«Granit Xhaka? Der Boss!»
Sky-Experte Hitzlsperger analysiert die Premier-League-Schweizer

Kaum ein deutschsprachiger Experte verfolgt die Premier League enger als Ex-England-Söldner Thomas Hitzlsperger (43). Wer Meister wird. Warum ManUtd zum Chaos-Klub wurde und was er über die Schweizer Fussballer auf der Insel denkt.
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Sky-Experte Thomas Hitzlsperger nimmt für Blick die Premier League unter die Lupe.
Foto: imago/Stephan Wallocha

Darum gehts

  • Thomas Hitzlsperger lobt Granit Xhaka als dominanten Spieler, nennt ihn «The Boss»
  • Arsenal bleibt Hitzlspergers Meistertipp 2026, dank Stabilität und Top-Spieler
  • Manchester United vertraut bis Saison-Ende auf Interimstrainer Michael Carrick
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Stefan KreisReporter Fussball

Blick: Thomas Hitzlsperger, als Spieler hatten Sie den Spitznamen «der Hammer», weil Sie eine linke Klebe hatten. Welchen Spitznamen würden Sie Granit Xhaka verpassen?
Thomas Hitzlsperger:
Das ist eine sehr gute Frage. «The Boss» wäre treffend, so dominant wie er auf dem Rasen auftritt.

Sie begleiten die Premier League seit Jahren als Experte. Gab es schon mal einen vergleichbar starken Aufsteiger wie Sunderland?
Ich kann mich nicht erinnern. Jahr für Jahr wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sich ein Aufsteiger in der Liga halten kann. Umso beeindruckender ist, was Sunderland leistet.

Was macht Xhaka aus?
Er ist ein Teamplayer. Er macht seine Mitspieler besser. Er bringt das komplette Paket mit, ist passsicher, hat einen guten Schuss und ist physisch stark.

Könnte er in der aktuellen Verfassung auch bei seinem Ex-Klub Arsenal spielen?
Arsenal hat mit Declan Rice aktuell einen der besten Sechser im europäischen Fussball in seinen Reihen. Und der Klub hat sich in der Breite geschickt verstärkt. Aber Xhaka würde auch in diesem Kader eine Rolle haben, ja.

Gewinnt Arsenal in diesem Jahr endlich mal wieder den Titel?
Die Gunners waren schon vor der Saison mein Meistertipp. Sie sind hungrig, abgeklärt, stabil, haben einen Plan. Alles spricht dafür, dass sie es in dieser Saison packen werden.

Chaos-Klub Manchester United hingegen wird den Titel nicht gewinnen. Welcher Trainer tut sich diesen Job in Zukunft an?
Crystal-Palace-Coach Oliver Glasner ist im Gespräch. Ich schätze ihn sehr, aber er muss sich überlegen, ob er das wirklich machen will. Das Umfeld ist nicht einfach. Es gibt viel Misstrauen, viel Gegeneinander. Die Fallhöhe ist enorm, der Klub ist gross. Die Fans haben noch die Zeiten unter Sir Alex Ferguson im Kopf, der Frust ist riesig. Hinzu kommen zig Ex-Spieler, die alles kommentieren und den Trainer hart angehen. Ex-Profi Michael Carrick übernimmt nun bis Saisonende. Das finde ich gut. Er weiss, wie der Klub tickt und verschafft den Verantwortlichen etwas Luft.

ManCity schwächelt derzeit. War es ein Fehler, Manuel Akanji nach Italien ziehen zu lassen?
Ich weiss nicht, ob es nur daran liegt. Klar, wäre es angesichts der Verletztenmisere in der Defensive nicht schlecht, ihn noch zu haben. Bei ManCity hat sich aber in erster Linie die Spielweise verändert. Erling Haaland ist zwar herausragend, aber nicht mehr jener mitspielende Stürmer, den Pep jahrelang bevorzugte. Und mit Donnarumma hat man einen Goalie, der im Gegensatz zu Ederson nicht im Spielaufbau mit einbezogen wird. Insgesamt bedeutet das weniger Ballbesitz und damit weniger Dominanz.

