Mama Emine (†89)
Sie war die schillerndste Frau in Yakins Leben

Sie kam auf dem Dreirad im Regenmantel daher – fast 50 Jahre stand eine resolute Frau hinter dem Nati-Coach Murat Yakin: Mama Emine (†89), türkische Offizierstochter.
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2017 im Stadion Niedermatten in Wohlen: Emine Yakin verfolgt ein Testspiel vom FC Schaffhausen, den ihre Söhne Murat und Hakan trainieren.
Foto: geisser

Jeder Fussball-Fan kannte sie. Yakins Mutter Emine jubelte bei der Meisterfeier des FC Basel am Barfüsserplatz auf dem Balkon mit ihren Söhnen Murat (49) und Hakan (46), sie fuhr Anfang des Jahrhunderts fast täglich mit dem Dreirad ins FCB-Training. Bei GC handelte sie für ihren 17-jährigen Muri einst eine Transferbeteiligung von 10'000 Fr. aus. Sie war die schillerndste Frau in Muris Leben.

1970 kommt Emine, damals verheiratet mit Hüseyin Hüsnü Irizik, aus Istanbul nach St. Gallen. Sie findet Arbeit als Schneiderin. Nur drei Monate später stirbt ihre Mutter. Das Ehepaar kehrt kurzzeitig in die Türkei zurück. 1972 lebt Emine mit ihrem Gatten in Visp VS, sie verdient ihr Geld als Krankenpflegerin im Spital Sta Maria. Fünf Tage nachdem sie ihren Job angetreten hatte, verschwindet ihr Ehemann. Er wird tot im Genfersee geborgen. Emine erfährt es erst zehn Tage nach dem Unglück.

Flucht mit den Kindern ins Frauenhaus

Als Witwe steht die Mutter des heutigen Nati-Coaches vor einem grossen Problem: Um ihre sechs Kinder aus erster Ehe in die Schweiz holen zu können, müsste sie wieder heiraten. Dank Freunden lernt sie bald den in Basel lebenden Schweisser Mustafa Yakin kennen. Nur einen Monat später vermählen sich die beiden auf dem türkischen Konsulat. Anfang 1974 übersiedeln die sechs Kinder aus erster Ehe etappenweise in die Schweiz. Am 15. September 1974 kommt Murat Yakin zur Welt. Zweieinhalb Jahre später sein Bruder Hakan. In der jungen Ehe kriselts bald. Die Polizei bringt Emine mit ihren Kindern ins Frauenhaus. Zweimal kehrt sie zu ihrem Mann zurück. Aber nicht für lange. Zweimal flüchtet sie wieder ins Frauenhaus. Die Scheidung folgt bald.

Emine zieht 1982 mit ihren Kindern nach Münchenstein BL. Mutter Yakin erkennt bald, dass ihre beiden jüngsten Söhne dereinst ihr Geld auch als Fussball-Profi verdienen könnten. Zwei ihrer Brüder waren Profis in der Türkei, ihr Sohn Ertan Irizik (58) spielt zuerst für den FC Basel, ab 1986 für den FC St. Gallen.

Im Alter von acht Jahren schreibt Muri in der Schule als sein Berufsziel «Fusbalschpiler». Mutter Emine sitzt bei den Junioren-Spielen ihrer Kinder Muri und Hatsch immer am Spielfeldrand.

10'000 Fr Schmerzensgeld für die Mama

Im Sommer 1992, Muri ist damals gut 17, amtet Emine als Spielerberaterin. Concordia hat dank Muris Treffern in Ibach SZ den Aufstieg in die 1. Liga geschafft. Mitten in den Feierlichkeiten schnappt sich GC-Sportchef Erich Vogel Muri, Emine und Ertan Irizik. In der Schiedsrichterkabine unterschreibt Muri im Beisein seiner Mutter seinen ersten Profi-Vertrag. Doch eigentlich will Emine ihren Sohn nicht nach Zürich ziehen lassen. Sie sagt: «… dass ich wenigstens das Handgeld sehen will, wenn mein Sohn schon Basel verlassen muss.» 5000 Fr. gibts für Emine in bar, weitere 5000 folgen bald.

Besonders stolz ist Emine Ende September 1996, als Murat in der Champions League in Amsterdam für GC gegen Ajax aus 40 Metern den 1:0-Siegtreffer erzielt. Yakin damals zu Blick: «Mama weinte vor Freude.» (M.K.)

Am Montagabend des 6. November 2023 ist Emine Yakin, 89-jährig, im Kreis der Familie gestorben.

Dieser Artikel wurde am 7. November 2023 nach dem Tod von Emine Yakin leicht aktualisiert. 

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