Darum gehts
- Claudius Schäfer kritisiert Champions-League-Reform wegen ungleicher Geldverteilung
- Young Boys verdienten 35 Millionen Euro aus Champions-League-Einnahmen
- Solidaritätszahlungen stiegen auf 7 Prozent, jedoch als Massnahme unzureichend
Claudius Schäfer ist kein Fan der Champions-League-Reform, die die Einführung der Ligaphase zur Folge hatte: «Die Champions League hat in den vergangenen Jahren ein grösseres Gewicht erhalten in der Fussballlandschaft. Und für uns als nationale Ligen hat das nicht nur positive Folgen», sagt der Präsident des Verbands der europäischen Profifussball-Ligen «European Leagues» in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
In der Schweiz ist Schäfer vor allem als CEO der Swiss Football League, die für den Spielbetrieb der beiden höchsten Schweizer Ligen zuständig ist, bekannt. Und deshalb erklärt er die Auswirkungen gleich am Beispiel der Schweizer Liga: «Wenn es um den Verkauf von Fernsehrechten im Fussball geht, kommt dort mittlerweile klar an erster Stelle die Champions League. Und wenn für die Champions League mehr Geld ausgegeben wird, hat das für uns Konsequenzen: weil für die Liga weniger übrig bleibt.»
Champions-League-Gelder werden ungleich verteilt
Weil die Gelder in der Champions League deutlich weniger solidarisch verteilt würden als in den nationalen Ligen, leide die Ausgeglichenheit zwischen den Klubs. Die Folge: finanzielle Polarisierung, gerade in den kleineren Ligen – auch in der Schweiz: «Die Young Boys Bern haben durch die Champions League circa 35 Millionen Euro (umgerechnet knapp 32 Millionen Franken) eingenommen. Das ist mehr, als wir als Ligaverband insgesamt an die Klubs ausschütten», so Schäfer.
Was kann dagegen getan werden? Schäfer: «Es müsste ein Umdenken geben im gesamten Verteilungssystem.» Die bereits vorhandenen Solidaritätszahlungen, mit denen ein kleiner Teil der Einnahmen aus den europaweiten Wettbewerben an die Klubs in ganz Europa verteilt wird und die zuletzt von vier auf sieben Prozent erhöht worden sind – ein Erfolg für den Liga-Verband um Schäfer – seien dafür alleine unzureichend. Konkrete Vorschläge dazu würden derzeit ausgearbeitet.
«Zwölfmal den gleichen Meister»
Unabhängig davon, wie diese dann aussehen werden: Eine Gleichmacherei bei den Klubeinnahmen will auch Schäfer nicht. «Wir als europäische Ligen stellen gar nicht infrage, dass die grossen Klubs mehr Geld erhalten sollen als kleinere. Natürlich hat die Partie Borussia Dortmund gegen Real Madrid oder Bayern München gegen den FC Arsenal eine andere Ausstrahlung, als wenn ein Klub aus einer mittelgrossen Liga mitspielt. Es ist wichtig, dass das entschädigt wird», betont der SFL-CEO.
Ohne Anpassungen würde der Fussball aber weniger interessant, warnt Schäfer: «Dann kommen wir zu der Situation, dass man zehnmal, elfmal, zwölfmal den gleichen Meister bekommt ...».