Das ist Thomas Hitzlsperger

Thomas Hitzlsperger (43) ist eine Grösse. 51 Länderspiele für Deutschland, Meister mit Stuttgart, über 300 Profi-Einsätze für den VfB, Aston Villa, Everton, West Ham, Chesterfield, Wolfsburg und Lazio Rom.

Nach dem Ende seiner Aktivkarriere gibt Hitzlsperger bekannt, dass er homosexuell ist. Bis heute ist er einer der wenigen Fussballer, die offen dazu stehen. Auf die Frage, warum Homosexualität im Fussball noch immer ein Tabu-Thema sei, antwortet der 43-Jährige: «Man muss das im grösseren Kontext sehen. Innerhalb der Gesellschaft gibt es viele tolle Entwicklungen, ich würde deshalb nicht sagen, dass sich nichts geändert hat. In den Fanszenen zum Beispiel ist in dieser Hinsicht vieles positiv. Aber ja, in der Kabine und auf dem Platz hat sich nicht viel verändert. Offenbar scheint die Angst und Sorge noch da zu sein. Was mich überrascht ist, dass nach der Karriere niemand offen darüber spricht. Das ist schade, denn jeder könnte seinen Beitrag leisten. Meine Geschichte ist nur eine von vielen.»

Mittlerweile ist Hitzlsperger TV-Experte beim Pay-TV-Sender Sky. Dieser überträgt die Spiele der Premier League und das Spitzenspiel der Bundesliga auch auf seiner Sky App, auf der er alle grossen Ligen, Spiele und Sportarten gebündelt anbietet.

Thomas Hitzlsperger (43) ist eine Grösse. 51 Länderspiele für Deutschland, Meister mit Stuttgart, über 300 Profi-Einsätze für den VfB, Aston Villa, Everton, West Ham, Chesterfield, Wolfsburg und Lazio Rom.

Nach dem Ende seiner Aktivkarriere gibt Hitzlsperger bekannt, dass er homosexuell ist. Bis heute ist er einer der wenigen Fussballer, die offen dazu stehen. Auf die Frage, warum Homosexualität im Fussball noch immer ein Tabu-Thema sei, antwortet der 43-Jährige: «Man muss das im grösseren Kontext sehen. Innerhalb der Gesellschaft gibt es viele tolle Entwicklungen, ich würde deshalb nicht sagen, dass sich nichts geändert hat. In den Fanszenen zum Beispiel ist in dieser Hinsicht vieles positiv. Aber ja, in der Kabine und auf dem Platz hat sich nicht viel verändert. Offenbar scheint die Angst und Sorge noch da zu sein. Was mich überrascht ist, dass nach der Karriere niemand offen darüber spricht. Das ist schade, denn jeder könnte seinen Beitrag leisten. Meine Geschichte ist nur eine von vielen.»

Mittlerweile ist Hitzlsperger TV-Experte beim Pay-TV-Sender Sky. Dieser überträgt die Spiele der Premier League und das Spitzenspiel der Bundesliga auch auf seiner Sky App, auf der er alle grossen Ligen, Spiele und Sportarten gebündelt anbietet.

Dan Ndoye ist in der Nati unumstritten, bei Nottingham noch nicht. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Er hat Pech, dass er bei einem Verein gelandet ist, der in der letzten Saison überragend performte, in dieser Spielzeit aber hinter den Ansprüchen bleibt und um den Abstieg kämpft. Der Klub-Eigentümer agiert erratisch, hat schon zwei Trainer entlassen. Es ist nicht das einfachste Umfeld.

Fabian Schär hat sich schwer verletzt. Sein Vertrag läuft aus. Wie sehen Sie seine Zukunft?
Er hat für Newcastle in den letzten Jahren Grosses geleistet. Einem solchen Spieler könnte man auch entgegenkommen und ihm aus Dankbarkeit einen Vertrag zu geringeren Bezügen anbieten und nach seiner Karriere weiter in den Verein integrieren. Falls nicht, dann wäre ein Wechsel zurück in die Bundesliga ein möglicher Schritt.

