Es gibt Spieler wie Xherdan Shaqiri oder Yvon Mvogo, die regelmässig ihren Geburtstag im Kreis der Nati gefeiert haben. Nico Elvedi (30) gehört nicht zu ihnen, weil Ende September normalerweise der Liga-Alltag läuft. Doch weil der internationale Matchkalender ausnahmsweise wieder einmal vorsah, vier Spieltermine in ein Länderspielfenster zu packen, kam auch der Verteidiger am Mittwoch einmal in den Genuss, sein Wiegenfest mit seinen Mannschaftskollegen zu feiern.
Dem besonderen Anlass entsprechend lässt sich Elvedi nicht lumpen – zumindest auf dem Platz nicht. Nur die den Teamkollegen versprochene Runde Getränke kann er danach nicht einlösen. Zwar stösst die Mannschaft im Teamhotel auf den 3:0-Sieg an, in Anbetracht des getakteten Spielplans wird in Glasgow aber auf eine grosse Party verzichtet. Nach einer kurzen Nacht gibts am Mittwoch auf dem Rückflug nach Zürich ein Ständchen von den Teamkollegen und nach dem Mittagessen traditionsgemäss einen Kuchen, worauf der Jubilar eine kleine Tischrede hält.
Auf diese hätte Elvedi wohl auch verzichten können. Denn ein Mann der grossen Worte ist er nicht. Viel lieber lässt Elvedi auf dem Platz Taten sprechen. So auch gegen Schottland, als er nicht nur hinten den Laden erneut dichthält, sondern vorne mit dem 2:0 auch noch für die Entscheidung sorgt. Es ist die Krönung einer Leistung, für die Nati-Trainer Murat Yakin nur ein Wort übrig hat: «Bärenstark.» Elvedi knüpft damit dort an, wo er Mitte Juli an der WM aufgehört hat. In Nordamerika gehörte er zu den besten Verteidigern des Turniers.
Yakins Nicht-Aufgebot als Weckruf
Noch vor zwei Jahren war Elvedis Gefühlswelt in der Nati eine ganz andere. Seine Leistungen in der letzten Nations League im Herbst 2024 standen sinnbildlich für jene des Teams, die im erstmaligen Abstieg aus der Liga A gipfelten. Nach der persönlich enttäuschenden EM in Deutschland, als er keine Minute spielte, lief es Elvedi auch in jenem Herbst nicht rund. Witz-Rot beim 0:2 gegen Dänemark, ein Eigentor gegen Serbien (0:2), eine Kampagne zum Vergessen. Elvedis Nati-Karriere stand am Scheideweg, als ihm Yakin im Frühjahr 2025 eine Denkpause verordnete. «Er hat dies als Zeichen verstanden, sich hinterfragt und sein Leben auf den Kopf gestellt», so der Nati-Trainer.
Elvedi nahm die Kritik als Ansporn, begann die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Sprinter Rolf Fongué und kam zurück – schneller und stärker denn je. «Es ist schön, dass sich auch einmal ein Spieler demütig und einsichtig zeigt und nicht den Fehler bei jemandem anderen sucht», so Yakin. Im vergangenen Jahr war Elvedi der konstanteste Nati-Spieler. Mit Manuel Akanji und Gregor Kobel bildet er das defensive Gerüst, das nur schwer zu knacken ist. Gibt es einen konkreten Grund für seine Topform? «Ein Geheimnis gibt es nicht. Aber wenn es gut läuft und man Selbstvertrauen hat, fühlt man sich auf dem Platz sicher.»
Transfer als zusätzlicher Schub
Auch im Klub läuft es Elvedi ausgezeichnet. Der Wechsel nach Leeds hat ihm einen zusätzlichen Schub verliehen. Obwohl er auch Offerten aus der Serie A (Atalanta) und La Liga (Celta Vigo) hatte, war klar, dass es ihn nach England ziehen würde. Leeds hatte bereits vor gut einem Jahr Interesse bekundet. Dass mit Daniel Farke dort ein Trainer tätig ist, den Elvedi aus gemeinsamen Zeiten bei der Borussia kennt, war der Sache zwar dienlich, aber nicht entscheidend. Denn ein Wechsel war überfällig.
Elvedis Traum von der Premier League ging damit endlich in Erfüllung, nachdem sich ein Transfer 2023 nach Wolverhampton in letzter Sekunde zerschlagen hatte. Und nach zwölf Jahren und einem tränenreichen Abschied aus Gladbach verliess der Zürcher den deutschen Traditionsklub als Legende. Auch wenn er sich an die höhere Intensität der Spiele und Trainings gewöhnen musste, hat Elvedi im Nordwesten Englands schnell Fuss gefasst. Leeds ist in dieser Saison noch ungeschlagen. «Es macht Spass, in der besten Liga gegen die besten Spieler der Welt zu spielen», sagt Elvedi. Mit nunmehr 30 Jahren und in der Form seines Lebens gehört er dort zweifellos hin.