Darum gehts
- Silvan Widmer tritt nach 65 Länderspielen aus der Nationalmannschaft zurück
- Er nennt körperliche Signale und Erholungsbedarf als Rücktrittsgrund
- Widmer nahm an vier Endrunden teil, debütierte 2014 gegen San Marino
«Bis jetzt bin ich noch nicht aus der Whatsapp-Gruppe rausgeworfen worden», scherzt Silvan Widmer (33) am Montagabend, nachdem er ein paar Stunden zuvor nach insgesamt zwölf Jahren seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte. Ein Entscheid, für den er sich nach dem Out im WM-Viertelfinal gegen Argentinien (1:3 n.V.) bewusst Zeit gelassen habe.
«Ein paar Tage nach diesem Spiel habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen», erzählt Widmer. Daraufhin habe er verschiedene Menschen in seine Überlegungen miteinbezogen. Erst seine Frau Céline, dann Nati-Trainer Murat Yakin und dessen Assistent Davide Callà. «Mit Muri habe ich zweimal telefoniert. Der Austausch war sehr interessant, offen und ehrlich. Ich habe herausgespürt, dass bei ihm ein Interesse dagewesen wäre, mich weiterhin aufzubieten. Das hat mich emotional sehr berührt», so der Rechtsverteidiger.
Frankreich-Spiel ist Widmers Highlight
Trotzdem hat sich der Aargauer entschieden, seine Nati-Karriere nach insgesamt 65 Länderspielen zu beenden. Dass er im Verlaufe des WM-Turniers seinen Stammplatz verloren hatte, habe aber keinen Einfluss darauf gehabt. «Ich habe in meiner Karriere an verschiedenen Stationen auch die Rolle als Ergänzungsspieler super ausfüllen können. Ich habe die Zeit an der WM sehr genossen, auch wenn ich nicht immer auf dem Platz gestanden bin», so Widmer.
Doch warum tritt der Mainz-Profi dann zurück? «Die Entscheidung hat sich in den letzten zehn Tagen herauskristallisiert. Mein Körper sendet mir gewisse Signale und zeigt mir, dass er froh um mehr Erholungszeit wäre», verrät Widmer. Nach der historischen WM-Kampagne fühle sich der Moment für den Rücktritt nun genau richtig an.
Das Turnier in Nordamerika zählt Widmer zu seinen persönlichen Nati-Highlights. Genau wie sein Tor im WM-Quali-Spiel gegen Italien (1:1) im November 2021, das der Schweiz indirekt das direkte WM-Ticket sicherte. Ganz zuoberst steht für den Routinier aber der EM-Achtelfinal 2021 gegen Frankreich. «Mit das emotionalste Spiel in meiner ganzen Karriere», findet er.
Zwei Endrunden knapp verpasst
Als einer von nur 23 Schweizern hat Widmer an insgesamt vier Endrunden teilgenommen. Es hätten noch zwei mehr sein können, doch vor der EM 2016 und der WM 2018 fiel er jeweils dem letzten Kaderschnitt zum Opfer. Widmer und die Nati, das war lange alles andere als eine Liebesgeschichte. Im Herbst 2014 debütierte er beim 4:0-Sieg gegen San Marino. In den darauffolgenden knapp sechs Jahren kamen aber nur acht weitere Einsätze dazu. Erst mit dem Rücktritt von Stephan Lichtsteiner (42) nahm seine Länderspiel-Karriere so richtig Fahrt auf.
Nun macht Widmer selbst Platz – und wird mit Nachrichten seiner Nati-Kumpel überschüttet. «Diese Reaktionen haben mir noch einmal gezeigt, dass wir mehr als nur Teamkollegen sind, sondern wie eine Familie.» Dieser Zusammenhalt sei das, was er am meisten vermissen werde. Widmer: «Wir haben in den letzten Jahren einen unglaublichen Zusammenhalt aufgebaut.»
Nun müssen seine Teamkollegen in Zukunft ohne ihn auskommen. Das gilt spätestens Ende September, wenn die Schweiz in die Nations League startet, auch für den teaminternen Whatsapp-Chat.
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