Es war Mitte Mai. Die Euro stand vor der Tür. Bevor Granit Xhaka das EM-Abenteuer im Schweizer Nati-Trikot in Angriff nahm, tourte er noch mit seinem damaligen Verein, Borussia Mönchengladbach, durch die Schweiz.
In Luzern bekannte er sich offiziell zur Schweizer Nati. Das Interview vom 18. Mai im Wortlaut:
BLICK: Letzte Woche hat die Fifa den Kosovo aufgenommen: Werden Sie die Nation wechseln?
Granit Xhaka: In unserer Familie war das nie ein Thema. Ich bin stolz, dass der Kosovo ein Nationalteam hat. Aber ich bin glücklich, für die Schweiz zu spielen. Ich habe mich einmal entschieden, und dabei bleibt es.
Ein Bekenntnis für die Schweiz?
Auf jeden Fall! Ausserdem will ich nicht einem talentierten Jungen aus dem Kosovo den Platz wegnehmen. Es gibt sehr viele talentierte Junge im Kosovo. Vielleicht sind sie noch besser als Behrami, Shaqiri und ich. Sie hatten einfach das Problem, dass sie sich bisher nicht zeigen konnten. Für sie ist es eine riesige Chance. Es wäre nicht in Ordnung, wenn wir Arrivierten ihnen jetzt den Platz streitig machen würden.
Wie steht es um die Fussball-Infrastruktur im Kosovo?
Die ist nicht gut. Es gibt Stadien, aber dort kann man kaum Länderspiele durchführen. Es gibt zu wenig Trainingsplätze. Aber Sie werden sehen, der Kosovo wird ganz viele begabte Spieler herausbringen. Es wird einfach noch ein paar Jahre dauern, bis auch die Infrastruktur besser ist.
Weshalb hat der Kosovo so viele Talente?
Weil alle fanatische Fussballfans sind. Sie verfolgen alle grossen Ligen. Unsere Mentalität ist anders. Wir sind in schlechten Verhältnissen aufgewachsen. Es gab nach dem Krieg kaum Fussballplätze. Die Jungen hatten kein Lebensziel. Diese Jungen wollen jetzt das Land weiterbringen. Spieler wie Behrami, Shaqiri oder ich haben den Weg geebnet, dass der Kosovo von der Fifa anerkannt wurde.
Sie könnten ja später mal Trainer der kosovarischen Nati werden …
… warum nicht Trainer der Schweizer Nati?