Es ist eine Frage, die sich nach jedem Turnier stellt. Doch angesichts der Namen, um die sie sich dieses Mal dreht, bringt sie eine ganz besondere Brisanz mit. War diese WM die Abschiedsvorstellung im Schweizer Trikot von Captain Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez, Remo Freuler und Co.? «Die nächste WM könnte mein letztes Turnier sein», sagte Xhaka Anfang 2025 in einem Interview mit Blick.
Wer nach dieser WM aber den ganz grossen Umbruch erwartet, dürfte sich wohl irren. Vielmehr sollen die Leistungen und das gezeigte Potenzial auch bei den Routiniers nochmals Lust auf mehr gemacht haben. «Diese Spieler werden nun alle in die Ferien gehen und das Thema mit ihren Familien besprechen, aber ich hoffe für die Nationalmannschaft, dass diese Spieler noch weitermachen», sagt Blick-Experte Blerim Dzemaili zu möglichen Rücktritten. Dennoch müsse man aufseiten des SFV und Murat Yakins zumindest einen Teilumbruch einleiten. Wie dieser aussehen könnte:
Torhüter: Alles bleibt
Gregor Kobel ist nicht nur gesetzt, sondern hat mit einer sehr guten WM sein Standing als Nummer 1 im Nati-Tor innerhalb der Mannschaft und auch gegen aussen mehr als nur gefestigt. Auch am 32-jährigen Yvon Mvogo als Nummer zwei wird es wohl kurzfristig kein Vorbeikommen geben. Zu wichtig ist er auch als Typ für das Team. Einzig der dritte Torhüter, Marvin Keller, könnte Druck bekommen. Anthony Racioppi und U21-Nati-Goalie Silas Huber haben in der Super League zuletzt gezeigt, dass man mit ihnen rechnen darf und muss.
Verteidigung: Umbruch auf den Aussenpositionen
Es ist kurz nach der WM-Kampagne der Nati vielleicht eines der grösseren Fragezeichen für die kurzfristige Zukunft: Was macht Ricardo Rodriguez? Der 33-Jährige ist nach einer starken WM eigentlich nicht wegzudenken aus der Nati. «Es kann schon sein, dass Granit noch länger macht als ich», sagte Rodriguez im Blick-Interview auf die Frage, ob der Plan des gemeinsamen Nati-Endes mit Xhaka weiterhin bestehe. Jetzt ist er zuerst mal auf Klubsuche, auch die Wahl des künftigen Arbeitgebers könnte ein mitentscheidender Faktor sein, wie viele Rodriguez-Länderspiele zu den 144 noch dazukommen. So oder so muss Yakin für die Zukunft Alternativen aufbauen. Ob Miro Muheim die riesigen Fussstapfen alleine ausfüllen kann, müsste dieser zuerst noch beweisen. Auch bei den Jungen gibt es keinen, der sich direkt aufdrängen würde. Ob Murat Yakin etwas mit einem Rechtsverteidiger auf links ausprobieren wird?
Denn die eine Position, auf der sich der Nati-Trainer nämlich gar keine Sorgen um Nachwuchs machen muss, ist der Rechtsverteidiger. Mit Zachary Athekame und Sascha Britschgi hat er zwei Shootingstars aus der Serie A mit einem Gesamtmarktwert von rund 30 Millionen Franken zu Hause gelassen. Alles andere, als die beiden in der kommenden Nations League in der Nati zu integrieren und zu testen, wäre ein Versäumnis von Yakin. Silvan Widmer hat während der WM seinen Stammplatz verloren, doch ein Nati-Rücktritt aus eigenen Stücken scheint unrealistisch beim Mainz-Captain. Der 33-Jährige hat bewiesen, dass er keine Allüren hat, um nicht auch aus einer allfälligen zweiten Reihe helfen zu können.
Ein Überangebot gibt es zudem in der Innenverteidigung. Manuel Akanji und Nico Elvedi haben Weltklasse-Leistungen gezeigt an der WM. Dahinter scharren Luca Jaquez und Aurèle Amenda mit den Hufen. Und dann wären noch Freiburg-Verteidiger Bruno Ogbus sowie U21-Nati-Captain Roggerio Nyakossi, der gerade mit der halben Bundesliga in Verbindung gebracht wird.
