vorstellung davon, wie ich meinen Gegenspieler anpacken muss. Egal, ob er gross oder klein ist, schnell, links- oder rechtsfüssig. Ob es dann auch immer gelingt, ist die andere Frage.

Was heisst das konkret?
Viel kann man mit der Distanz zum Gegenspieler machen. Da habe ich in Italien extrem viel gelernt in Sachen Taktik und Stellungsspiel. Oft sind es kleine Schritte oder Sekundenbruchteile, die darüber entscheiden, ob ich den Gegner im Griff habe oder er mir um die Ohren sprintet.

Sie beackern die linke Seite mit Dan Ndoye, wie sehen Sie seine Entwicklung?
Dan ist eine Granate. Ich passe mich sehr gern den Spielern an, die vor mir sind. Ich will, dass Dan vor mir alle Freiheiten hat, um mit dem Ball das zu machen, was er möchte. Er hat seine Stärke in der Offensive, also fokussiere ich mich darauf, dass hinten die Null steht und er weniger nach hinten arbeiten muss.

Dafür haben Sie weniger Aktionen in der Offensive.
Da gibt es auch Kritiker, die das hervorheben. Aber das interessiert mich nicht. Ich bin Verteidiger, also verteidige ich. So helfe ich dem Team am meisten – und so kann ich die Spieler vor mir glänzen lassen. Oder denken Sie, es ist Zufall, dass die Spieler vor mir regelmässig für viel Geld transferiert wurden? Vielleicht habe ich daran ja einen kleinen Anteil (lacht).

Gibt es weitere junge Spieler, von denen Sie in der Nati zuletzt überrascht wurden?
Johan Manzambi ist noch nicht mal ein Jahr bei der Nati und seine Entwicklung ist der Wahnsinn. Aber auch Ardon Jashari oder Fabian Rieder sind Spieler, die es sehr gut machen und sich zuletzt noch weiter verbessern konnten. Wir haben eine super Truppe zusammen.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
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1
Mexiko
Mexiko
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0
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2
Südafrika
Südafrika
0
0
0
3
Südkorea
Südkorea
0
0
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4
Tschechien
Tschechien
0
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0
Playoffs
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
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1
Kanada
Kanada
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2
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
0
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3
Katar
Katar
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4
Schweiz
Schweiz
0
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Playoffs
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
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2
Marokko
Marokko
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3
Haiti
Haiti
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Schottland
Schottland
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Playoffs
Gruppe D
Mannschaft
SP
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1
USA
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2
Paraguay
Paraguay
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3
Australien
Australien
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Türkei
Türkei
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Playoffs
Gruppe E
Mannschaft
SP
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1
Deutschland
Deutschland
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Curacao
Curacao
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Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
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Ecuador
Ecuador
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Playoffs
Gruppe F
Mannschaft
SP
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1
Niederlande
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2
Japan
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3
Schweden
Schweden
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Tunesien
Tunesien
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Playoffs
Gruppe G
Mannschaft
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Belgien
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Ägypten
Ägypten
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Iran
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Neuseeland
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Playoffs
Gruppe H
Mannschaft
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Spanien
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2
Kap Verde
Kap Verde
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Saudi Arabien
Saudi Arabien
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Uruguay
Uruguay
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Playoffs
Gruppe I
Mannschaft
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Frankreich
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Senegal
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Irak
Irak
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Norwegen
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Playoffs
Gruppe J
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1
Argentinien
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Algerien
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Österreich
Österreich
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Jordanien
Jordanien
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Playoffs
Gruppe K
Mannschaft
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1
Portugal
Portugal
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2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
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Usbekistan
Usbekistan
0
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Kolumbien
Kolumbien
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Playoffs
Gruppe L
Mannschaft
SP
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1
England
England
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2
Kroatien
Kroatien
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Ghana
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Panama
Panama
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