96 Länderspiele hat Remo Freuler für die Nati absolviert. Damit ist er die Nummer 8 in der ewigen Bestenliste. Und trotzdem: Der Mittelfeldspieler fliegt noch immer ein wenig unter dem Radar. Zu wenig genial und spektakulär ist sein Spiel, zu wenig extravagant sind seine Auftritte. Die Führungsqualitäten eines Granit Xhaka, die Erfolge eines Manuel Akanji, die Lebensfreude eines Denis Zakaria, die Eloquenz eines Gregor Kobel oder den Schalk eines Breel Embolo, die wie Freuler alle im Spielerrat sind, hat der Zürcher Oberländer nicht.
Auch sein Verhältnis zu den Medien ist nicht immer das Beste. Die Aussage, als er an der WM 2022 in Katar einen Reporter zur Tür wies, ging viral. «Ich bin hier, um über die Achtelfinal-Qualifikation zu sprechen und nichts anderes. Wenn du andere Fragen hast: Dort drüben ist die Tür», sagte er im Nachgang des emotionalen Serbien-Spiels. Auch am Tag vor dem Duell mit Slowenien ist Freulers Laune nicht die beste. Als er darauf angesprochen wird, warum er im Sommer ein angebliches Angebot aus der Wüste nicht angenommen habe, sagt er wirsch: «Das stimmt nicht.»
Auch über die Frage, ob er Granit Xhaka als Partner im defensiven Mittelfeld vermisse, ist Freuler nicht sonderlich amused. «Was mit ihm passiert, werden wir sehen. Über seine Qualitäten müssen wir nicht reden, es war immer schön, mit ihm zu spielen.» 79 seiner 96 Länderspiele hat Freuler an der Seite von Xhaka bestritten. Dass er aufgrund der Abwesenheit des Captains sein Spiel anpassen muss, ist für Freuler nichts Aussergewöhnliches. «Ich habe 400 Spiele mit anderen Spielern gemacht, man muss sich immer anpassen.»
Ein Mann für wichtige Tore
Freuler ist das, was man im Volksmund einen stillen Schaffer nennt. Ein Schweizer Uhrwerk, das läuft und läuft. Kein Blender, sondern einer, der «saubere Büetz» abliefert – Spiel für Spiel. Was aber oft vergessen geht: Freuler schliesst nicht nur Räume und gewinnt viele Zweikämpfe, er ist auch ein Mann für wichtige Tore. An der WM 2022 schiesst er das entscheidende 3:2 beim Sieg gegen Serbien, an der EM 2024 trifft er im Achtelfinal gegen Italien zum 1:0. Und vor einer Woche in Skopje ebnet er der Nati mit dem 1:0 den Weg zum perfekten Start in die Nations-League-Kampagne.
Freuler ist ein Spätzünder. Erst mit knapp 25 feiert er im März 2017 gegen Lettland sein Nati-Debüt. Umso erstaunlicher ist es, dass er in diesem Herbst in den 100er-Klub eintreten könnte – als erst achter Spieler überhaupt. «Eine schöne Zahl, die mich stolz macht. Ein Meilenstein, auf den ich nach meiner Karriere gerne einmal zurückblicken werde.»
Freuler schwärmt von Piräus
Für den ältesten Spieler im Kader war der Rücktritt aus der Nati nach der WM kein Thema. «Klar macht man sich Gedanken, was am besten für sich, die Familie und die Karriere ist», so Freuler. Aber spätestens seit der Unterschrift bei Olympiakos Piräus ist klar, dass er auch auf Klubebene mindestens noch zwei Jahre auf einem hohen Level spielen wird.
Vom neuen Arbeitgeber schwärmt Freuler. «Bis jetzt ist alles phänomenal.» Was er damit im Detail meint, führt er auf Nachfrage aus: «Ich brauchte ein Haus, eine Schule für meine Kinder, ein Bankkonto, ein Auto. Ich musste mich an- und abmelden.» Der Klub sei bei all diesen Dingen enorm behilflich gewesen. Auch deshalb hat er sich nach neun Jahren in der Serie A (und einem kurzen Abstecher nach England) auch sportlich in Griechenland schnell zurechtgefunden.
Erst als eine Frage zum FC Luzern kommt, hellt sich Freulers Miene auf. Ab 2014 spielte er zwei Jahre in der Zentralschweiz, wo er seine Karriere so richtig lancierte, bevor er nach Italien wechselte. «Ich habe Leute getroffen, die bereits damals für den FCL gearbeitet haben», so Freuler. Eine Rückkehr sei für ihn immer «sehr speziell und emotional». Dabei huscht ihm sogar ein Lächeln über das Gesicht.