So tickt Nati-Held Yvon Mvogo
«Meine Mutter treibt mich an»

Yvon Mvogo (24) hat sich am Dienstag in die Herzen der Schweizer gehechtet. Warum der Nati-Goalie in Kamerun mit Plastikflaschen gekickt hat, weshalb er keine Tattoos tragen darf und wie ihn Uli Forte einst disziplinierte.
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Yvon hätte bei seiner Mutter Antoinette Hausverbot, würde er ein Tattoo tragen.
Foto: Instagram
Martin Arn

Es gibt diese Geschichte, die Yvon Mvogos Charakter wohl am besten beschreibt. Es ist der 8. Dezember 2013 in Thun. YB-Goalie Marco Wölfli reisst sich in der ersten Halbzeit die Achillessehne. YB-Coach Uli Forte rudert mit den Armen, schaut nach hinten zur Bank. Dort sitzt Ersatzkeeper Mvogo, zupft in aller Seelenruhe seine Torwarthandschuhe zurecht und zieht die Stulpen hoch. «Ich war auf Hundert und Yvon fast schon lethargisch», erinnert sich Forte. Forte geht zu Torwarttrainer Paolo Collaviti: «Ist der bereit? Ist der bereit?», will Forte vom Goalietrainer wissen. «Keine Sorge, Uli», erwidert Collaviti: «Er ist parat!»

Von diesem Moment an ist Mvogo die Nummer eins bei YB, auch als Wölfli nach seiner Verletzung zurückkommt.

Ruhig und geschmeidig

Denn Forte ist angetan von Mvogos Geschmeidigkeit, seiner Ruhe, seiner Technik. «Er ist mit links und rechts stark am Ball», sagt Forte. Auch menschlich sei Mvogo top: «Er war immer gut drauf, hatte immer ein Lachen im Gesicht, ein Sunnyboy, ein Publikumsliebling.»

Er sei «unheimlich stolz gewesen» auf seinen ehemaligen Schützling, als dieser vergangenen Montag gegen Island sein erstes offizielles Länderspiel absolvierte, sagt Forte.

In der Tat zeigt Mvogo bei seinem ersten Länderspieleinsatz eine starke Leistung. «Am Ende mussten wir noch ziemlich leiden. Es war für mich aber ein Supermatch und ein Super-Erlebnis. Zum Glück konnte ich auch ein paar gute Dinge zeigen.»

Yvon Mvogo hext die Schweiz zum Sieg!
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«Sonst hätte ich bei ihr Hausverbot»

Am Samstag gegen Augsburg muss der Leipzig-Keeper trotz seiner starken Vorstellung wieder 90 Minuten auf der Bank sitzen. RB-Trainer Ralph Ragnick setzt in der Meisterschaft auf den Ungarn Peter Gulacsi. Mvogo darf nur in der Europa League ran. «Natürlich ist es nicht mein Ziel, auf der Bank zu sitzen», sagte Mvogo kürzlich, «aber ich muss geduldig sein». Seine Mutter habe ihm gesagt er solle sich «durchbeissen».

Mutter Antoinette: Sie ist jene Person, die ihn besonders geprägt hat. Ob er Tattoos trage, wurde Mvogo einmal gefragt: «Nie und nimmer», antwortete er, «sonst hätte ich bei ihr Hausverbot.»

Als Yvon sechs war, verliess seine Mama das Heimatland Kamerun. Kein einfacher Schritt für den Kleinen, könnte man meinen. Doch sein sonniges Gemüt hilft ihm, schnell neue Freunde zu finden. In Marly FR beginnt Yvon Fussball zu spielen. «Zuerst als Stürmer, dann wollten sie mich im Tor, weil ich so gross war.»

Der erste Eindruck hat getäuscht

Als Yvon sein erstes Spiel mit der U13 des Team Fribourg macht, hat der Coach grösste Bedenken: «Er schien mir ziemlich abwesend, schaute dauernd zur Tribüne rüber», erzählt Torhütertrainer Valentin Danzi in der Zeitung «La Liberté». «Es macht Spass, ihn heute als Profi zu sehen. Denn der erste Eindruck hat getäuscht. Yvon ist sehr wissbegierig, sehr aufmerksam. Er ist schnell gewachsen, hat sich technisch extrem entwickelt.»

Das liegt möglicherweise auch daran, dass Yvon in Kameruns Hauptstadt Youndé mit Plastikflaschen gekickt hat. Movogo: «Wir hatten schon Bälle, aber mit den Flaschen hat es mehr Spass gemacht.»

Bald wird Mvogo in die Nachwuchsnationalmannschaften der Schweiz einberufen und überzeugt auf Anhieb, wird Captain der U21. Im April 2014, kurz vor der WM in Brasilien, und nachdem YB im Heimspiel gegen Sion 0:0 gespielt hat, möchte ihn der Deutsche Volker Finke in der Loge des Stade de Suisse treffen. Finke ist damals Nationaltrainer Kameruns. Mvogo: «Er wollte mich mitnehmen zur WM.» Mvogo lehnt ab: «Klar, Kamerun ist das Land meiner Eltern. Aber ich kenne das Leben dort kaum, kenne das Team nicht. Ich habe zu Finke gesagt, dass ich gerne einmal für die Schweiz spielen würde.»

«Den grössten Druck habe ich von meiner Mutter»

Am vergangenen Montag gegen Island ist der Traum wahr geworden. Wie er mit Druck umgehe, wurde Mvogo einmal gefragt. «Den grössten Druck habe ich von meiner Mutter. Sie treibt mich an. Ihr und meiner Familie habe ich alles zu verdanken.» 

Bei RB Leipzig loben sie Mvogos Fleiss, seine Einstellung, seine Disziplin.

Und auch daran hat Uli Forte grossen Anteil. Einmal, als Movogo ganz neu im Kader von YB war, sei er zu spät zum Training gekommen, erzählt Forte.  «Ich habe ihm eine Busse von 500 Franken aufgebrummt. Da ist er extrem erschrocken. Als 19-Jähriger Nachwuchsspieler spielte er noch für wenig Geld. Er ist danach nie mehr zu spät gekommen.»

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