Noah Okafor hat sich bei der Nati ins Abseits manövriert, weil er sich in einem Interview über mangelnde Wertschätzung beklagt hat. Ihre Meinung?
Meiner Meinung nach sollte man es immer erst intern ansprechen, wenn es Probleme gibt. Öffentlich Kritik am Trainer und am Verband führt in den seltensten Fällen dazu, dass man sofort wieder aufgeboten wird. Ob der Spieler sich hier alleine für das Interview entschied oder auch von seinem Umfeld dazu ermutigt wurde, das kann ich nicht bewerten.

In der Premier League ist der Titelkampf spannend. In der Bundesliga herrscht gähnende Langeweile. Stört Sie die Dominanz der Bayern?
Nein. Es ist beeindruckend, wie sie spielen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Die Bayern wurden für ihren Transfersommer kritisiert, weil sie Woltemade und Wirtz nicht bekommen haben. Nun spielen sie eine solche Saison, damit war nicht zu rechnen. Vincent Kompany leistet hervorragende Arbeit.

Was halten Sie vom Ausnahmetalent Johan Manzambi? Wäre er einer für die Bayern oder doch für die Premier League?
Ich glaube, dass England für einen solch vielversprechenden Spieler die erste Option ist. Es geht darum, dass er weiterhin spielt und da ist entscheidend, ob er das bei Bayern bekäme, oder aber bei einem etwas weniger guten Klub in der Premier League.

Sie wechselten mit 18 Jahren von den Bayern in die Jugendabteilung von Aston Villa. Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub zu?
Ich verfolge Villa sehr eng. Sie spielen tollen Fussball und stehen nicht ohne Grund auf dem dritten Platz. Ich glaube zwar nicht, dass sie den Titel holen, aber für die Champions League werden sie sich qualifizieren.

Haben Sie als Spieler eigentlich gerne Interviews gegeben?
Das war für mich immer Teil des Jobs. Ich habe gemerkt, dass es mir leichter gefallen ist als anderen. Die Spieler sind heutzutage so gross, weil ständig über sie berichtet wird. Da ist es nur logisch, ein anständiges, professionelles Verhältnis zu den Journalisten zu haben.

Welches ist Ihr liebster Fussballerspruch?
«Fussball ist wie Schach, einfach ohne Würfel.» Der wird gerne Lukas Podolski zugeordnet. Oder «Fussball ist keine Mathematik» von Ottmar Hitzfeld. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich ein Gegner der Datenanalyse bin. Ganz im Gegenteil. Ich informiere mich viel über Daten, aber Fussball ist ein Mix. Es gibt immer noch die menschliche Komponente, das Gespür für eine Situation. Etwas, was nicht berechenbar ist. Auch deshalb ist der Sport so faszinierend.

Premier League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Arsenal FC
Arsenal FC
21
26
49
2
Manchester City
Manchester City
21
26
43
3
Aston Villa
Aston Villa
21
9
43
4
Liverpool FC
Liverpool FC
21
4
35
5
Brentford FC
Brentford FC
21
7
33
6
Newcastle United
Newcastle United
21
5
32
7
Manchester United
Manchester United
21
4
32
8
Chelsea FC
Chelsea FC
21
10
31
9
FC Fulham
FC Fulham
21
0
31
10
FC Sunderland
FC Sunderland
21
-1
30
11
Brighton & Hove Albion
Brighton & Hove Albion
21
3
29
12
Everton FC
Everton FC
21
-2
29
13
Crystal Palace
Crystal Palace
21
-1
28
14
Tottenham Hotspur
Tottenham Hotspur
21
3
27
15
AFC Bournemouth
AFC Bournemouth
21
-6
26
16
Leeds United
Leeds United
21
-8
22
17
Nottingham Forest
Nottingham Forest
21
-13
21
18
West Ham United
West Ham United
21
-21
14
19
Burnley FC
Burnley FC
21
-19
13
20
Wolverhampton Wanderers
Wolverhampton Wanderers
21
-26
7
Champions League
UEFA Europa League
Abstieg
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