Damit hätte vor der Saison in Italien niemand gerechnet. Nach zehn Spielen führt Lazio Rom die Serie A ungeschlagen an. Von zehn Spielen konnte das Team aus der Hauptstadt neun gewinnen, einzig gegen Milan gabs ein Unentschieden.
Geführt wird das Team von einem grossen Namen. Gennaro Gattuso (48) steht bei Lazio an der Seitenlinie – und hat als Trainer zum ersten Mal so richtig Erfolg. Bei seinen vorherigen Top-Stationen Milan, Napoli, Valencia, Marseille oder auch als italienischer Nationaltrainer tat er sich jeweils schwer. Länger als zwei Jahre sass er nirgends auf der Trainerbank.
Nachdem Gattuso mit Italien die WM verpasst hat, gab er sein Amt ab. Und Lazio gibt dem einstigen Sion-Spieler im Sommer eine Chance. Dem Trainer-Buhmann einer ganzen Fussball-Nation. Mut, der bis jetzt belohnt wird.
Grosser Boykott
Und das, obwohl rund um den Klub längst nicht alles rund läuft. Denn der Tabellenführer hat aktuell nicht wirklich Heimfans. Die Fans boykottieren nämlich die Spiele im heimischen Olimpico. Grund dafür ist der Streit zwischen den Tifosi und Klub-Boss Claudio Lotito (70).
Sie kritisieren die sportliche Entwicklung des Vereins und die Transferpolitik. Wie sie in einer Mitteilung sagten, werfen sie Lotito «klare Investitionsverweigerung» vor. Zudem wurde zu Beginn des Jahres ein Telefongespräch geleakt, in dem der Klub-Boss gesagt haben soll: «Der Verein hat einen Namen: Claudio Lotito.»
Auswärts mit Fans
Den Fans reichte es. Neben den Heimspielen boykottieren sie auch den Fanshop und weitere Einrichtungen, die vom Eigentümer kontrolliert werden. Am Verkauf der Saisonkarten ist der Boykott deutlich zu merken. Für die laufende Saison wurden bisher nur 4000 Dauerkarten verkauft. Zum Vergleich: In der vergangenen Spielzeit waren es noch rund 30'000.
An den Heimspielen herrscht nun gähnende Leere. Zumindest fast. Im Olimpico trudeln aktuell nur etwa 12'000 Fans ein – dort, wo ansonsten bis zu 70'000 Tifosi Platz hätten. Der Boykott richtet sich allerdings ausdrücklich nur gegen die Führung und nicht gegen das Team. Denn bei den Auswärtsspielen reisen tausende Lazio-Fans mit.
Ausnahme in Derbys
«Wir vermissen unsere Fans unglaublich», sagte Trainer Gattuso zu Beginn der Saison über den Boykott. Fussball ohne Fans ist eine Plage. Da kann man auch gleich mit dem Hund spazieren gehen», führte er aus. Derweil zeigt sich Boss Lotito unbeeindruckt. «Lasst sie machen, was sie wollen, dann sehen wir weiter», sagte er.
Eine Ausnahme machen die Fans bei den beiden Stadtderbys gegen die AS Roma. Das erste Duell gegen den Rivalen findet im Dezember statt. Übrigens sind auch sie gut in die Saison gestartet. Die Roma hat auch noch nie verloren und liegt vier Punkte hinter Lazio.
Speziell: Der italienische Fussball wird aktuell von zwei Regionen dominiert. Alle Teams aus der Top 6 kommen entweder aus der Lombardei (Inter, Milan, Como) oder aus dem Latium (Rom, Lazio, Frosinone). Mit dem überraschenden Lazio an der Spitze.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Lazio Rom | 10 | 16 | 28 | |
2 | Inter Mailand | 10 | 13 | 25 | |
3 | AS Rom | 10 | 18 | 24 | |
4 | Como 1907 | 10 | 10 | 23 | |
5 | AC Mailand | 10 | 9 | 21 | |
6 | Frosinone Calcio | 10 | 10 | 20 | |
7 | Juventus Turin | 10 | 3 | 17 | |
8 | SSC Neapel | 10 | 4 | 14 | |
9 | Bologna FC | 10 | 1 | 14 | |
10 | FC Turin | 10 | -2 | 13 | |
11 | Genua CFC | 10 | -4 | 13 | |
12 | Cagliari Calcio | 10 | -6 | 13 | |
13 | Atalanta BC | 10 | -4 | 11 | |
14 | US Lecce | 10 | -10 | 9 | |
15 | Parma Calcio | 10 | -7 | 8 | |
16 | AC Florenz | 10 | -8 | 8 | |
17 | Sassuolo Calcio | 10 | -10 | 8 | |
18 | AC Monza | 10 | -7 | 7 | |
19 | Udinese Calcio | 10 | -12 | 5 | |
20 | FC Venedig | 10 | -14 | 3 |