Mittelfeld: Alles deutet auf Verbleib der Routiniers
Die grösste Personalie vorneweg: Bei Rekordnationalspieler Granit Xhaka deuten in den letzten Wochen fast alle Signale darauf hin, dass der Captain weitermachen will und die Nati an die EM in Grossbritannien und Irland führen möchte. Xhaka wird dann 35 Jahre alt sein. Auch Nati-Trainer Murat Yakin sagte bereits im Mai gegenüber Blick klar: «Ich glaube, dass er uns bei der Nati über die WM hinaus erhalten bleibt.»
Mittelfeld-Partner Remo Freuler wird beim nächsten Turnier 36 Jahre alt sein. Bei welchem Klub der Zürcher spielen wird, ist noch unklar, aktuell ist Freuler ohne Verein. Es soll sowohl eine Verlängerung bei Bologna als auch Interesse der AS Roma auf dem Tisch haben. Bei der Nummer 8 der Nati soll es gemischte Signale gegeben haben, wie es mit ihm nach der WM weitergeht. Doch schon wenige Minuten nach Abpfiff sagt Freuler bei SRF: «Wir haben noch einiges vor in der Nati. Heute hat man gesehen, dass vieles möglich ist. Deshalb geht es schon noch weiter.»
Während sich Murat Yakin und die Nati-Fans darüber freuen, werden andere weiter hinter den beiden anstehen müssen, da es bei diesem Leistungsniveau keinen Weg an Xhaka und Freuler vorbei gibt. Insbesondere Denis Zakaria oder Ardon Jashari, die seit Jahren auf mehr Einsatzzeit pochen, dürften sich vielleicht kleine Hoffnungen auf einen Mittelfeld-Umbruch nach der WM gemacht haben.
Ebenfalls kaum Veränderungen wird es im offensiven Mittelfeld geben. Johan Manzambi ist der neue grosse Star im Schweizer Team und mit der Entwicklung der letzten zwölf Monate ist ihm künftig ein Platz in der Nati-Startelf garantiert. Gleiches gilt für Dan Ndoye. Und auch Rubén Vargas oder Fabian Rieder werden unter Murat Yakin weiterhin gesetzt sein im Kader der Nati. Einzig die Personalie Alvyn Sanches könnte in den kommenden Monaten für Spannung sorgen auf diesen Positionen. Sein Talent und Potenzial sind unbestritten, seine Kreativität könnte der Nati sehr guttun. Doch es gibt im Trainerstab noch Zweifel, ob er dies schon auf höchstem internationalem Niveau abrufen kann.
Sturm: Die Suche nach der Embolo-Alternative
Kein Umbruch, aber vielleicht Yakins grösste Baustelle. Hier ist der Nati-Coach speziell gefordert. Klar, führt kurzfristig kaum ein Weg an Breel Embolo vorbei. Sowohl auf dem Feld als auch daneben ist Embolo nicht wegzudenken. Doch es müssen Alternativen herangeführt und eingebaut werden. Macht Cedric Itten bei Werder Bremen nochmals einen Schritt? Sollte Alessandro Vogts Entwicklung bei Hoffenheim in der Bundesliga weiter steil nach oben gehen, ist er ein Pflichtkandidat für ein erstes Aufgebot im Herbst.
Winsley Boteli und Giacomo Koloto machen Hoffnung, doch es ist kein Geheimnis, dass Murat Yakin den Sprung von der Super League zur Nati grundsätzlich für zu hoch empfindet. Ein Hoffnungsträger, der bereits den nächsten Sprung macht, ist Andrej Vasovic. Die Entwicklung des 18-Jährigen bei Brügge wird man hoffentlich für einmal ganz genau verfolgen beim Schweizerischen Fussballverband und den Namen nicht erst auf die Liste der A-Nati nehmen, wenn der serbische Verband schon das erste Aufgebot verschickt hat.
Füge jetzt die Fussball-Nati deinen Teams hinzu, um nichts mehr zu verpassen.

